Unsicherheit und Nervosität an den Märkten sprechen tendenziell für weitere Preisaufschläge
Neue Terrorwarnung in den USA verteuert Gold und Rohöl

Die Unsicherheit an den Finanz- und Rohstoffmärkten hat zum Wochenende zugenommen. Zuvor hatte die Heimatschutzbehörde der USA vor der Gefahr von Terroranschlägen gewarnt. „Glaubwürdige Berichte deuten nun darauf hin, dass El Kaida ihre Pläne für einen großen Angriff in den USA vorantreibt, um den demokratischen Prozess zu stören“, sagte Tom Ridge, Minister für Innere Sicherheit.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Zwar wurden weder Details genannt, noch wurde die Terrorwarnstufe erhöht, doch reagierten die Marktseismografen Öl und Gold prompt. Gold kostete zeitweise über 408 Dollar je Unze und wurde in London mit 406,50 Dollar fixiert. Das europäische Brentöl verteuerte sich auf 37,58 Dollar. Im Gegenzug geriet die US-Währung unter Druck; der Euro stieg auf über 1,24 Dollar. Experten sehen weitere Aufschläge.

Eigentlich hätten „die Märkte zur Tagesordnung“ schreiten können, sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Denn die Warnung sei relativ unpräzise gehalten worden und anders als in früheren Fällen auch nicht mit einer Erhöhung der Warnstufen verbunden gewesen. Doch gebe es zusätzliche Belastungsfaktoren. Und „der Ölpreis profitiert von der Besorgnis“, sagt Schilbe. Für Unsicherheit sorgen zudem die Ereignisse um den Ölkonzern Yukos und dadurch mögliche Förderausfälle.

Als kritisch bezeichnet der Trinkaus-Experte das charttechnische Bild beim Brentölpreis: „Es sieht so aus, als hätten wir die Höchstkurse in diesem Jahr noch nicht gesehen.“ Sollte der Preis für Brentöl noch einmal über 40 Dollar steigen, sei technisch der Weg bis auf 46 Dollar frei. Auch fundamental seien höhere Preise nicht auszuschließen, da die Opec-Mitglieder inzwischen an ihre Kapazitätsgrenzen stießen. Würde es zu weiteren „exogenen Schocks“ kommen, könnte der Ölpreis sprunghaft klettern, sagt Schilbe.

Äußerungen des saudischen Ölministers Ali Ibrahim el Naimi verhallten am Rohölmarkt jedenfalls ungehört. Er hatte in einem Zeitungsinterview zurückgewiesen, dass die Opec keine Produktionsreserven mehr habe. Saudi-Arabien könnte laut Naimi die Tagesproduktion von derzeit 9,1 auf 10,5 Mill. Barrel steigern. Und Opec-Präsident Purnomo Yusgiantoro beteuert: „Die Opec hat noch immer eine Vereinbarung, ihre Quoten im August um 500 000 Barrel pro Tag auszuweiten.“

Auch bei Gold erwarten Analysten tendenziell eine weitere Verteuerung. „Die Schwankungen reflektieren eine generelle Unsicherheit und Nervosität“, kommentierte Kevin Crisp von Koch Metals Trading den Anstieg bis auf knapp 408 Dollar und schließt nun Preise von 420 Dollar nicht aus. Zum Teil werden sogar noch kräftigere Ausschläge erwartet. Dabei nehmen viele Analysten weiterhin eine eher defensive Haltung gegenüber Gold ein. Marktteilnehmer überrascht dies nicht, denn bereits in den vergangenen zwei Jahren mussten die Rohstoff- Fachleute ihre Preisprognosen bei Gold und anderen Commodities immer wieder an die nach oben gerichtete Preisentwicklung anpassen.

Daniel Wittmer von der Deutsche-Bank-Tochter Bank Rüd, Blass & Cie. liegt mit seiner mittelfristigen Preisprognose von 450 bis 500 Dollar am oberen Ende des Prognosespektrums. Recht optimistisch sind auch die Fachleute von Merrill Lynch, die ihre Erwartungen für 2004 zuletzt von 435 auf 410 Dollar zurückgenommen haben. Die Ziele für das kommende Jahr wurden jedoch auf einem Niveau von 440 Dollar festgeschrieben. Patricia M. Mohr von der Scotiabank in Toronto sieht für 2005 nur einen durchschnittlichen Goldpreis von 390 bis 410 Dollar. Sie sieht wenig Phantasie für Gold als Kapitalanlage.

Positiver ist Peter Blight von UBS gestimmt. Er erwartet einen Preis von rund 422 Dollar in diesem bzw. 455 Dollar im nächsten Jahr und sieht die Entwicklung vor dem Hintergrund weiterer Verluste der US- Währung. Auch Schilbe blickt auf den Dollar. Der „grundsätzliche Aufwärtstrend“ bei Gold hänge damit zusammen. Entscheidend sei die Marke von 430 Dollar. Der nächste wichtige Bereich liege dann bei 480 Dollar, ein Niveau, das Schilbe langfristig für „realistisch“ hält.

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