Ungarische Landeswährung fällt auf neues Allzeittief
Der Forint rutscht in die Isolation

Die Sorgen über den Zustand der ungarischen Wirtschaft wachsen. Die Landeswährung Forint notierte am Mittwoch gegenüber dem Euro auf einem neuen Allzeittief. Am Vormittag kostete ein Euro in Budapest 312 Forint. Damit hat die ungarische Währung seit Mitte vergangenen Jahres etwa 30 Prozent ihres Wertes verloren.

WIEN. Erstmals ist der Forint als einzige der wichtigsten osteuropäischen Währungen am Mittwoch stärker unter Druck geraten. Tschechische Krone und polnischer Zloty dagegen legten zu. Unter Investoren könnte zum ersten Mal eine differenzierte Betrachtungsweise über die osteuropäischen Staaten eingesetzt haben. "In den vergangenen Wochen haben die osteuropäischen noch ziemlich im Gleichklang reagiert", sagte Walter Demel von Raiffeisen Research in Wien. Unter den neuen EU-Mitgliedern steht Ungarn derzeit zusammen mit den baltischen Staaten am schlechtesten da. Die Wirtschaft schrumpft rapide, die Zahl der Firmenpleiten und der Privatinsolvenzen steigt. In Ländern wie Tschechien oder Polen sind die wirtschaftlichen Probleme längst nicht so groß.

Die Finanzaufsichtsbehörden aus Tschechien, Polen, der Slowakei, Rumänien und Bulgarien warnten am Mittwoch in einem gemeinsamen Aufruf davor, die osteuropäischen Staaten nach einem einheitlichen Maßstab zu beurteilen. "Häufig wird dabei unnötig vereinfacht. Das hat negative Auswirkungen auf die Banken, die in der Region tätig sind", schrieben die Finanzmarkt-Kontrolleure. Pikanterweise hatte die ungarische Finanzmarktaufsicht PSZAF den ersten Aufruf nicht mit unterzeichnet. Erst am Mittag waren die Ungarn in einer zweiten Fassung mit dabei.

Marktbeobachter in Wien und Budapest werteten dies als bewussten Warnschuss der anderen osteuropäischen Länder gegen die ungarische Regierung. Ungarns Ministerpräsident Ference Gyurcsany hatte noch am Sonntag beim EU-Gipfel in Brüssel einen gemeinsamen Hilfsfonds über 180 Milliarden Euro für ganz Osteuropa gefordert, der nicht nach einzelnen Ländern differenziert. Die Mehrheit der EU-Staaten - die meisten Osteuropäer eingeschlossen - hatten diesen Plan aber abgelehnt. Stattdessen will die EU helfen, wenn ein einzelnes Land in Not gerät.

"Dass einige westliche Banken in manchen osteuropäischen Ländern Probleme bekamen, hat den falschen Eindruck vom guten Westen und schlechten Osten im Finanzwesen entstehen lassen", beklagte am Mittwoch der slowakische Ministerpräsident Robert Fico. Er verwahrte sich gegen die Ansicht, "es gebe eine einheitliche Problemzone Mittel- und Osteuropa, das ist einfach nicht wahr".

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