Unsicherheit über Entwicklung in Nigeria und Iran wächst
Lage am Ölmarkt spitzt sich zu

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in den wichtigen Ölförderländern Nigeria und Iran hat die Rohölpreise zum Wochenende auf den höchsten Stand seit über drei Wochen getrieben. Das europäische Brentöl stoppte seinen Anstieg am Wochenende knapp über 64 Dollar je Barrel (159 Liter).

DÜSSELDORF. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in den wichtigen Ölförderländern Nigeria und Iran hat die Rohölpreise zum Wochenende auf den höchsten Stand seit über drei Wochen getrieben. Das europäische Brentöl stoppte seinen Anstieg am Wochenende knapp über 64 Dollar je Barrel (159 Liter). Verschärft wird die Furcht vor möglichen Versorgungsengpässen durch das Treffen der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) am Mittwoch, denn einige der Kartellmitglieder fordern eine Kürzung der offiziellen Förderquoten.

„Die Geopolitik treibt zurzeit ganz klar den Ölpreis“, sagt Axel-Adrian Roestel, Volkswirt der Berenberg-Bank. So zeichnet sich etwa im Atomstreit mit dem Iran bislang keine Einigung ab. Die Gespräche der Europäischen Union mit dem Iran über dessen umstrittenes Atomprogramm wurden vertagt. Zudem berät heute die Internationale Atomenergie-Behörde darüber, ob der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in den Konflikt eingreifen soll. Der Iran exportiert täglich 2,6 Mill. Barrel, ist zweitgrößter Produzent der Opec und weltweit viertgrößter Öllieferant. Wegen der geringen freien Kapazitätsreserven anderer Ölländer könnten Ausfälle in der Produktion kaum ausgeglichen werden.

Das „größere Risiko“ liegt laut Roestel zurzeit aber in Nigeria. Hier fallen nach Anschlägen täglich fast 0,5 Mill. Barrel Öl aus. Einen Ersatz für Rohöl dieser Qualitätssorte gebe es nicht. „Es kann nur über die Lagerbestände ausgeglichen werden“, sagt Roestel. Doch damit nicht genug. Auch im sehr wichtigen Ölförderland Saudi-Arabien wurde erst kürzlich ein Anschlag auf eine große Verarbeitungsanlage vereitelt. Weitere Krisenherde liegen in den Produzentenländern Irak und Venezuela.

„Die Ereignisse haben den Eindruck bestätigt, dass der Ölpreis nur noch von einem nicht enden wollenden Strom von Einzelereignissen getrieben wird“, meint Sandra Ebner, Ölexpertin der Deka-Bank. Daraus resultierten immer stärkere Preisschwankungen, die den weltweiten Mangel an freien Kapazitäten widerspiegelten. „Die jüngsten Preisausschläge dürften daher nur ein Vorgeschmack darauf sein, was in den nächsten Monaten auf der Tagesordnung stehen wird“, warnt sie.

Mit Spannung warten die Akteure am Ölmarkt nun auf das Treffen der Opec, die für fast 40 Prozent der Weltproduktion steht. „Die Weltölmärkte sind überversorgt, es besteht das Risiko eines starken Preisrückgangs“, sagte Opec-Präsident Edmund Daukoru am Freitag in Washington. Seine Einschätzung steht im Gegensatz zu der Bewertung etwa der USA, die eine Unterversorgung des Marktes sehen. Zuletzt forderte Venezuela eine Kürzung der Förderung um 0,5 Mill. Barrel.

Was das Ölkartell am Mittwoch beschließen wird, ist allerdings noch völlig offen. Denn wegen der hohen Preise könnte es noch einmal auf eine Produktionskürzung verzichten. Andererseits wurde bislang im zweiten Quartal meist ein Nachfragerückgang verzeichnet. „Die saisonalen Muster haben sich deutlich zurückgebildet“, sagt indes Sandra Ebner. Grund dafür sei die kontinuierlich hohe Nachfrage aus China. Aus Sicht der Deka-Expertin wäre eine Verringerung der Opec-Produktion daher zurzeit kontraproduktiv.

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