Studie
Spekulanten verstärken die Extreme

An den Rohstoffmärkten kommt es zu seltsamen Ausschlägen. Jüngstes Beispiel: Der Kaffeepreis steigt rasant. Was steckt dahinter? Eine neue Studie belegt, dass Spekulation eine entscheidende Rolle spielt.
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DüsseldorfKaffee ist nicht nur das liebste Heißgetränk der Deutschen. Auch bei Investoren an den internationalen Rohstoffmärkten erfreut sich die Bohne gerade großer Beliebtheit. Die Zahl der Spekulanten, die auf einen steigenden Kaffeepreis wetten, hat schnell zugenommen. Gleichzeitig ist der Preis für Kaffee geklettert. Am Rohstoffmarkt kostet die Sorte Arabica gut 70 Prozent mehr als zu Beginn des Jahres. Mehr Spekulanten, steigende Preise – es braucht nicht viel Fantasie, um einen Zusammenhang zu konstruieren. Aber lässt sich dieser auch beweisen?

Die Frage, wie Finanzinvestoren die Rohstoffpreise beeinflussen, wird seit Jahren heiß diskutiert, teils ideologisch motiviert, nicht immer mit sachlichen Argumenten. Für Verbraucherschützer steht fest, dass Spekulanten die Preise in die Höhe treiben. Einen letzten Beweis sind sie bislang schuldig geblieben, so dass sich Banker immer darauf zurückziehen können, alles sei lediglich eine Frage von Angebot und Nachfrage.

Jetzt belegt eine wissenschaftliche Studie: Die Nachfrage von Finanzinvestoren wirkt zumindest als Verstärker von extremen Ausschlägen an Rohstoffbörsen. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). „Die reale Nachfrage aus boomenden Schwellenländern wie etwa China kann die enormen Preissprünge alleine nicht erklären“, sagt Nicolas Koch, Autor der Studie. Das MCC ist eine gemeinsame Gründung der Stiftung Mercator und des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Die Untersuchung, veröffentlicht im Fachmagazin „Energy Economics“, bezieht sich auf die Preisentwicklung von Energierohstoffen wie Öl und Gas in den Jahren zwischen 2006 und 2012. Die Ergebnisse könnten aber auch Rückschlüsse auf andere Rohstoffe zulassen, die an Börsen gehandelt werden. Anders als in vorherigen Studien liegt der Fokus allein auf den Preisspitzen, also den extremen Ausschlägen. Diesen wurden die offenen Positionen von spekulativ orientierten Anlegern wie etwa Hedge Fonds gegenübergestellt. Daten dazu veröffentlicht die Commodity Futures Trading Commission (CFTC), die Aufsichtsbehörde für die US-Terminmärkte.

Fazit der Analyse: Immer wenn der Preis extrem ausschlägt, sind die Spekulanten besonders aktiv. „Spitzenpreise an den Rohstoffbörsen gehen mit massiven Käufen von Hedgefonds einher. Einbrüche hängen umgekehrt mit den massiven Verkäufen der Fonds zusammen“, sagt Koch. Auffällig sei etwa, dass Finanzmarktakteure in Krisenzeiten verschiedene Rohstoffe aufgrund von Liquiditätsengpässen zum gleichen Zeitpunkt verkaufen – und so die Talfahrt in allen Rohstoffmärkten verstärken.

Kommentare zu " Studie: Spekulanten verstärken die Extreme"

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  • Und für sowas braucht man eine Studie, das es auch Spekulation im Preis bei Rohstoffen gibt.

    Sicherlich haben die noch nie was von der CBOT, CME oder wo Kaffee gehandelt wird, ICE gehört.

  • Was soll das Lamentieren über die Spekulanten; an den Finanzmärkten gibt es keine Moral, Kurse werden zum eigenen Vorteil manipuliert (libor), Deutschbanker lügen wie gedruckt und die EU bricht sowieso Gesetze ohne rot zu werden.

    Was soll also das Lamentieren; die kleinen Bürger (Omas, Hartz4, Studenten) werden massiv abkassiert, dafür bekommen gut verdienende Firmen eine Freistellung von der EEG-Umlage, man muß ja nur die Lohnkeule schwingen.

    Ein großes Dankeschön deshalb an Gabriel und die grünen Gutmenschen, denen wir die explodierenden Strompreise ja zu verdanken haben.

    80 Millionen Deutsche können nun einmal nicht im Alleingang die Welt retten; am 25. Mai ist Wahl, dann kommt die Quittung und Grün wird ein einstelliges Wahlergebnis einfahren.

  • Endlich mal ein Artikel, der versucht, sich ohne die übliche Hetze dem Thema neutral zu nähern. Eine kleine Anmerkung habe ich aber trotzdem:

    Es wird wieder einmal der Sinn der Spekulation vergessen: Wie beim „alltäglichen Spekulieren“ (z.B. ob es regnen wird) geht es darum, die unsichere Zukunft zu bewerten (in welchen Zeiträumen auch immer). Daraus können dann JETZT schon geeignete Maßnahmen ergriffen werden (z.B. einen Schirm mit nach draußen nehmen). Wenn also in der Zukunft ein Angebotseinbruch beim Kaffee vermutet wird, dann muss der Preis JETZT schon steigen, damit dem JETZT schon auf der Angebotsseite entgegengewirkt werden kann (z.B. mehr Kaffee produzieren). Dafür sind Spekulanten nötig.

    Im letzten Absatz merkt der Autor an, dass die long-Positionen der Spekulanten zunehmen, wenn das Angebot zukünftig weniger wird. Genau DAS ist doch der Sinn dieser ganzen Sache. Nur dadurch kann der Kaffeepreis steigen, der ja ein Signal ist, wie gut Angebot und Nachfrage (auch zukünftig) zusammen passen. So etwas können Konsumenten mit ihren gleichbleibenden Käufen nicht abbilden.

    Übrigens: Wenn der Preis hoch ist und die Konsumenten viel zahlen müssen, wer bekommt dann das Mehr an Geld? Jeder ist sich sicher, dass es die Spekulanten sind. Aber dabei werden, die Anbieter völlig vergessen: Die verkaufen nämlich auch zu diesem hohen Preis ihren Kaffee. Also das Geld fließt zum Produzenten. Und dieser kann (weil es sich dadurch wirtschaftlich lohnt), mehr produzieren, was die ganze Situation wieder entspannt.

    Zu meinen Vorrednern: Wenn Spekulanten Gewinn machen, haben sie die Schwankungen reduziert. Denn offensichtlich haben sie billiger gekauft, als verkauft, was glättend wirkt. Die letzten beißen aber die Hunde. Die zuletzt eingestiegenen Spekulanten verstärken die Schwankung, da sie „oben“ noch gekauft haben. Dafür zahlen sie aber damit, dass sie Verlust machen. Sie bekommen also, wenn man das moralisch ausdrücken möchte, ihre „Strafe“ gleich unmittelbar.

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