Rubel

Die russische Landeswährung verliert nach der Ankündigung der US-Sanktionen viel an Wert.

(Foto: dpa)

Türkei, Russland, Brasilien Warum die Währungen der einstigen Boomländer taumeln

Lange profitierten Schwellenländer von den Niedrigzinsen in Industrienationen. Doch der Geldstrom lässt nach – Lira, Rubel und Real stürzen ab.
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FrankfurtSeit Jahren locken Schwellenländer Geldgeber, die wegen der historisch niedrigen Zinsen in den Wirtschaftsmächten auf der Suche nach Profit auch Risiken in Kauf nehmen. Doch jetzt sorgen der US-Handelsstreit mit China, neue Russland-Sanktionen sowie die Zuspitzung im Syrien-Krieg für Verunsicherung. Anleger ziehen ihr Geld aus aufstrebenden Ökonomien ab – und bringen deren Währungen ins Taumeln.

Die türkische Lira fällt von einem Rekordtief zum nächsten, der russische Rubel stürzt ab. Auch andere Schwellenländerwährungen geraten unter Druck. Neben dem globalen Umfeld trägt aber auch die Politik der Länder erheblich zu den Problemen bei.

Rubel

Nach der Ankündigung neuer US-Sanktionen hat die russische Währung allein diese Woche mehr als zehn Prozent ihres Wertes verloren. Am Mittwoch mussten für einen Dollar erstmals seit Ende 2016 über 65 Rubel gezahlt werden. Die Sanktionen treffen Russland ins Mark. Sie richten sich gegen 38 Firmen und Einzelpersonen, darunter sieben Oligarchen. Betroffen sind einige der reichsten Russen und deren Firmen, die eng mit Präsident Wladimir Putin verbunden sind.

„Die Sanktionen sollen es den Unternehmen so gut wie unmöglich machen, ihre Geschäfte in Dollar abzuwickeln“, sagt Eugen Weinberg, Experte bei der Commerzbank. Auch der Staat ist betroffen. Das Finanzministerium hat bereits eine für Mittwoch vorgesehene Anleiheauktion abgesagt. Warnungen Trumps, Raketen nach Syrien zu schicken, sorgten zuletzt für zusätzlichen Druck.

Lira

Die türkische Währung stürzt ins Bodenlose. Am Mittwoch mussten für einen Dollar bis zu 4,19 Lira und für einen Euro 5,19 Lira hingeblättert werden – beides ist so viel wie nie zuvor. Die globale Verunsicherung macht der Währung zu schaffen, aber das eigentliche Problem liegt tiefer.

Experten verweisen darauf, dass die türkischen Importe die Exporte chronisch übersteigen. Zudem ist die Inflation mit über zehn Prozent extrem hoch, ohne dass die Notenbank die Zinsen deutlich anhebt. Trotz einer guten Konjunktur fordert Staatschef Recep Tayyip Erdogan sogar Zinssenkungen.

Experten warnen: Es drohe eine Überhitzung der Wirtschaft, also eine durch günstige Kredite zu hohe Produktion, die die Nachfrage übersteigt und in eine Stagnation oder gar Rezession umschlägt. Die Zentralbank „hat und wird notwendige Maßnahmen ergreifen, wenn dies erforderlich ist“, versicherte Ministerpräsident Binali Yildirim am Mittwoch.

Real

Die brasilianische Währung hat innerhalb gut eines Monats sieben Prozent an Wert verloren und ist diese Woche auf den schwächsten Stand seit Ende 2016 bei 3,43 Real je Dollar gefallen. Zwar ist Brasiliens Wirtschaft nach zwei Jahren Rezession zuletzt wieder gewachsen. Das Land schreckt aber Anleger wegen einer hohen Verschuldung und vor allem wegen politischer Turbulenzen ab.

Gegen Staatschef Michel Temer wird wegen Korruptionsvorwürfen ermittelt. Der laut Umfragen aussichtsreichste Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober, Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, ist bereits wegen Korruption zu einer Haftstrafe verurteilt. Seine Arbeiterpartei (PT) hält aber trotzdem an seiner Kandidatur fest. Wirtschaftlich bedrohen zudem die US-Strafzölle Brasilien als zweitwichtigsten Stahllieferanten der USA.

Rand

Südafrikas Währung geriet zuletzt unter Druck und verlor innerhalb von gut zwei Wochen rund vier Prozent an Wert. Ähnlich wie in Brasilien war der Kurs der Landeswährung in Südafrika lange Zeit stark durch politische Skandale bestimmt. Unter anderem durch unberechenbare Personalwechsel im Finanzministerium hatte Ex-Präsident Jacob Zuma die Landeswährung immer wieder stark unter Druck gebracht.

Seit dem Amtsantritt seines Nachfolgers Cyril Ramaphosa im Februar hat sich die Lage zwar beruhigt. Jetzt ist der Rand aber wieder auf den schwächsten Stand seit Zumas Sturz gefallen.

Hongkong-Dollar

Steigende Zinsen in den USA bringen die Währung der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong unter Druck. Am Donnerstag mussten erstmals seit über 30 Jahren für einen US-Dollar 7,85 Hongkong-Dollar bezahlt werden. Schon seit Jahresbeginn fällt der Wert der Währung. Seither liegt der Rückgang zwar nur bei knapp einem halben Prozent - verglichen mit anderen Währungen ist das wenig. Das liegt aber daran, dass der Hongkong-Dollar an den Kurs des US-Dollar gekoppelt ist. Jetzt könnten Eingriffe der Währungsbehörde nötig werden.

Die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong behielt nach ihrer Eingliederung in die Volksrepublik China 1997 ihre eigene Währung. Seit 1983 ist diese an den US-Dollar gekoppelt; der Wert eines Dollar durfte nicht über 7,8 Hongkong-Dollar steigen. 2005 wurde eine zulässige Schwankungsbreite eingeführt, deren Grenze nun erreicht wurde. Gegen eine weitere Abwertung müsste sich Hongkongs Währungsbehörde also stemmen, indem sie selbst als Käufer am Devisenmarkt auftritt.

Als Hauptgrund für den Druck auf die Währung gelten neben Geldabflüssen in andere Teile Chinas die steigenden Zinsen in den USA. Am Mittwoch hatte das Protokoll zur jüngsten Sitzung der US-Notenbank Fed weitere Anhebungen signalisiert. Höhere US-Zinsen machen es für Anleger attraktiv, Hongkong-Dollar abzustoßen, um in US-Papiere zu investieren - aufgrund der Währungs-Kopplung ohne das Risiko starker Wechselkursschwankungen.

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  • dpa
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  • In Wahrheit geht es darum, dass die USA die Zinsen anheben. Das ist Alles.

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