Super bald bei 1,50 Euro pro Liter?
Nordsee-Öl erreicht neuen Preisrekord

Der Ölpreis ist am Mittwoch wegen Sorgen über mögliche Lieferengpässe aus dem Iran auf ein neues Rekordhoch geklettert. Der Preis für ein Barrel der in Europa führenden Nordseesorte Brent durchbrach in London die Marke von 73 Dollar.

HB LONDON/DUBAI. Auch die Ankündigung der Internationalen Energieagentur (IEA), im Fall eines Öl-Exportstopps durch den Iran die Lücke mit Vorräten zu füllen, konnte dem Markt die Nervosität nicht nehmen. Gewinnmitnahmen linderten den Preisdruck am Markt nur vorübergehend.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte vor den Folgen der hohen Energiekosten, die in ihrem ganzen Ausmaß möglicherweise noch bevorstünden. Der IWF forderte die Regierung in Washington auf, eine Erhöhung der Treibstoffsteuer in Erwägung zu ziehen, um so den Verbrauch zu drosseln.

Der Streit des Westens mit dem Iran - dem viertgrößten Ölexporteur der Welt - hat sich jüngst zugespitzt. Schon am Dienstag hatten die Ölpreise deshalb neue Rekordstände markiert. US-Leichtöl war am Vortag bis auf 71,60 Dollar gestiegen. Am Mittwoch verbilligte sich US-Öl zur Lieferung im Mai leicht auf 71,45 Dollar je Barrel (knapp 159 Liter).

Der Iran exportiert laut IEA täglich rund 2,7 Millionen Barrel Rohöl. IEA-Chef Claude Mandil sagte im französischen Rundfunk aber, diese Menge könne die Agentur mit ihren vier Milliarden Barrel an strategischen Reserven leicht ausgleichen, sollte der Iran seine Lieferungen einstellen. Die Menge würde für rund vier Jahre reichen.

Für die weitere Ölpreisentwicklung gebe es neben dem Iran aber noch eine Reihe von Risiken wie die politische Ungewissheit im Irak, in Nigeria, dem Tschad sowie in Venezuela, sagte Mandil. Besorgt zeigte er sich zudem, was die Auswirkungen des anhaltend hohen Ölpreises auf die Weltwirtschaft angeht. Nach Einschätzung des österreichischen Wirtschaftsministers Martin Bartenstein nimmt die Wirtschaft in der Europäischen Union (EU) dagegen bislang keinen Schaden. Österreich hält noch bis Ende Juni den EU-Ratsvorsitz.

Die US-Energie-Informationsbehörde (EIA) geht unterdessen davon aus, dass die jüngsten Preisrekorde beim US-Rohöl nicht auf eine spekulative Blase zurückzuführen sind. „Ich glaube, die Grundlagen von Angebot und Nachfrage treiben den Markt“, sagte EIA-Vertreter Guy Caruso im US-Fernsehen. Dem wöchentlichen EIA-Bericht zufolge sank der US-Vorrat an Benzin mehr als erwartet, während sich der Vorrat an Rohöl nur leicht verringerte.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) will am Montag in Doha angesichts der Preisentwicklung informell beraten. Die Opec produziert seit mehr als einem Jahr bereits am oberen Ende ihrer Kapazität. Nach früheren Angaben aus dem Ölministerium in Katar will das Kartell seine Produktionsmenge für den Rest des Jahres auf dem bisherigen Niveau halten, falls die Nachfrage anhält und die Ölpreise weiter „zu hoch“ bleiben. Die Opec hatte diese Bezeichnung jüngst selbst verwendet. Experten hatten am Dienstag nicht ausgeschlossen, dass ein Liter Super-Benzin an deutschen Tankstellen bald mehr als 1,50 Euro kosten könnte.

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