Überzogene Rally
Rohstoffpreise erreichen gefährliches Niveau

Immer mehr Investoren sind davon überzeugt, dass gut gemeinte Konjunkturprogramme längerfristig schaden. Zum Schutz vor einer möglichen Inflation setzen viele auf Rohstoffe als Anlageform. Doch auf dem Markt ist längst nicht alles Gold was glänzt: Schon warnen Analysten vor fehlender Unterfütterung.
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FRANKFURT. Immer mehr Investoren sind von einem Szenario überzeugt, in dem die expansiven Geldpolitiken und staatlichen Stimulierungsprogramme die Konjunktur kurzfristig stützen und beleben, längerfristig aber schaden könnten - Inflation wird als Gefahr erkannt. Im Szenario von Wachstum und späterer Inflation wären reale Werte als Schutz vor Geldentwertung gefragt. So befinden sich Rohstoffe im Aufwärtstrend.

Viele Anleger starren bei den Edelmetallen nur auf den Goldpreis und übersehen, dass andere Edelmetalle sogar noch besser laufen. Im bisherigen Jahresverlauf steht Gold mit 36 Prozent im Plus, Platin kommt auf 58 Prozent, Silber auf 70 Prozent. Palladium führt mit 103 Prozent und zählt damit zu den am besten gelaufenen Rohstoffen überhaupt.

Übertroffen wird Palladium im Vergleich der wichtigsten Rohstoffe nur noch von Kupfer. Der Industrierohstoff war zuletzt 132 Prozent teurer als zur Jahreswende. Es ist der stärkste Gewinn zumindest in den vergangenen Jahrzehnten. Die spektakuläre Performance ist allerdings vor dem Hintergrund der kollabierten Rohstoffpreise Mitte vergangenen Jahres zu sehen.

Derzeit mehren sich kritische Analystenstimmen, die auf fehlende fundamentale Unterfütterung des Preisanstiegs hinweisen und den Preissprung auf den Ansturm von Investoren zurückführen. Die jüngsten Wirtschaftsdaten sowohl aus den USA als auch vom wichtigen Rohstoffimporteur China waren von Analysten allerdings als weitere Belege für gutes Wachstum in den Ökonomien gewertet worden.

Auch beim Öl mahnen nun manche Analysten zur Zurückhaltung, nachdem der Preis im Jahresverlauf 74 Prozent gewonnen hat. Skeptische Marktbeobachter argumentieren mit dem hinreichenden Ölangebot und geringen Anzeichen für eine anziehende Nachfrage. Aus fundamentaler Sicht spielt die Witterung im nahenden Winter in den USA beim Ölverbrauch eine große Rolle.

Mais und Weizen kommen preislich nicht vom Fleck

Das Thema Wetter ist naturgemäß bei der Preisentwicklung der Agrarrohstoffe mitentscheidend. Hier steht Zucker mit einem Preisplus von 92 Prozent in diesem Jahr vorne. Weniger beachtete Rohstoffe wie Kautschuk und Milch erreichen ebenfalls mittelfristige Tops. Kautschuk profitiert von Hoffnungen auf steigende Nachfrage nach Autoreifen im Zuge einer Wirtschaftserholung sowie den Sorgen über wetterbedingte Angebotsrückgänge im wichtigsten Produzentenland Thailand. Die Milchpreise haben sich nach ihrem Fünfjahrestief im Juli sogar fast verdoppelt. Das Angebot ist knapp, weil Frühlingskälte im wichtigen Produzentenland Neuseeland die Farmer bedrängt und Australien einen Produktionsrückgang für dieses Jahr erwartet.

Es kann im Agrarbereich aber auch ganz anders laufen. Kaffee und Kakao haben im Jahresverlauf nur ein Viertel zugelegt, Weizen und Mais sogar leicht verloren. Hier spielen unter anderem hohe Vorräte eine entscheidende Rolle. Bei Mais belastete auch die Entscheidung der US-Umweltbehörde gegen eine Erhöhung des Biosprit-Anteils.

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