Syrien-Konflikt
USA wollen Ölreserven vorerst nicht anzapfen

Die USA bleiben auf dem Ölmarkt trotz der Syrien-Krise zurückhaltend. Vorerst werden keine eigenen Ölreserven angetastet. Das könnte sich schlagartig ändern, wenn sich der Konflikt im Nahen Osten ausweitet.
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Washington/FrankfurtDie USA wollen trotz des jüngsten Ölpreis-Anstiegs offenbar vorerst nicht in den Markt eingreifen. Eine Auflösung strategischer Reserven, um die Preise zu drücken, ist Insidern zufolge kein Thema.

„Ein Anzapfen der Ölreserven steht weder unmittelbar bevor noch wird sie derzeit ernsthaft erwogen“, sagte eine Person, die an den regelmäßigen Gesprächen der US-Regierung zur Lage am Ölmarkt teilgenommen hat. Das werde sich wohl erst dann ändern, wenn die Folgen eines möglichen Militärschlags gegen Syrien schwerwiegender seien als erwartet. Auch Großbritannien will nach Aussagen eines Regierungsvertreters seine Ölreserven vorerst nicht antasten.

Die USA halten 700 Millionen Barrel (159 Liter) oder 111,3 Milliarden Liter Rohöl vorrätig. Zum bislang letzten Mal wurden Teile davon 2011 verkauft, als die Unruhen während des „Arabischen Frühlings“ die Furcht vor einer Unterbrechung der Ölversorgung geschürt hatten.

Wegen der Spekulationen auf einen Militärschlag des Westens gegen Syrien hatte sich ein Fass der richtungsweisenden Ölsorte Brent aus der Nordsee sich binnen weniger Tage um mehrere Dollar verteuert und am Mittwoch mit 116,61 Dollar je Barrel (159 Liter) ein Sechs-Monats-Hoch markiert. Die Internationale Energieagentur (EIA) sieht darin allerdings noch keinen Grund für eine Reaktion. Sie sei allerdings darauf vorbereitet, „im Falle einer größeren Unterbrechung des Nachschubs“ sofort einzugreifen.

Der Ölpreis-Anstieg sei bislang zu kurzlebig, um die Weltwirtschaft nachhaltig zu beeinträchtigen, betonten die Experten der Fondsgesellschaft Union Investment. „Eine merkliche Wachstumsdämpfung würde unseres Erachtens erst ab Ölpreisen über 138 Dollar pro Barrel auftreten.“

So lange der Konflikt auf Syrien beschränkt bleibt, muss Börsianern zufolge nicht mit einer Ölpreis-Explosion gerechnet werden. Schließlich sei das Land ein relativ kleiner Produzent mit einem Weltmarktanteil von 0,4 Prozent. „Allerdings hat der Konflikt Auswirkungen auf die Stabilität der gesamten Region im Nahen Osten“, warnt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Deutschland in einem Kommentar. Experten befürchten für den Fall eines Angriffs auf Syrien Vergeltungsanschläge in den Nachbarstaaten Türkei oder Jordanien sowie auf Ölförderanlagen im Irak.

Bei einem Überschwappen des Konflikts könnte der Ölpreis auf ein neues Rekordhoch von 150 Dollar steigen, prognostizierte die Societe Generale (SocGen). Dann könnte ein Anzapfen der strategischen Ölreserven schnell wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden, sagte Charles Ebinger, Chef der Energiesicherheitsinitiative der Denkfabrik Brookings Institution. „Wenn die Märkte zu nervös werden, werden wir es versuchen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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