Trotz Schuldenberg
Währungsexperten halten Dollar die Treue

Die Staatsverschuldung in den USA beträgt derzeit rund zwölf Billionen Dollar, Tendenz steigend. Eine Entspannung erwarten Ökonomen nicht, eher würden die USA die Staatschulden bald verdoppeln. Allerdings sind Japan und einzelne europäische Staaten im Verhältnis zu ihrer Wirtschaftskraft noch deutlich höher verschuldet.
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NEW YORK/DÜSSELDORF. Manhattan, Sechste Avenue Ecke 44. Straße: Die digitale Anzeigetafel in der Nähe des Times Square hat 14 schwarze Felder, eines für das Dollarzeichen und 13 für einen Wert in einstelliger Billionenhöhe: "Unsere nationalen Schulden", steht darüber. Im Vorjahr musste das Dollarzeichen verschwinden, weil die Miesen der USA alle 14 Stellen ausfüllten. Seitdem steigen die Schulden rasant: Zwölf Billionen Dollar sind es inzwischen, gut 100 000 Dollar pro Steuerzahler.

Eine Entspannung sehen Ökonomen nicht. Vielmehr sei die größte Volkswirtschaft der Welt auf dem Wege, ihre Schulden zu verdoppeln, warnte Harvard-Professor Kenneth Rogoff auf der Konferenz "World Economic Outlook" in Boston. Der bekannte Ökonom verwies auf Erfahrungen mit früheren Bankenkrisen in anderen Ländern. Deren Nachwehen hätten im historischen Durchschnitt einen Anstieg der realen Staatsschulden von 186 Prozent gebracht.

Die US-Regierung kann sich nur damit trösten, dass andere Nationen in einer ähnlich bedrohlichen Lage sind. Zwar ist die absolute Summe der Schulden nirgendwo so hoch wie in den USA, aber Japan und einige europäische Staaten sind in Relation zu ihrem Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutlich höher verschuldet. Während die USA 2010 einer Schuldenquote von gut 60 Prozent entgegensteuern, liegt der vergleichbare Wert in Deutschland bei 80 Prozent. Länder wie Japan und Italien liegen schon jetzt deutlich über 100 Prozent.

Experten wie Charles Clough halten deshalb das Angst-Szenario, dass der Dollar abstürzt, für übertrieben. Der frühere Chefstratege der Investmentbank Merrill Lynch würde vielmehr Geld gegen Pfund und Euro wetten - ganz gegen den Trend: "Andere Länder haben im Bankensystem deutlich größere Probleme als die USA", sagt er.

Auch eine Studie der Commerzbank kommt zu dem Schluss, dass die USA besser mit der krisenbedingten Schuldenexplosion zurechtkommen werden als andere Staaten. "Gerade die USA haben die beste Chance, ihre Schuldenquote in näherer Zukunft zu stabilisieren", schreiben die Volkswirte Ulrich Leuchtmann und Eckart Tuchfeld.

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