Ungewöhnlich früher Start der Hurrikansaison
Schwere Stürme treiben Ölpreis hoch und belasten Versicherer

Die Versicherungswirtschaft ist das zweite Jahr in Folge mit einer kostspieligen Wirbelsturmsaison konfrontiert. Die beiden größten Rückversicherer, Münchener Rück und Swiss Re, sehen deutliche Anzeichen dafür, dass sich die Schäden über dem langjährigen Durchschnitt bewegen werden.

DÜSSELDORF. „Der Hurrikan Dennis hat mit geschätzten zwei bis drei Mrd. US-Dollar bereits einen beträchtlichen Teil des durchschnittlich jährlich versicherten Marktschadens verursacht“, sagt Serge Tröber, Vizechef der Abteilung Naturgefahren bei der Swiss Re. Ähnlich äußert sich die Münchener Rück. Sollte es in den Monaten August und September weitere verheerende Stürme geben, dann müssten die Versicherer voraussichtlich mehr Geld für Hurrikanschäden aufwenden als in einem durchschnittlichen Schadensjahr, das mit rund fünf Mrd. Dollar zu Buche schlägt.

Während der Wirbelsturm „Dennis“ abflaut, baut sich mit „Emily“ schon der nächste auf. Experten erwarteten noch für den gestrigen Abend eine Heraufstufung „Emilys“ von einem tropischen Sturm zu einem Hurrikan. Diese Gefahr trieb den Ölpreis nach oben. Grund ist die Furcht vor Produktionsausfällen im Golf von Mexiko. Mehrere Bohrinseln wurden evakuiert, so dass die Ölförderung unterbrochen ist. Dadurch könnten sich die ohnehin seit Monaten niedrigen Lagerbestände in den USA weiter verringern. So stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) der in Europa maßgeblichen Sorte Brent gestern auf über 59 Dollar und lag damit nur wenige Cent unter dem Rekordhoch.

Schon vergangenes Jahr hatte die USA die schadensreichste Wirbelsturmserie ihrer Geschichte getroffen, Japan eine nie beobachtete Zahl von Taifunen. Die versicherten Schäden summierten sich fast auf 23 Mrd. Dollar. Die Anzahl großer Naturkatastrophen hat sich laut Münchener Rück in den vergangenen 40 Jahren verdreifacht. Die versicherten Schäden stiegen sogar um das 14fache. Dies liegt daran, dass in gefährdeten Region wie dem US-Bundesstaat Florida die Bevölkerung deutlich zugenommen hat.

Nach dem stürmischen Vorjahr beobachten die Experten nun mit Sorge den außergewöhnlich frühen Start der Hurrikansaison. „Es ist schon außergewöhnlich, dass wir im Juli bereits fünf Wirbelstürme erleben. Seit 1990 gab es erst fünf Jahre, in denen im Juli bereits fünf solcher Stürme verzeichnet wurden“, sagt Josias Jansen vom Deutschen Wetterdienst in Hamburg. Der Höhepunkt der Hurrikansaison ist normalerweise August und September. Entscheidend für die Assekuranz ist allerdings nicht die pure Zahl der Wirbelstürme. Entscheidend ist, wie viele Hurrikane vom Meer auf das Land weiterziehen. Durchschnittlich waren dies in den Jahren 2000 bis 2003 nur acht Prozent, vergangenes Jahr war es dann aber jeder vierte.

Wetterexperten sehen in der globalen Erwärmung eine Ursache für das Phänomen: „Es ist durchaus möglich, dass die Klimaerwärmung zu mehr Stürmen führen könnte“, sagt Swiss-Re-Fachmann Tröber. Dies hat sich bisher aber noch nicht in den Statistiken des Rückversicherers niedergeschlagen. Dies könnten daran liegen, dass dieser Trend von den Hurrikanzyklen überlagert wird. Denn im langfristigen Mittel kann man feststellen, dass es 30-jährige Zyklen mit mehr oder weniger Aktivitäten gibt. Derzeit gibt es eine Phase mit stärkeren Stürmen. „Seit 1998 steigt die Zahl der Wirbelstürme mit einer Ausnahme über den langjährigen Durchschnitt“, sagt Jansen. Die Statistiken seien jedoch als Vergleichsmaßstab nur begrenzt tauglich, weil es die Wetterbeobachtung mit Satelliten erst seit rund 40 Jahren gebe.

Die richtige Einschätzung möglicher Sturmschäden ist für die Versicherer wichtig. Im vergangenen Jahr drückte die Sturmserie die Ergebnisse der Gesellschaften. So betrugen die Naturkatastrophen-Schäden der Münchener Rück allein im zweiten Halbjahr 2004 rund 700 Mill. Euro. Die Hannover Rück meldete eine doppelt so hohe Belastung durch Großschäden wie üblich.

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