Unabhängig vom Wahlausgang gibt es für den Kurs des Dollars einige Belastungsfaktoren
Kerry weckt im Devisenhandel Skepsis

Die Präsidentschaftswahlen in den USA rücken näher. Damit stellt sich nicht nur an den Aktienmärkten, sondern auch an den Devisenmärkten die Frage, ob der Wahlausgang am 2. November die Kurse von Euro und Dollar beeinflussen könnte.

DÜSSELDORF/NEW YORK. Mit großen Kurssprüngen ist aber kaum zu rechnen. „Das voraussichtliche Wahlergebnis wird schon vorher eingepreist“, sagt etwa Stefan Klomfass, Devisen- und US-Konjunkturexperte bei Helaba Trust. Mittelfristig sehen Analysten mehrheitlich Belastungsfaktoren für den Dollar bei einem Sieg von John Kerry.

„Unsere Untersuchung der letzten sieben US-Wahlen zeigt, dass die Devisenmärkte nicht sehr stark reagiert haben“, sagt Margaret Browne, Währungsexpertin bei der Bank HSBC in New York (siehe „Wahl und Dollar“). Doch es gebe Befürchtungen, dass der demokratische John Kerry im Handel einen protektionistischen Kurs fahren könnte. „Das wäre dann schlecht für den Dollar“, sagt sie. Andererseits habe Kerry viele Clinton- Berater um sich versammelt, die den Freihandel befürworteten.

Auch Laurence Mutkin, Leiter Anleihestrategie bei Threadneedle Investments in London, rechnet mit keinen größeren Veränderungen beim Wechselkurs. Bei einem Sieg von Kerry, den Mutkin für eher unwahrscheinlich hält, werde die Geldpolitik im Wesentlichen unverändert beibehalten. Damit bleibe auch das Dollar- Euro-Verhältnis relativ stabil – „wer auch immer im Weißen Haus ist“, sagt Mutkin. Er weist aber darauf hin, dass mit Kerry „die Wirtschaft Gefahr laufen würde, den Vorteil der expansiven fiskalischen Anreize zu verlieren“, die die Regierung von George W. Bush geboten habe. Daher gelte eine Kerry-Regierung insgesamt als „weniger marktfreundlich“.

Grundsätzlich gilt laut Klomfass an den Devisenmärkten die Regel: „Die Demokraten bevorzugen eher einen starken Dollar“, um Investitionen anzulocken, „den Republikanern gefällt eher ein schwächerer Dollar“, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu verbessern. Diese Regel sei nicht außer Kraft, schlage angesichts ähnlicher Programme laut Klomfass aber wohl nicht allzu stark zu Buche. Für ihn ist die entscheidende Frage, ob sich mit Blick auf das hohe Leistungsbilanzdefizit etwas an der Budgetpolitik ändert. „Die Budgetkonsolidierung wäre langfristig positiv für den Dollar“, sagt der Helaba-Experte. Kerry könnte dabei seiner Meinung nach eher Erfolg haben, was mit einem festeren Dollar einhergehe.

Robert Sinche blickt ebenfalls stärker auf die Zeit nach der Präsidentschaftswahl. „Wichtiger für die Währungsmärkte ist, welche Politik dann verfolgt wird und welche Personen die Schlüsselpositionen in der neuen Administration einnehmen“, sagt der Chefwährungsstratege bei der Bank of America in New York. Auch Sinche glaubt, dass Kerry einen härteren Sparkurs als Präsident Bush einschlagen wird, um das Haushaltsdefizit abzubauen. Anders als Klomfass warnt er allerdings: „Das könnte das Wachstum in den USA dämpfen und somit auch den Dollar schwächen.“

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