Treffen in Doha
Öl-Nationen bekommen Fördermenge nicht gedeckelt

Der Öl-Preis soll durch die Deckelung der Fördermenge nach oben getrieben werden. Doch bei den Verhandlungen der Ölförderer in Doha kam es am Sonntag zu keiner Einigung. Die Märkte reagierten am Morgen prompt.

DohaDie Öl-Förderländer haben sich bei ihrem mit Spannung erwarteten Treffen in Doha, Katar, nicht auf eine Deckelung der Produktion einigen können. Nach fünfstündiger, teils heftiger Debatte erklärten die Teilnehmer am Sonntag das Scheitern des Vorhabens.

Der Öl-Preis reagierte prompt: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete am Montag im frühen Handel 41,22 Dollar und damit 1,88 Dollar oder 4,36 Prozent weniger als am Freitag. In den ersten Handelsminuten war der Brent-Preis allerdings noch um knapp sieben Prozent gesunken. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Mai fiel am Montagmorgen um 1,89 Dollar oder 4,68 Prozent auf 38,47 Dollar - auch hier konnte sich der Preis etwas von den noch deutlicheren Verlusten zum Handelsstart absetzen.

Experten hatten erwartet, dass Öl nach dem gescheiterten Treffen in Doha wieder billiger wird - zumal Saudi-Arabien mit einer Ausweitung seiner Förderung droht. Die Aussicht auf eine Kappung hatte den Preis seit Januar um 60 Prozent auf fast 45 Dollar pro Fass (159 Liter) anziehen lassen. Wegen des Überangebots und der mauen Weltkonjunktur war er zuvor seit Mitte 2014 von 115 Dollar auf unter 30 Dollar abgestürzt.

Katars Ölminister Mohammed al-Sada sagte nach Ende des Treffens, die zur Ölförder-Organisation Opec gehörenden Länder benötigten mehr Zeit für Beratungen. Bei Insidern aus der Ölbranche hieß es, die Diskussionen könnten im Juni wieder aufgenommen werden. Während des Treffens hatte es zwischenzeitlich so ausgesehen, als könne es doch eine Einigung geben. Experten hatten im Vorfeld gesagt, sollte es keinen verbindlichen Deal geben, werde der Kampf um Marktanteile wohl weitergehen.

An dem Treffen hatten 18 Länder teilgenommen, darunter auch Russland, das nicht zur Opec gehört. Teilnehmern zufolge trug vor allem Saudi-Arabien dazu bei, dass es zu keiner Einigung kam. Das Land habe zur Bedingung gemacht, dass alle 13 Opec-Länder ihre Produktion einfrieren müssten - also auch der Iran, der an dem Treffen gar nicht teilnahm.

Der Iran hatte den Plänen zur Begrenzung der Fördermengen im Vorfeld bereits eine Absage erteilt. „Da wir einen Plan fürs Einfrieren nicht unterzeichnen wollen, gibt es auch keine Notwendigkeit, jemanden vor Ort in Doha zu haben“, sagte Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh am Sonntag nach Angaben der Nachrichtenagentur Shana. Der Iran werde wie geplant seine Produktion auf 4 Millionen Barrel am Tag – und damit auf den Level vor den im Januar aufgehobenen Sanktionen – erhöhen, so der Minister.

Zweifel an der Wirkung einer möglichen Einigung gab es im Vorfeld auch, weil andere wichtige Staaten nicht mit am Tisch sitzen. So werden neben dem Iran auch die USA und Norwegen nicht Teil eines Deals sein. Zudem gab es Bedenken, dass im Januar bereits zu viel Öl gefördert worden sei, als dass eine Deckelung auf diesem Niveau die Preise steigen lassen könnte.

Eugen Weinberg, Chef-Rohstoffstratege der Commerzbank, sieht auch für die nähere Zukunft nur wenig Preispotenzial: „Jegliches Abkommen wird vom Markt mit großer Skepsis gesehen.“ Die Erwartungen seien schon vor dem Treffen sehr hoch gewesen und konnten daher nur enttäuscht werden. Ohnehin seien die Verhandlungen eigentlich eher paradox. „Schließlich haben die meisten Teilnehmer nicht einmal die Möglichkeit die Förderung zu erhöhen“, unterstreicht Weinberg. Andere wie Russland und Saudi-Arabien fördern schon auf sehr hohem Niveau, das jetzt festgeschrieben werde.

Die Ölschwemme war unter anderem deswegen entstanden, weil führende Förderer wie Saudi-Arabien im Zuge wachsender Konkurrenz – zum Beispiel durch die von US-Firmen eingesetzte Fördertechnik Fracking – ihre Marktanteile durch eine Erhöhung der Produktion halten wollten. Verbraucher freuen sich zwar über günstige Preise für Benzin und Heizöl. Den Förderländern aber rissen sie riesige Löcher in die Haushaltskassen.

Im Februar hatten sich Saudi-Arabien, Venezuela und Katar mit Russland darauf geeinigt, ihre Produktion auf dem Niveau vom Januar einzufrieren, um den Ölpreis zu stützen. Allerdings hatten sie das Mitziehen anderer Staaten zur Bedingung gemacht.

Die Staaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) förderten im März 32,25 Millionen Barrel Öl pro Tag, 15.000 Barrel mehr als im Februar. Das Nicht-Opec-Mitglied Russland, das tief in der Rezession steckt, hat zu Jahresbeginn sogar mit täglich 10,88 Millionen Barrel so viel Öl gepumpt wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr. In Russland machen Energieverkäufe etwa die Hälfte der Staatseinahmen aus. Manchen Förderländern, aber auch Firmen in der Branche, steht das Wasser bis zum Hals. Einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte zufolge droht etwa einem Drittel der in dem Sektor tätigen Firmen noch 2016 das Aus.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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