Südafrika
Goldförderer brauchen Alternativen

Die Förderung von Gold stößt an den traditionellen Standorten allmählich an ihre Grenzen. So bohren sich in Südafrikas Erde Schächte bis in vier Kilometer Tiefe – und die Kosten explodieren. Die Weltmarktführer vom Kap suchen nun weltweit nach rentableren Vorkommen und machen dabei auch vor den Abfällen der Vergangenheit nicht Halt.

JOHANNESBURG. Gold hat zuletzt einen Teil der Gewinne wieder abgegeben und notiert sogar unter 790 Dollar je Feinunze. Doch damit liegt der Preis immer noch so hoch wie seit über einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Südafrikas Minen haben davon allerdings bisher kaum profitiert; sie schreiben Verluste oder nur geringe Gewinne.

Dabei ist das Kapland noch immer der größte Edelmetallförderer der Welt und erzielt jährlich Einnahmen von etwa sechs Mrd. Euro daraus. Insgesamt wurden in den vergangenen 121 Jahren in Südafrika 50 000 Tonnen Gold gefördert – das ist fast ein Drittel der gesamten Weltproduktion dieser Zeit. Doch der Boom ist längst vorbei. Wurden 1970 noch über 1 000 Tonnen aus der Erde geholt, waren es im vorigen Jahr nur 275. Und statt 50 Prozent der Exporteinnahmen bringt Gold jetzt nur noch acht Prozent. Tendenz: weiter fallend.

Doch während die Fördermenge zurückgeht, steigen die Kosten. Die ertragreichen und nicht so tief liegenden Goldadern sind längst abgebaut. Deshalb müssen die Schächte nun immer tiefer gebohrt werden. Gold Fields ist dabei, seine Grube Driefontein auf 4  21 Meter niederzubringen – es wäre dann die tiefste Mine der Welt. Die Kloof-Mine soll bald 4  0 Meter haben und AngloGolds Tau-Tona-Grube kommt in absehbarer Zeit auf 3 900 Meter.

Damit werden zwar Lagerstätten von über 20 Mill. Unzen erschlossen, doch das geht kräftig ins Geld. Denn angesichts von Gesteinstemperaturen von über 50 Grad muss aufwendig gekühlt werden. Zudem werden mit zunehmender Tiefe Gesteinsschläge immer öfter, so dass auch die Sicherheits-Ausgaben kräftig steigen. Schon in den bestehenden Abbauflözen kommt es jährlich zu über 100 tödlichen Unfällen – gegenüber fünf in den Goldbergwerken der USA.

Um den Kostendruck auszugleichen, suchen die südafrikanischen Bergbauunternehmen immer mehr nach billiger abzubauenden Lagerstätten in der ganzen Welt. In Südamerika sind sie genauso aktiv wie in Kongo (Kinshasa), Mali, Australien, Papua Neuguinea und Laos. Noch vielversprechender ist der sogenannte russisch-chinesische Goldgürtel. "Wir halten China für untererkundet“, erklärt Richard Duffy, bei Anglo Gold zuständig für die Erkundung neuer Minenmöglichkeiten. China sei vor allem an Explorationen erfahrener Bergbauhäuser in unwegsamen Gegenden des Landes interessiert. In Westchina ist Anglo Gold in "letzten Gesprächen“ über ein Joint Venture; dort gibt es bereits zwei weitere Erkundungsteams. Die chinesische Förderung ist so stark angestiegen, dass das Reich der Mitte entweder in diesem oder im nächsten Jahr Südafrika als größten Goldförderer der Welt überholen wird.

Es wird aber nicht nur immer tiefer gegraben. In Südafrika wurde zudem damit begonnen, die alten Abraumhalden der Goldbergwerke industriemäßig zu durchsieben. Allein rund um Johannesburg erheben sich fast 200 Abraumberge. "Wir haben heute bessere Methoden der Goldgewinnung als zu der Zeit, da die Halden hier entstanden“, erklärt Ingenieur Matt Stratton. Er leitet die von DRD Gold gebaute Metallurgiefabrik bei Carletonville, die eine nahe gelegene Halde abbaut. Sie erhebt sich 36 Meter hoch und ist mit 530 000 Quadratmeter größer als die Vatikanstadt in Rom. Aus den 24 Mill. Tonnen Abraum werden innerhalb von einem Jahrzehnt sechs Tonnen Gold gewonnen. Da hier mit großen Wasserkanonen der Abraum in Rohre gepresst und die darin enthaltenen kleinen Goldkörner nur noch industriell ausgewaschen werden, ist dies viel billiger als die teure Untertage-Förderung und das Zermahlen des Gesteins. Auch Gold Fields hat damit begonnen, seine alten Halden aufzubereiten.

Aber auch aus den vor Jahrzehnten aufgegebenen Bergwerken am Rand von Johannesburg lässt sich angesichts des hohen Weltmarktpreises heute noch lukrativ Gold fördern. Dieser Überzeugung ist das neue Unternehmen Central Rand Gold, das an den Börsen von London und Johannesburg gelistet ist und jetzt um Abbaulizenzen nachsucht. Über fünf Mill. Unzen, so meinen die Geologen, können dort noch herausgeholt werden. Außer Gold, so meint CEO Greg James, gebe es auch Schwermetalle und Uran, die ebenfalls auf dem Weltmarkt gute Preise bringen.

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