Unseriöse Anbieter
Gold-Boom lockt schwarze Schafe

Mit der Nachfrage nach Gold steigt gleichzeitig auch das Aufkommen unseriöser und betrügerischer Anbieter und Händler. Kunden sollten sich daher auf die bewährten Kanäle zu verlassen, um Abzocke zu vermeiden.

Die Dame wollte sich absichern. „Eine goldrichtige Anlage“, erklärte der Vermittler, und verkaufte ihr einen Goldsparplan. 1500 Euro Abschlussgebühr waren erst mal fällig. Dann zahlte die Anlegerin 50 Euro monatlich ein bis sie Post von einem Wirtschaftsprüfer bekam. Möglicherweise sei das Gold, das sie bezahlt hat, nicht ordentlich hinterlegt. Den Sparplan kündigte sie. Gold hat sie bis heute keines gesehen. Inzwischen läuft ein Ermittlungsverfahren.

Der Goldpreis ist in den vergangenen drei Jahren von rund 800 auf fast 1600 Dollar je Feinunze gestiegen, zwischenzeitlich war er sogar nach der 2000-Dollar-Marke. Seit der Goldpreis so rasant gestiegen ist, steigt auch die Zahl der unseriösen Geschäftemacher, die auf den Trend aufspringen. Telefonisch oder im Internet verkaufen sie physisches Gold, das nie ankommt. Straßenhändler bieten angebliches Gold an, das gar keines ist. Vermittler kassieren üppige Provisionen für völlig überteuerte Investmentpläne. „Bei uns mehren sich die Anfragen Geschädigter“, sagt der Bremer Rechtsanwalt André Ehlers. Im Unterschied zu anderen Finanzanlagen ist der Verkauf von physischem Gold nicht reguliert. Jeder, ob Bäcker oder KfZ-Mechaniker, kann es vertreiben. „Wir verkaufen Gold und Silber, das sind Produkte wie Salz und Seife. Wir benötigen keine Zulassungsvoraussetzungen“, prahlt der Chef eines Strukturvertriebs auf einer Webseite für Nebenjobangebote.

Wer physisches Gold kaufen möchte, sollte sich entweder an Banken oder angesehene Goldhändler halten. Hinter Online-Shops, die möglicherweise auch noch aus dem Ausland operieren und Vorkasse verlangen, stehen häufig Betrüger. Minibarren zu einem oder fünf Gramm lohnen sich erst gar nicht, dort betragen die Aufschläge bis zu 30 Prozent des Goldpreises. Christian Haese vom Vergleichsdienst „trustablegold.com“ rät auch von Sammlermünzen ab, deren Wert hohen Schwankungen unterliegt. Anleger sollten sich lieber an eingeführte Münzen wie den „Krügerrand“ oder den „Maple Leaf“ halten. Barren ab 50 Gramm seien ohnehin günstiger als Münzen.

Einige Häuser bieten auch Tresorgold an. Sie lagern das Gold für ihre Kunden ein. Nur auf Wunsch wird es ausgeliefert. Auch hier sind registrierte Banken die sicherste Adresse, auch wenn nicht alle gleich günstig sind. Wichtig sei, dass der Anbieter regelmäßig von einem Wirtschaftsprüfer überwacht wird, und dass das Gold bei einem unabhängigen Tresorunternehmen lagert, so Haese. Die seriösen Lagerfirmen sind Mitglieder der London Bullion Market Association (www.lbma.org). Das schöne am Kauf von physischem Gold: Es fällt keine Mehrwertsteuer an, und es gehört dem Sparer, auch wenn seine Bank pleitegeht.

Das ist bei Zertifikaten anders. Sie sind nichts anderes als Schuldscheine der emittierenden Bank und eignen sich allenfalls zur Spekulation, nicht aber zur Absicherung gegen Notfälle. Und die Goldsparpläne? Sie sind meist überteuert. Gold schwankt im Preis, wirft keine feste Rendite ab und verursacht Kosten. Als Basis für den Vermögensaufbau sind sie nicht geeignet. Achim Tiffe vom Institut für Finanzdienstleistungen meint: „Ein Goldsparplan ist schlicht widersinnig.“

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