Teurer Franken
Wie meine Laune mit dem Wechselkurs sinkt

Seit heute ist Holger Alich neuer Korrespondent für das Handelsblatt in Zürich. Was ein Neuankömmling aus der Eurozone im Reich des teuren Franken erlebt: ein Erfahrungsbericht.
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ZürichWälder und Wiesen direkt vor der Haustür, der schöne Zürichsee nur ein paar Gehminuten entfernt – meine Chefs mussten mich nicht lange bitten, nach sieben Jahren aus dem hektischen Paris in den Großraum Zürich zu ziehen. So gewinne ich für die Kinder an Lebensqualität und ich lerne ein neues Land und seine Themen kennen, dachte ich. Und tatsächlich: Gleich vom ersten Tag an fesselte mich ein Thema wie meine neuen Nachbarn: Der Franken-Kurs. 

Natürlich hatte ich den Auszug aus der Eurozone bei meinen Gehaltsverhandlungen thematisiert, und ausgemacht, dass meine Zulagen direkt in Franken ausbezahlt werden und zwar zu einem vorab festgelegten Wechselkurs. Dennoch bekomme ich den Großteil meines Salärs nach wie vor in Euro. „Mach dir keine Sorgen, der Euro ist eine starke Währung“, tönte mein Chef. Als er das sagte, bekam ich für einen Euro noch 1,20 Franken.

Kaum in der Schweiz Anfang August angekommen, war der Kurs schon auf 1,10 Franken abgerutscht. Und seitdem ist meine Laune und die meiner Frau stark vom Wechselkurs abhängig. Denn die August-Miete für unsere neue Wohnung hatte mich bereits umgerechnet 400 Euro mehr als die Juli-Miete gekostet. Da fängt man dann an, sich ein Lesezeichen im iPhone-Browser für den Franken-Kurs anzulegen.

Zumal sich auf einmal ungeahnte Kostenblöcke auftun. Für den Müll zum Beispiel. Mein neuer Nachbar wies mich höflich darauf hin, dass ich alte Packfolien und sonstigen Müll nicht einfach so in den Container schmeißen dürfte. „Da brauchen Sie schon eine Müllmarke“, klärte mich der gute Mann auf. Auch die Säcke sind normiert, die Liter-Zahl muss draufstehen. Und ein 35-Liter-Sack muss mit einer Müllmarke à 1,80 Franken versehen werden – sonst nimmt ihn die Müllabfuhr nicht mit.

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Kommentare zu " Teurer Franken: Wie meine Laune mit dem Wechselkurs sinkt"

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  • @Trottellumme:
    Allerdings haben Sie recht, wenn es Grenzpendler der unteren und mittleren Einkommenssegmente betrifft: da gibt es diesen Käs mit der EUR Bezahlung.

  • @Trottellumme: Wenn Sie sich zu 80% Bezahlung oder mit EUR Bezahlung hier in der Schweiz anwerben lassen: selber schuld. Sie hätten besser verhandeln sollen. Weder mir noch meinen Nicht-Schweizer Kollegen ist sowas begegnet....

  • Lebe seit 3 Jahren in der Schweiz. Gute Wohnungen sind teuer, aber am teuersten halt in Zürich. Ich habe 130 qm Designerwohnung in Basel City, 3200 CHF kalt. Normal. Aber dafür verdien ich hier auch eben besser (ca 40% mehr als mit deutsche Unternehmen für ähnliche Positionen zur Zeit bieten; nein: ich bin NICHT in der Finanzbrache :-). Und zum billig Einkaufen: 10 min zum Supermarkt in Frankreich, 15 min zum Einkaufszentrum in Deutschland. Bess'r gaht's net...

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