Südamerika: Goldbergwerk raubt einer Stadt das Leben

Südamerika
Goldbergwerk raubt einer Stadt das Leben

Die südamerikanische Stadt Langa Tabiki im Regenwald von Surinam verödet durch ein von einer US-Firma betriebenes Goldbergwerk. Ein Segen für die einen – ein Fluch für die anderen. Bergleute und Firmen fliehen.
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Langa TabikiSchlammige Fußwege winden sich an leerstehenden Häusern vorbei, viele der Gebäude sind in sich zusammengefallen. Dutzende Läden und Bars haben geschlossen. Der prominenteste Einwohner, ein Stammesführer, ist weggezogen.

Willkommen in Langa Tabiki, einer einst blühenden Stadt im Regenwald von Surinam, reich an Geschichte und Kultur. Seit Kurzem betreibt eine US-Firma in der Nähe ein Goldbergwerk, was der Regierung in dem kleinen südamerikanischen Land mit hoher Inflation dringend benötigte Einkünfte beschert. Aber das Unternehmen hat zugleich das stark von Probegrabungen abhängige Langa Tabiki in eine Geisterstadt verwandelt.

Tausende unabhängige Bergarbeiter haben die Gegend verlassen – vertrieben von Soldaten und privaten Sicherheitskräften, die sie von dem rund 5200 Kilometer großen Waldgelände fernhalten wollten, das die Regierung der Firma Newmont Mining als „Interessengebiet“ zugeteilt hat. Nur noch ein paar Nachzügler sind noch geblieben.

„Die meisten Leute sind bereits in andere Orte im Land gezogen, um ihr Glück zu versuchen“, sagt Tjamie Ceder, der zu den wenigen gehört, die noch ausharren.

Die Stadt liegt etwa 17 Kilometer vom Merian-Bergwerk entfernt. Sie ist Heimat des Paramaka-Volkes, einer von mehreren kleineren Gruppen, die von Einheimischen und afrikanischen Sklaven abstammen und nach jahrzehntelangem Krieg mit der Regierung und Söldnern Kontrolle über ihr Land gewannen. Es ist eine Region, in der die Menschen stolz auf ihre Unabhängigkeit von einer entfernten Zentralregierung sind.

Leute wie Ceder, die ihr bisheriges Leben in Langa Tabiki verbracht haben, betrachten das Bergwerk als Eindringling. „Newmont hat nicht entdeckt, dass der Boden hier so viel Gold enthält. Mein Vater, der auch Bergarbeiter war, wusste das schon“, sagt Ceder. „Ich möchte leben und meinen Lebensunterhalt verdienen wie es mein Vater tat, nicht für Fremde arbeiten.“

Newmont mit Hauptsitz im US-Staat Colorado erwartet, dass Merian in den ersten fünf Jahren jährlich 500.000 Unzen Gold produzieren wird und die Reserven bei 4,2 Millionen Unzen liegen – nach derzeitigen Preisen ungefähr fünf Milliarden Dollar (4,7 Milliarden Euro) wert. Surinams Regierung ist zu 25 Prozent an der Mine beteiligt und betont, dass das Projekt lebenswichtig für das Land sei. Für dieses Jahr wird erwartet, dass die Wirtschaft um neun Prozent schrumpft, und die Inflation liegt bei fast 80 Prozent.

„Dieses Projekt zeigt, dass ausländische Investoren nach wie vor Vertrauen haben, nicht nur in unsere kleine Wirtschaft, sondern auch in die politische Stabilität von Surinam“, sagte Präsident Desi Bouterse bei der Eröffnungszeremonie am 17. November.

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