Trotz Rekordkürzung: Ölpreis fällt unter 36 Dollar
Opec kann Preisrutsch nicht stoppen

Die Opec hat ihr Ziel erst einmal verfehlt: Die Rohölpreise sind direkt im Anschluss ihres Treffens in Oran in Algerien weiter gefallen. Amerikanisches Leichtöl kostete erstmals seit Mitte 2004 zeitweise weniger als 36 Dollar je Barrel. Experten bezweifeln, dass das Kartell seine Ankündigungen überhaupt in die Tat umsetzen kann.

DÜSSELDORF. Am Mittwoch hatte das Produzentenkartell, das für gut 40 Prozent der Weltölproduktion steht, den stärksten Produktionsschnitt aller Zeiten verkündet und damit die Erwartungen des Marktes sogar noch übertroffen. Ab Anfang Januar will die Opec täglich noch einmal 2,2 Mio. Barrel Rohöl weniger fördern. Zusammen mit den Kürzungen seit dem Sommer verringert sich damit das Angebot des Ölkartells um über vier Mio. Barrel.

"Nach einer Prüfung des Ölmarktausblicks, inklusive der Schätzungen des Angebots und der Nachfrage für das kommende Jahr - insbesondere im ersten und zweiten Quartal - hat die Konferenz festgestellt, dass das Ölangebot die tatsächliche Nachfrage übertrifft", begründet die Opec die Rekordkürzung. Das Kartell sorgt sich vor allem um den anhaltenden Preisverfall bei Rohöl. Noch Anfang Juli hatte ein Barrel US-Leichtöl in der Spitze 147 Dollar gekostet, bis heute also über 100 Dollar eingebüßt.

Ausgelöst wurde der Preisabsturz durch die Zuspitzung der internationalen Finanzkrise und die konjunkturelle Schwäche weltweit. Dies hat die globale Ölnachfrage nicht nur gebremst; erstmals seit 25 Jahren wird die Ölnachfrage sogar schrumpfen. Dies haben zuletzt die Opec selbst, die Internationale Energieagentur (IEA) und auch das amerikanische Energieministerium prognostiziert.

Peter Fertig von der Dresdner Bank weist auf das "gut gewählte" Timing der Opec-Entscheidung hin. Nur wenige Minuten zuvor hatte das US-Energieministerium einen Anstieg der wöchentlichen Rohöllagerbestände um 0,5 Mio. auf 321,3 Mio. Barrel mitgeteilt. Der Lageraufbau sei etwas stärker als erwartet gewesen. Doch "dieser Trick ist kläglich gescheitert", so Fertig. Der Markt sei über das Ausmaß der Opec-Kürzung enttäuscht gewesen; zudem werde vor allem angezweifelt, dass die Opec-Mitglieder tatsächlich ihre geringeren Förderquoten einhalten werden. Schon in der Vergangenheit ließ die "Quotendisziplin" der Kartellmitglieder immer wieder zu wünschen übrig.

Auch Eugen Weinberg von der Commerzbank blickt auf diese Problematik. Für ihn ist nun die wichtigste Frage: "Wer ist denn bereit, diese Kürzungen zeitnah umzusetzen?" Für den Markt sehe es nach "den guten alten 80er- und 90er-Jahren aus". Damals seien die massiven Einschnitte nicht umgesetzt worden, weil jedes Land bei fallenden Ölpreisen versucht habe, auf Kosten der anderen zu profitieren.

Allerdings scheint die Maßnahme letztlich doch zu fruchten: Am Freitag kletterte der Ölpreis wieder deutlich über die 40-Dollar-Marke und auch an den Tankstellen werden Benzin und Diesel wieder teurer.

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