Trotz der Brände in Portugal gibt es keine Kork-Knappheit
Plastik ohne Chance

Die Menschen in dieser Region haben schon bessere Zeiten erlebt. Gespenstisch ist das Bild, das der Wald nahe des spanisch-portugiesischen Grenzstädtchens Valencia de Alcántara bietet. Die Feuer, die hier loderten, haben kaum mehr als verkohlte Baumstümpfe und verbrannte Erde übrig gelassen.

VALENCIA DE ALCÁNTARA. Die iberische Halbinsel, vor allem Portugal, erlebt in diesem Sommer die schlimmsten Brände seit Jahrzehnten. Der ökologische Schaden ist groß, der wirtschaftliche Schaden beläuft sich schon jetzt auf mehr als eine Milliarde Euro. Zumindest Winzer und Weintrinker können aber aufatmen. „Die verheerenden Waldbrände haben keine Auswirkungen auf die Versorgung der Weinwirtschaft mit Naturkorken“, beruhigt der Deutsche Kork-Verband in Mainz all diejenigen, die schon glaubten, sie müssten bald mit Plastikverschlüssen Vorlieb nehmen. 250 000 Hektar Pinien- und Eukalyptuswälder wurden bislang in den beiden iberischen Ländern vernichtet, das entspricht etwa genauso vielen Fußballfeldern. Den Korkeichenbestand traf es hingegen nur mit 20 000 Hektar oder ungefähr drei Prozent der gesamten Anbaufläche. „Das liegt im Bereich der üblichen Ernteschwankungen“, sagt Helmut Dieth vom Kork-Verband. „Auswirkungen auf den Preis sind dadurch nicht zu erwarten.“

Portugal deckt 55 Prozent des Weltbedarfs an Naturwein- und Sektkorken, nimmt man Spanien noch hinzu sind es gar 80 Prozent. Den Rest der nachgefragten Korkverschlüsse liefern Algerien, Marokko, Italien, Tunesien und Frankreich.

Weltweit beläuft sich der Verbrauch an Flaschenkorken auf jährlich 17 bis 20 Mrd. Stück – einen Trend zum Plastikersatz gibt es nicht. „In Deutschland werden jährlich 1,5 Milliarden Flaschen mit Kork geschlossen, Plastikstöpsel kommen nur auf 50 Millionen Flaschen“, berichtet Dieth. Das entspreche auch den Wünschen der Kunden: 90 Prozent der Deutschen erwarten laut Dieth einen Naturkorken auf der als Verschluss. Selbst Aldi verkaufe nicht einen einzigen Wein mit Plastikstopfen.

Weinflaschen, die mit gutem Kork verschlossen sind, gelten als länger lagerbar, außerdem sieht der Naturkork besser aus. Doch dieser wird den Bäumen unter allerlei Mühen abgerungen: erst nach 25 Jahren ist die erste Ernte möglich und auch später kann ein Baum nur alle neun Jahre geschält werden. In der Zwischenzeit weiden unter seinen Ästen Schafe und Ziegen, in Spanien futtern Schweine die Eicheln der Bäume und liefern den weltbekannten und edlen Schinken „jamón de pata negra“.

Für die Portugiesen, die ähnlich wie die Deutschen gegen einen enormen Schuldenberg kämpfen, ist die Korkbranche – neben Automobilindustrie und Tourismus – eine der wichtigsten Bereiche ihrer Wirtschaft. Nach Angaben des portugiesischen Korkverbandes Apcor erwirtschaftet die Korkindustrie mit 15 000 Menschen in 600 Unternehmen rund 1,5 Prozent des portugiesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Die Korkwälder in Portugal gelten – im Gegensatz zu den Beständen in Algerien und Marokko - als gut gepflegt, die Ausfuhren des Naturprodukts erreichten 2002 einen Wert in Höhe von 888 Mill. Euro. Damit machen sie drei Prozent aller portugiesischen Exporte aus, die Holz- und Papierindustrie in Portugal insgesamt erreicht zehn Prozent.

Abnehmer von Kork sind vor allem Frankreich und die USA. Deutschland steht mit einem Anteil von 85 Mill. Euro an dritter Stelle. Verwendet wird Kork nicht nur für Flaschen. Zwei Drittel der Menge geht für Fußbodenbeläge, Schleifklötze, Untersetzer und Pinnwände drauf, erzielt jedoch nur ein Drittel des Wertes.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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