Ukraine verhängt Exportstopp
Trockenheit treibt Weizenpreise nach oben

Die Kornkammern müssen weltweiten Ernteausfällen Tribut zollen. Die Preise für Weizen stiegen nach Dürren oder Überschwemmungen in weiten Teilen der Welt stark an. Die Ukraine musste gar einen Exportstopp verhängen. Die Getreidevorräte schrumpfen damit allmählich bedrohlich zusammen.

LONDON. Mangelnde Regenfälle in weiten Teilen der Welt haben die Weizenpreise kräftig steigen lassen. An der europäischen Terminbörse Euronext näherte sich der Preis für den November-Kontrakt der Marke von 170 Euro je Tonne und damit dem letzten zyklischen Höchststand während der europäischen Dürre von 2002/03.

Grund dafür ist das immer knapper werdende Angebot. So hat die Ukraine, die Kornkammer der ehemaligen Sowjetunion, seit Anfang Juni wegen dürrebedingter Ernteschäden seine gesamten Getreideausfuhren suspendiert. Etwa 60 Prozent der Ernte sind von den Schäden betroffen. Rumänien rechnet damit, dass seine Weizenernte wegen der Trockenheit um über 40 Prozent hinter der des Vorjahres zurückbleiben und auf nur noch 2,9 Mill. Tonnen sinken wird.

Auch in den USA sind die Weizenpreise angezogen. Wie in Europa heizen Sorgen über die Ernten die Spekulation an. Doch in den USA waren es übermäßige Regenfälle im April und Mai, die Schäden, unter anderem in Kansas, Texas und Oklahoma, verursachten. Der Preis für den Juli Kontrakt am Chicago Board of Trade, CBOT, erreichte mit 5,34 Dollar je Bushel den höchsten Stand seit vergangenem 2006. Binnen Jahresfrist ist er damit um über ein Drittel gestiegen. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen noch für die nächsten zwölf Monate mit anhaltend stabilen Weizenpreisen.

Der Internationale Getreiderat (IGC) in London veranschlagt die Welt-Weizenernte für 2006/07 nur noch auf 593 Mill. Tonnen nach über 620 Mill. Tonnen im Vorjahr. 18 Mill. Tonnen des Bedarfs müssten im laufenden Wirtschaftsjahr also aus den Vorräten gedeckt werden. Diese näherten sich damit dem niedrigsten Stand seit 1981.

Die Vorräte der fünf größten Exporteure – Argentinien, Australien, Kanada. Europäische Union und die USA – sind inzwischen um etwa 40 Prozent unter das Niveau gesunken, das vor drei Jahren noch als normal galt. Und selbst wenn die Welt-Weizenernte 2007/08 wieder zunehme, dürften laut IGC die Vorräte wegen der Verbrauchssteigerungen weiter auf niedrigem Niveau verharren.

Gregory Page, der neue Chef der Cargill Corp., des größten Agrarprodukt-Handelshauses der Welt, sieht indes die künftige Preisbildung nicht nur bei Weizen sondern bei einer ganzen Reihe von Agrarprodukten unter völlig neuen Vorzeichen. Laut Page könnte deren wachsende Rolle als Ausgangsprodukt für Biokraftstoff „unabsehbare Folgen“ haben.

In den USA, so ergänzen Marktbeobachter diese Sichtweise, würden die Folgen bereits sichtbar. Farmer bauten dort inzwischen deutlich mehr Mais an, weil sie sich von diesem in dessen Rolle als Biokraftstoff höhere Renditen versprächen als zum Beispiel beim Anbau von Weizen oder Sojabohnen.

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