Trotz Nahost-Konflikt sinkender Ölpreis
Widersprüche auf dem Ölmarkt

Trotz der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten ist der US-Ölpreis am Montagabend unter 76 Dollar gefallen. Darin zeigt sich der optimistische Glauben der Händler, dass der Konflikt regional beschränkt bleibt. Expertern schließen jedoch einen Anstieg der Ölpreise auf bis zu 100 Dollar nicht mehr aus.

HB NEW YORK/LONDON. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Referenz-Sorte WTI sank um 1,48 Dollar auf 75,75 Dollar. In der Nacht zum Freitag hatte der Ölpreis mit in der Spitze 78,40 Dollar einen neuen Rekordwert erreicht. Ein Barrel der Nordseesorte Brent wurde am Montag zuletzt mit 76,16 Barrel gehandelt. Das waren 1,11 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Freitag.

Gerüchte, dass die Offensive der Israelis in einigen Tagen vorbei sein könnte, hätten den Preisrückgang ausgelöst, sagten Händler. Die israelische Regierung dementierte zwar ein absehbares Ende der Militärschläge. Trotzdem scheine sich am Markt die Überzeugung durchzusetzen, dass der Konflikt lokal beschränkt bleibe und nicht auf Syrien übergreife, sagten Händler.

Zudem erklärte sich die Internationale Energieagentur (IEA) zur Freigabe strategischer Rohöl-Reserven grundsätzlich bereit. „Sollte es zu einer Angebotsverknappung kommen, sind wir bereit rasch strategische Reserven freizugeben“, sagte IEA-Generaldirektor Claude Mandil am Montag am Rande des G8-Treffens in St. Petersburg.

Experten schließen allerdings bei einer möglichen Eskalation im Nahen Osten einen weiteren Anstieg des Ölpreises nahe 100 Dollar je Barrel kurzfristig nicht aus. „Wenn es hier (in Iran) zu einer Sanktion kommen sollte oder sogar zu einer militärischen Intervention, wird es zu Produktionseinbußen kommen und das kann nicht ohne weiteres kompensiert werden“, sagte Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), am Montag in einem Interview mit dem Nachrichtensender n-tv. „Das kann durchaus auch in Richtung hundert US-Dollar pro Barrel gehen.“

Der amerikanische Energieexperte Daniel Yergin sagte in einem Interview mit „Spiegel special“: „Wir leben in einem neuen Zeitalter der Versorgungsangst.“ Die aktuelle Knappheit an Rohöl sei aber kein Hinweis darauf, dass der Welt das Öl ausgehe. Dank technischer Verbesserungen könne die Produktionskapazität noch weiter vergrößert werden, um 20 bis 25 Prozent in den kommenden zehn Jahren. In Zukunft sei Energiesicherheit eine der wichtigsten Herausforderungen der Außenpolitik, sagte Yergin.

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) erreichte mit 71,71 Dollar einen neuen Rekordstand. Ein Barrel kostete damit am Freitag 1,33 Dollar mehr als am Vortag, wie das OPEC-Sekretariat in Wien mitteilte.

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