Streik der Leiharbeiter: Aufruhr im Kupfer-Imperium

Streik der Leiharbeiter
Aufruhr im Kupfer-Imperium

Mitten durch die öde Andenlandschaft, knapp 100 Kilometer südlich der chilenischen Hauptstadt Santiago, schlängelt sich eine perfekt geteerte und instand gehaltene zweispurige Fahrbahn, die so genannte Kupferstraße. Es ist die einzige Verbindung zwischen der größten Untertagemine der Welt, El Teniente, und der nahe gelegenen Stadt Rancagua.

HB BUENOS AIRES. Fast alle, die in El Teniente arbeiten, leben in Rancagua. Dreimal am Tag, wenn in El Teniente Schichtwechsel ist, winden sich die Autos und Busse mit den Arbeitern und Angestellten die Straße hoch. Ansonsten passiert hier nicht viel.

Doch letzte Woche gab es Aufruhr in der Bergregion. Mehrere tausend Leiharbeiter von Codelco, der Muttergesellschaft von El Teniente, besetzten die Kupferstraße und sperrten zeitweise die Zugangswege zur Mine. Auch ein paar hundert Kilometer nördlich in der Mine Andina blockierten Arbeiter den Zugang zum Gelände, so dass das Unternehmen Beschäftigte per Hubschrauber einfliegen ließ.

Die Leiharbeiter streiken, weil sie von dem Boom der Kupferpreise nichts merken, der vor allem durch die hohe Nachfrage aus China angeheizt wird, Chiles Staatskassen füllt und die Wirtschaft beflügelt. Der Kupferpreis stieg in den letzten zwölf Monaten um gut 50 Prozent. Die Arbeiter, die meist für den Mindestlohn von knapp 250 Dollar im Monat schuften, fordern einen Bonus in Höhe von knapp 1 000 Dollar und bessere Arbeitsbedingungen.

Chile ist größter Kupferproduzent der Welt und Codelco mit rund 46 000 Beschäftigten und einer Jahresproduktion von 1,9 Millionen Tonnen Feinkupfer (2004) das größte Kupferimperium weltweit. Der Streik schickte den Kupferpreis auf Rekordhöhen, obwohl die Produktion nach Angaben des Unternehmens bisher kaum betroffen ist. Die Tonne Feinkupfer stieg an der Londoner Metallbörse auf 4 630 Dollar. „Die weltweiten Kupfervorräte sind so knapp, dass jegliche Nachricht von einem Produktionsrisiko in einer Mine Überreaktionen auf dem Markt auslöst“, sagt der Vizepräsident des chilenischen Forschungsinstituts Cochilco, Patricio Cartagena.

Die Protestler haben den Moment gut gewählt, denn in Chile herrscht Präsidentschaftswahlkampf. Der Kandidat der Rechten, Sebastián Piñera, brachte die Regierung und ihre sozialistische Kandidatin Michelle Bachelet in Bedrängnis, weil er die Forderungen der Arbeiter nach einem Bonus unterstützte. Die Regierung lehnt jegliche Zusatzzahlung ab, will jedoch ein Gesetz in den Kongress bringen, welches die große Zahl der Leiharbeiter in Chile gesetzlich besser absichert. Wie überall auf der Welt ziehen es die Unternehmen vor, so wenig wie möglich Beschäftigte fest anzustellen. Fast alle großen chilenischen Unternehmen, nicht nur im Bergbau, verlassen sich zum großen Teil auf Leiharbeiter, die über spezielle Beschäftigungsfirmen eingesetzt werden.

Seit El Teniente (Der Leutnant) Anfang des letzten Jahrhunderts von der nordamerikanischen Braden Copper Company in Betrieb genommen worden ist, haben sich die Arbeiter mehr als einen Kilometer tief in den über 2 000 Meter hohen Berg hinein gefräst. Es gibt 14 Stockwerke, von oben nach unten durchnummeriert und jeweils etwa 15 Meter hoch. Die obersten Niveaus sind bereits ausgebeutet. Explorationsarbeiten haben aber gezeigt, dass noch mindestens bis zu 25 Stockwerke weiter unten im Berg ausreichend Kupfer zum Abbau vorhanden ist. El Teniente ist die größte derzeit bekannte Kupferlagerstätte. Die Zukunft der Mine ist auf lange Zeit gesichert.

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