Überschüsse
China sucht Gold

China hat neuen Schwung in den Goldmarkt gebracht. Die Regierung nutzt ihre üppigen Überschüsse, um ihre Goldbestände aufzustocken. Derzeit ist der größte Teil der Devisenreserven in US-Dollar - vor allem in US-Staatsanleihen - angelegt. Zuletzt hatte China in Rohstoff- und Farmlandprojekte in Lateinamerika, Afrika und Asien investiert.

FRANKFURT. Nach Angaben von Hu Xiaolian, dem Leiter der staatlichen Devisenverwaltung, hat China seine Goldbestände seit 2003 still und leise um 454 auf 1 054 Tonnen erhöht. "Das ist ein positives Zeichen und lässt weitere Goldkäufe Chinas erwarten", sagt Nigel Longley von ETF Securities dem Handelsblatt. Marktteilnehmer zeigten sich überrascht darüber, dass es China gelungen ist, Gold am freien Markt zu kaufen, ohne den Handel auf seine Spur zu locken. "Der größte Teil der aufgebauten Bestände wird aus chinesischer Eigenproduktion stammen", hieß es. Statistiken des World Gold Council (WGC) zufolge beträgt die Goldproduktion des Landes 300 Tonnen pro Jahr.

Rozanna Wozniak vom World Gold Council sieht den Grund für das neu aufgeflammte Interesse Chinas am populärsten Edelmetall vor allem darin, dass "Gold eine Absicherung gegen einen Dollarverfall ist". Doch nicht nur die Angst vor einer Dollar-Schwäche spricht für weitere Goldkäufe Chinas, sondern auch der in dieser Hinsicht bestehende Nachholbedarf des Landes. Denn der Goldanteil an den fast zwei Billionen US-Dollar betragenden Devisenreserven macht nur 1,6 Prozent aus - weit weniger als in anderen Weltregionen. "Andere Staaten halten durchschnittlich zehn Prozent der Devisenreserven in Gold", sagt Barbara Lambrecht von der Commerzbank.

Wenn China eine solche Marke erreichen will, müsste es seine Goldreserven auf etwa 6 500 Tonnen aufstocken. "In Zeiten nachlassenden Vertrauens in Papierwährungen ist eine Beschleunigung chinesischer Goldkäufe nicht auszuschließen", sagt die Analystin. Einige Rohstoff-Analysten halten es jedoch auch für möglich, dass andere Zentralbanken unter dem Druck ihrer Regierungen künftig Gold zur Krisenfinanzierung abgeben könnten.

Für Aufmerksamkeit sorgte in diesem Kontext die Meldung, dass der Internationale Währungsfonds bis zu 400 Tonnen Gold verkaufen will. Vor allem die Furcht vor ähnlichen Aktionen der Notenbanken dämpft derzeit die Goldpreis-Entwicklung; denn trotz positiver Prognosen ist der Preis wieder unter die Marke von 900 Dollar gefallen.

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