Testlabor Hongkong
China probt den freien Währungshandel

In der Volksrepublik sind so einige Modernisierungen im Gange. Das chinesische Währungssystem muss überarbeitet werden, will man ganz oben mitspielen. Als Testlabor für den weltweiten Yuan-Handel gilt der Finanzplatz Hongkong.
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PEKING. Die Finanzminister der 20 wichtigsten Volkswirtschaften (G20) haben am Wochenende in Südkorea vor einem Abwärtswettlauf in der Bewertung der wichtigen Handelswährungen gewarnt. Damit steht einmal mehr Peking am Pranger, weil die Volksrepublik ihrer Währung nur kleine tägliche Aufwertungen gestattet - im Vergleich zur wirtschaftlichen Bedeutung Chinas ist der Yuan damit vermutlich vergleichsweise preiswert. Doch China ist in der Währungsfrage nicht so passiv, wie es auf den ersten Blick scheint. Hinter den Kulissen bereitet die kommunistische Führung des Landes bereits eine neue, weltweite Rolle für den Yuan vor.

Das Labor für die Experimente mit der Währungsfreigabe ist Hongkong - die Finanzenklave befindet sich im Besitz der Kommunisten, praktiziert jedoch reinen Kapitalismus. In den vergangenen Monaten haben die chinesische Zentralbank und die Hongkonger Finanzbehörde die Möglichkeiten für die Yuan-Nutzung deutlich ausgeweitet. "Wir sind überzeugt, dass die neu geschaffenen Instrumente stark zur praktischen Benutzung von Renminbi beitragen werden", sagt Analyst Tomo Kinoshita von der Investmentbank Nomura. Als Nebeneffekt dürfte der Finanzstandort Hongkong mit dem weiteren Aufstieg Chinas enorm an Bedeutung gewinnen, wenn hier die Finanzströme des Riesenreichs zusammenlaufen.

Hongkonger Banken können Yuan seit dem Sommer fast so handhaben, als handele es sich um eine normale Währung. Erstmals sind außerhalb des chinesischen Festlands normale Yuan-Konten für Firmen und Privatleute erlaubt. Zwischen diesen Konten sind auch freie Überweisungen möglich. Der jüngste Coup: Selbst ausländische Banken können von Hongkong aus in den Anleihemarkt auf den chinesischen Festland investieren. "Bisher hatten Banken, die Renminbi-Abwicklungen vorgenommen haben, keine Möglichkeit zur Investition in Renminbi-Anlagen", erklärt Kinoshita die Neuerung. "Die Reform soll sie ermutigen, Yuan-Konten zu führen und ordentliche Zinsen zu bieten." Die Banken können also die Yuan, die sie von Transaktionen chinesischer Firmen mit dem Ausland übrig behalten, erstmals sinnvoll anlegen.

Auch auf der anderen Seite der chinesischen Währungsmauer tut sich einiges. Banken und Unternehmen in 20 chinesischen Provinzen können seit dem Sommer Geschäfte über die Grenze hinweg direkt in Yuan abwickeln. Bisher waren solche Überweisungen nur in konvertierbaren Devisen wie dem Euro möglich. Weitere Neuerung: Großunternehmen mit einer Tochter in Hongkong können die China-Devise direkt an ihre Geschäftspartner in der Volksrepublik überweisen. Sie brauchen dafür allerdings eine Sonderlizenz.

Die Hongkonger Banken haben die neuen Angebote blitzschnell angenommen und eine Fülle von umfangreichen Yuan-Produkten auf den Markt gebracht. Die weltgrößte Bank ICBC beispielsweise bietet schon komplexe Absicherungsgeschäfte an, sogenannte Yuan-Dollar-Swaps. Die China Citic Bank erlaubt die Zahlung von Versicherungsprämien in Yuan. Sowohl Standard Charteres als auch HSBC haben strukturierte Investmentprodukte auf den Markt gebracht, die auf Yuan lauten. Es versteht sich von selbst, dass auch die Banken untereinander mit Yuan handeln dürfen - obwohl die Behörden in Peking das als riesiges Zugeständnis sehen.

China hat guten Grund, sein Währungssystem zu modernisieren. Wer weltweit ganz vorne mitspielen will, braucht eine konvertierbare Währung - sonst nehmen gefährliche Ungleichgewichte im Außenhandel immer weiter zu. Zudem können die eigenen Finanzhäuser nur mit einer harten Heimatwährung zu Weltgeltung kommen. Experten rechnen bereits damit, dass die neuen Angebote bei den Kunden schnell Anklang finden. "Wir erwarten, dass die Yuan-Einlagen in Hongkong mittelfristig stark ansteigen", so Nomura-Analyst Kinoshita. Für die Zukunft erwartet er beispielsweise, dass Firmen in Hongkong Mittel für Investitionen in China einsammeln und sie ohne Umwege nach China überweisen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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  • brüderles antiamerikanische Tirade auf dem Treffen der Finanzminister in Südkorea war "wenig hilfreich", wie die Kanzlerin sagen würde, denn gerade jetzt ist es mehr den je erforderlich, mit den USA gegen die Unterbewertung des Yuan gemeinsame Front zu machen.

    Wie die jüngsten Verlautbarungen von Siemens und bASF zeigen, wird es westlichen Firmen neuerdings immer schwerer gemacht, in China Fuß zu fassen. brüderles Anstrengungen, einen Keil zwischen die westlichen Länder zu treiben, erschweren nur die Verhandlungen.

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