Trockenheit treibt Preise
Teurer Vitamin-Lieferant

Gefrorenes Orangensaftkonzentrat kostet in New York so viel wie seit 14 Jahren nicht mehr. Die Terminkontrakte für Mai notieren inzwischen auf über 1,40 Dollar je Pound (0,454 Kilogramm).

SAO PAULO. Ein treibender Faktor waren zuletzt die Trockenheit in Florida sowie Krankheiten an den Pflanzen. Diese haben die Ernteaussichten in den USA reduziert, dem nach Brasilien wichtigsten Anbaugebiet für Orangen. Bis zum Ende der diesjährigen Ernte (2005/2006) zur Jahresmitte in Brasilien erwarten Händler daher weitere Preissteigerungen und erhöhte Nervosität am Markt.

Neben den schlechteren Ernteaussichten auf den Plantagen der USA – aber auch Brasiliens – werden die Preise durch die jährlich abnehmenden Lagerbestände getrieben. Die Hausse der Orangensaft-Kontrakte kommt daher nicht überraschend und hatte sich schon in der zweiten Hälfte 2005 abgezeichnet. Im vergangenen Jahr legte das Konzentrat von allen Rohstoffen weltweit am viertstärksten zu. Der Preis stieg um nahezu 50 Prozent von seinem Tiefstand im Juli 2004 (0,57 Dollar je Pound).

Hauptgrund für den steilen Anstieg sind aber vor allem die Produktionsrückgänge. Die weltweite Produktion wird dieses Jahr um zwei Prozent schrumpfen auf 2,13 Mill. Tonnen, erwarten die Agro-Experten RC Consultores aus Brasilien. Denn in Florida reduzierten die Hurrikane im vergangenen Jahr die Produktion und erhöhten die Krankheiten in den Anbaugebieten. Zwar hat sich die Erzeugung im Süden der USA auf 208 Mill. Kisten wieder erholt, ist aber noch weit von den 242 Mill. Kisten der Vorjahresernte entfernt. Eine Kiste wiegt 40,8 Kilogramm.

In dem wichtigsten Anbauland Brasilien reduzierte sich die Produktion ebenfalls durch verschiedene Krankheiten, aber auch durch die Konkurrenz anderer Agrarprodukte. So steht der Orangenanbau im Südosten Brasiliens im zunehmenden Wettbewerb mit Zuckerrohr und Eukalyptus für die Zelluloseproduktion. Ein Grund dafür ist die Struktur der Branche. Immerhin befinden sich rund 80 Prozent der Konzentratproduktion in der Hand von nur fünf Unternehmen. Kürzlich hat der internationale Agrohändler Cargill seine brasilianische Orangensaftproduktion und die Plantagen an die führenden lokalen Konkurrenten verkauft. Dadurch ist der Konzentrationsprozess noch weiter fortgeschritten. Die Orangenproduzenten klagen aber seit Jahren über zu niedrige Preise, die ihnen die Verarbeiter zahlen. Immer wieder versuchen die Orangenanbauer daher, die Kartellbehörde zu einer Klage wegen eines Einkaufmonopols der Industrie zu aktivieren. Bisher sind diese Versuche gescheitert.

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