Südamerika: Der einzige noch geöffnete Laden bietet nur Alkohol, Huhn und Dosen

Südamerika
Goldbergwerk raubt einer Stadt das Leben

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Der einzige noch geöffnete Laden bietet nur Alkohol, Huhn und Dosen

Newmont hat versprochen, das durch das Bergwerk beschädigte Land „ohne Nettoverlust an biologischer Vielfalt“ wiederherzustellen. Auch will es kein Quecksilber benutzen – im Gegensatz zu den unabhängigen Bergarbeitern, die mit ihren Praktiken jahrelang Umweltschützer in Alarm versetzten. Sie verwendeten nicht nur das giftige Metall zur Gewinnung des Goldes, sondern rissen auch mit ihren Erdbaggern und anderen Geräten den Regenwald auseinander. Newmont-Topmanager Gary Goldberg versicherte, Merian werde „die sicherste und umweltfreundlichste Mine der Welt“ sein.

Dem Unternehmen zufolge zählen etwa 200 Paramaka zu den rund 1000 Beschäftigten – ein großer Prozentsatz der gesamten Gemeinde. Nach Angaben eines Firmensprechers hat Newmont auch 1,5 Millionen Dollar in örtliche Infrastruktur gesteckt und einen Fonds zur Finanzierung neuer Schulen und Kliniken eingerichtet.

Die Vorbereitungen auf die Öffnung des Bergwerkes begannen vor zwei Jahren, und seitdem verödet das Leben in Langa Tabiki zusehends. Der einzige noch geöffnete Laden bietet nur Alkohol, gefrorenes Huhn und Dosen mit Bohnen an. Das größte Haus, im Besitz des Paramaka-Oberhauptes, steht leer: Er ist aus nicht näher erläuterten Gesundheitsgründen in die Hauptstadt Paramaribo umgezogen.

Die Grundschule, in den 1970ern noch von etwa 200 Kindern besucht, ist ebenfalls fast unbevölkert, obwohl sie über ein neues von Newmont gestiftetes Gebäude verfügt. Die meisten Merian-Bergarbeiter leben auf dem Minen-Gelände und geben ihr Geld zumeist in Paramaribo aus.

Langa Tabiki liegt auf einer Insel im Fluss Marowijne, der die Grenze zu Französisch-Guayana bildet. Die Fahrt in die Hauptstadt auf den zumeist ungepflasterten Straßen dauert vier Stunden. Dennoch blühte und gedieh die Gemeinde über Jahre hinweg und wurde die Hauptstadt der Paramaka.

Die Stadt spielte im surinamischen Bürgerkrieg von 1986 bis 1992 eine große Rolle. Rebellen, die das Regierung von Bouterse – damals noch Militärdiktator – bekämpften, richteten hier vorübergehend ihr Hauptquartier ein, in der Umgebung tobten die Kämpfe.

Als der Friede einzog, gab das Goldfieber der Stadt ein neues Leben. Keiner weiß genau, wie viele Goldgräber sich damals dort aufhielten, aber es waren Tausende – Ortsansässige und Bergleute aus Brasilien und von anderswo. Supermärkte, Tankstellen, Werkstätten, Bars und Bordelle öffneten an der 90 Kilometer langen unbefestigten Straße, die in die Stadt führt.

Mit den unabhängigen Bergleuten haben mittlerweile auch fast alle Firmen die Gegend verlassen. Die wenigen, die geblieben sind, hoffen, dass die Regierung ihnen ein Gebiet zuweist, in dem sie wieder graben können. Ihr Zorn richtet sich gegen Bouterse. „Er hat uns versprochen, dass er unser Gold niemals an ein ausländisches Unternehmen verkauft“, sagt Bergarbeiter Johannes Joris. „Aber seht, was er getan hat.“

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Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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