Tool der Woche – Öl
Wie Anleger auf höhere Ölpreise setzen können

Schon nächstes Jahr sehen Ölexperten den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage voraus. Das lässt Anleger auf steigende Preise hoffen – und Rendite bei Rohstoffanlagen. Ist das noch Geldanlage oder schon Spekulation?

Frankfurt am MainBis vor dem Ausbruch der Waldbrände rund um Fort McMurray hat wohl kaum ein Deutscher zuvor von der 78.000-Einwohner-Stadt im Norden Kanadas gehört. Rohstoffhändlern sollte der Ort allerdings schon länger ein Begriff sein. Schließlich wird nördlich der Stadt aus den Ölsandfeldern rund die Hälfte der kanadischen Ölproduktion von insgesamt rund 4,5 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag gewonnen.

Doch wegen der Waldbrände ist die Produktion ins Stocken geraten. Nicht etwa, weil die Felder selbst von den Flammen bedroht werden, sondern weil bislang 70.000 Menschen aus ihren Häusern flohen und derzeit andere Sorgen umtreibt als die Ölförderung. Nun sollte man meinen, dass auch der Ölpreis steigt. Logisch: Das Angebot sinkt, die Nachfrage nicht – der Preis steigt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der Preis fällt. Ein Grund sind offenbar die Spekulationen, die den Ölpreis trotz eines mangelnden Förderlimits der Opec in den vergangenen Wochen in die Höhe trieben. Nun, so erkennt es etwa die Commerzbank, die einen „Stimmungswechsel“ am Ölmarkt zeigen.

Die Beispiele zeigen, wie unberechenbar der Ölmarkt dieser Tage ist. Die Volatilität in diesem Jahr ist hoch. Von Tiefstständen im Januar bei 27 Dollar reicht die Spanne bis fast 50 Dollar in der zurückliegenden Woche. Für Anleger ist dies eigentlich ein Investment-Minenfeld. Dennoch bieten sich Möglichkeiten zur Geldanlage.

So können Anleger etwa mit Zertifikaten auf bestimmte Marktbewegungen setzen. „Discount-Zertifikate sind aktuell das geeignetste Produkt“, sagt Peter Bösenberg, Derivateexperte bei der Société Générale. So bieten viele Banken Discount-Zertifikate an, bei denen Anleger zu einem aktuellen Preis von etwa 40 Euro einsteigen können – der Ölpreis für Brent liegt aktuell über 44 Euro. Diese Zertifikate verfügen über eine Ertrags-Obergrenze (Cap) von beispielsweise 45 Euro. Liegt der Ölpreis zum Fälligkeitszeitpunkt oberhalb des Startpreises, machen Anleger Gewinn. Allerdings müssen dabei noch die Gebühren berücksichtigt werden. Der Nachteil dieser Produktart: Steigt der Ölpreis über die Obergrenze hinaus, werden – in diesem Falle – dennoch nur maximal 45 Euro für das Zertifikat ausgezahlt. Zumindest aber lässt sich auf diese Weise – im Gegensatz zu Hebelprodukten – relativ konservativ in Öl anlegen.

Privatanleger, die möglichst direkt in den Ölpreis investieren möchten, können dies über ETCs tun. Dabei handelt es sich um sogenannte Exchange-Traded-Commodities (ETC). Den ETCs liegen Futures an den Warenterminbörsen zugrunde. Das Problem daran: Steigen die Preise für Futures, steigen nicht gleich die Renditen.

Denn die Terminkontrakte beziehen sich immer auf die Lieferung in einem bestimmten Monat. Das heißt: Um nicht unverhofft auf 1.000 Barrel Öl (à 159 Liter) zu sitzen – der Standardgröße eines Öl-Futures –, müssen die auslaufenden Verträge rechtzeitig umgeschichtet werden. Dieser Handelsprozess wird im Fachjargon als „rollen“ bezeichnet. Bei der Ablöse eines Vertrages durch den nächsten entstehen daher sogenannte „Rollkosten“. Befindet sich der Markt im Contango, bei denen die längerlaufenden Kontrakte teurer sind als der aktuelle, führt das in der Regel zu Verlusten. Schließlich wird ein laufender Vertrag durch einen teureren ersetzt. Befindet sich der Markt hingegen in Backwardation, die längerlaufenden Terminkontrakte sind preiswerter, winken Gewinne.

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„Wer Spielgeld übrig hat, kann sich engagieren“

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