Top-Ökonom im Interview
„Griechenland hat keine Bedeutung für den Euro“

Zerfällt die Eurozone, wenn Griechenland austritt? Nein, meint Manfred JM Neumann, Wirtschaftsprofessor in Bonn. Auch wenn Gläubiger viel Geld verlieren würden, stünde der Euro viel stärker da, sagt Neumann.
  • 24

Halten Sie für denkbar, dass einzelne Mitglieder aus der Eurozone austreten?

Ja, im Fall von Griechenland ist ein Austritt nicht nur denkbar, sondern sehr wahrscheinlich, weil die Politik, wenn auch langsam, einzusehen beginnt, dass das griechische Problem nicht einfach mit Krediten zu lösen ist. Sondern dass es umfassender Reformen der wirtschaftlichen Strukturen bedarf, die nicht innerhalb weniger Jahre erfolgreich ins Werk gesetzt werden können.

Wäre das der Anfang vom Ende des Euros?

Der Euro ist eine stabile Weltwährung. Die zerbricht nicht, wenn ein wirtschaftlich unbedeutendes Land die Währungsunion verlässt. Das Gegenteil ist richtig. Der Euro wird international noch attraktiver werden, weil der Austritt als ein Signal verstanden werden kann, dass Deutschland und Frankreich die Währungsunion nicht zu einer Transferunion verkommen lassen wollen.

Wäre der Euro ohne Griechenland stärker oder schwächer? 

Aufgrund seiner geringen Größe ist Griechenland für den dauerhaften Wert des Euro ohne Belang. Aber ein Austritt beendete das Krisentheater. Das würde sich für den Euro insofern positiv auswirken, als die kurzfristige Volatilität abnehmen würde.

Könnte Griechenland durch eine Rückkehr zur Drachme wieder wettbewerbsfähig werden? 

Das Wiedergewinnen von Wettbewerbsfähigkeit durch reale Abwertung ist das entscheidende Argument für einen Austritt. Das gilt nicht nur für den Bereich der Warenproduktion, sondern im Falle Griechenlands vor allem auch für den derzeit schrumpfenden Dienstleistungsbereich. Allerdings wird es auch einigen Mutes zu entschlossener Deregulierung überkommener ständischer Strukturen bedürfen.

Seite 1:

„Griechenland hat keine Bedeutung für den Euro“

Seite 2:

An einem Schuldenschnitt führt kein Weg vorbei

Kommentare zu " Top-Ökonom im Interview: „Griechenland hat keine Bedeutung für den Euro“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Franke,

    "sie sind also der meinung, dass wenn ihr nachbar privatinsolvenz anmeldet, dann sind auch sie gleich mit pleite???"

    Ich als Privatperson sehr wohl - sofern ich blauäugig bei einer Bank für den Nachbarn gebürgt habe. Und das möglichst noch in einer Höhe, von der ich gar nicht weiß, ob ich sie im Eintrittsfall der Bürgschaft aus meinen VORHANDENEN Mitteln stemmen kann.

    Und da geschieht mir auch sehr Recht, WENN mir zusätzlich vor der Bürgschaftsabgabe bereits bekannt sein konnte / musste, dass dieser Nachbar bereits bis über die Halskrause verschuldet war. Oder ich mir gar jede Bonitätsauskunft VOR der Bürgschaft sparen wollte, damit meine geschönte Weltsicht nur keinen Schaden nimmt.

    Und genau in dieser Situation scheinen mir EZB und unsere Finanz GmbH zu sein. Es ist / war dort wohlbekannt, welche Länder ihre Insolvenz bereits seit längerem verschleppen. Die sind ja nicht dumm, blind, taub? Plus stumm, weshalb sie keine Bilanzen hinterfragen könnten? Das jedenfalls will ich im Falle von System-Installateuren und ausgewiesenen Währungshütern, - die IHR System schließlich am besten kennen sollten, - doch nun wirklich nicht erwarten (müssen)?

  • "Meine Auffassung ist nichtsdestotrotz dass der Terror nicht aufhören wird."

    Da haben sie ein passendes Wort gefunden, Egal. Genau als das empfinde ich dieses mehr als üble Spiel: als blanken, inzwischen unverkleidet nackten, sich seit mehr als 3 Jahren stetig steigernden Terror.

    Terror gegen die Bevölkerungen weltweit, die Steuerzahler, die zwangsverhafteten Bürgen. Terror gegen die von Staatsbrosamen abhängig gemachten Mitbürger, denen man keine Arbeit verschaffen kann und will, damit sie sich selbstbestimmt ernähren können. Gegen Rentner, die für ihre zugesagte Rente jahrzehntelang ganz real gearbeitet plus satte Beiträge einbezahlt haben. Gegen Endverbraucher, die man immer mehr in Zwangsabos (z.B. GEZ, erneuerbare Energien, energetische Sanierung) zwingt, falls massivst aufgedrängtes Marketing doch versagen sollte. Auch gegen noch real wirtschaftende, ihren Beitrag zu Infrastrukturen leistende Unternehmen.

    Zusätzlich scheint mir ein bewusstes Aufhetzen der Bevölkerungen verschiedenster Länder alla divide et impera im Spiel zu sein, Bürgerkriege so Manchen derzeit recht gelegen zu kommen? Und das macht mir inzwischen richtig, ernsthaft Angst.

    Die Show mit Griechenland gibt mir auch arg zu denken. Die vom deutschen Volk erpressten "Subventionen" werden direkt in den Taschen maroder, sich selbst verzockender, weltweit agierender und ansässiger Banken landen. Während die grosse Mehrheit der Bevölkerung dort, inzwischen erfahrungsgemäss! (1. "Rettungspaket") wirtschaftsschädlichen Einkommenverlusten unterworfen wird.

    Die Antworten auf die Frage "wem nutzt es?" scheint mir für das weitere Wohl der grossen Mehrheit der Menschen ALLER Länder immer drängender und dringender zu werden ...

  • Würden Sie bitte mal begründen, wieso Italien pleite geht, wenn Griechenland pleite geht? Italien hat nur dann eine Chance, seinen Haushalt zu sanieren, wenn die EU endlich Ernst macht mit der Haushaltsdisziplin, und dafür wäre die Pleite des reformunwilligen Griechenland ein hervorragendes Druckmittel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%