Unter 1,30 Dollar

Euro-Kursrutsch sorgt für Unruhe

Alarmstimmung an den Märkten: Der Euro rutschte am Nachmittag kräftig ab. Auch der Dax knickte ein. Die Rendite für Italien-Anleihen stieg wieder auf sieben Prozent. Beobachter spekulieren über die Gründe.
Update: 28.12.2011 - 19:57 Uhr 36 Kommentare
Am Nachmittag sackte der Euro deutlich ab. Quelle: dpa

Am Nachmittag sackte der Euro deutlich ab.

(Foto: dpa)

Frankfurt, TokioDer Euro ist am Mittwoch kurzzeitig auf seinen tiefsten Stand seit knapp einem Jahr gefallen. Am späten Nachmittag fiel der Euro auf 1,2941 Dollar. Es war der tiefste Wechselkurs seit dem 11. Januar. Später stieg der Euro wieder leicht auf 1,2962 Dollar an.

„Das ist ein sehr dünner Markt, da kann es schnell mal zu einem Ausrutscher kommen“, sagte ein Händler. „Angeblich ist eine größere Kauforder ausgelaufen und danach kam der Euro ins Rutschen“, fügte ein anderer Händler hinzu. Zeitgleich mit dem Kursrückgang gab der IWF bekannt, dass es noch keine Entscheidung über formale Verhandlungen mit Ungarn über Finanzhilfen gibt. „Einige vermuten, dass Euro-Anleger da wieder kalte Füße bekommen haben“, sagte ein Händler.

Auch an den Aktienbörsen gaben die Kurse nach. Der Dax rutschte nach drei Gewinntagen deutlich ins Minus. Damit folgte der deutsche Leitindex dem Euro und schloss 2,01 Prozent tiefer bei 5771,27 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Werte sank um 0,96 Prozent auf 8752,86 Punkte und der TecDax gab 0,57 Prozent auf 674,45 Punkte ab.

Am Rentenmarkt kletterte die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen wieder auf sieben Prozent. Händler vermuteten, dass die Sorge um die Auktion längerlaufender italienischer Papiere die Anleger zu Verkäufen animierte. Am Donnerstag will das Land drei- und zehnjährige Titel im Volumen von 8,5 Milliarden Euro verkaufen.

Misstrauen: Bankeinlagen bei EZB steigen auf Rekordwert

Die Versteigerung kurzlaufender italienischer Papiere war am Mittwochvormittag positiv aufgenommen worden. Italien musste für seine neuen Papiere nur noch eine Rendite von 3,251 Prozent bieten, halb so viel wie bei der vorangegangenen Auktion Ende November. Ein Börsianer bezeichnete die Emission als zufriedenstellend. „Entscheidend wird aber die Emission länger laufender Papiere am Donnerstag“, betonte er. „Die hohe Nachfrage kommt nicht völlig überraschend, denn dank des billigen Zentralbankgeldes können Investoren mit dem Kauf dieser Papiere eine erkleckliche Marge erwirtschaften.“

  • dpa
  • rtr
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36 Kommentare zu "Unter 1,30 Dollar: Euro-Kursrutsch sorgt für Unruhe"

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  • @mary

    Na denn, ausnahmesweise: viel Glück im neuen Jahr und Ihnen auch viel Spaß, wohin immer es Sie auch verschlägt ;-)

  • @Hardy
    Heute war mein letzter Tag für das Handelsblatt. Ihre "Frozzelei" hatte ich verstanden.
    Grüße und weiterhin viel Spaß.

  • @mary

    Ich merke schon, ich darf nicht "frozzeln", das führt immer zu Mißverständnissen.

    Blomberg, Dow Jones? Igitt! Ich glaube, das macht am Ende auch nur betriebsblind und da ich ja nicht mit Aktien zocke, bin ich nicht im Hamsterrad, das deren Lektüre notwendig macht, um den rechten Tunnelblick zu bekommen.

    Meine Frozzelei bezog sich aug das Interview mit Prof Hickel gestern im DLF

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/28/dlf_20111228_1315_528b4780.mp3

    Statt Dow & Blomberg ziehe ic es vor, den Herrschaften zuzuhören und mir aus den widersprechenden Meinungen meine eigene zu bilden, sprich: ich nehme mir einen Teil Bofinger, einen Teil Hicken, ein Quäntchen ... usw usf. Das erfordert zwar eine Portion selber denken können, verhindert aber das Mitlaufen im Rudel.

    Zuhören hat - im gegensatz zum Lesen - den Vorteil, daß man im Timbre einer Stimme eher erkennt, ob jemand lügt oder sich seiner Sache nicht sicher ist, aber das nur am Rande.

    Meinen Unkenntnisstand können Sie gerne hier

    http://www.tv3.de/medienverlag/news-aus-radio-und-presse.html

    täglich nachkontrollieren ;-)

    Mit Neujahrsgrüßen halte ich mich noch zwei Tage zurück, wir wissen ja nicht, ob uns morgen nicht der Himmel auf den Kopf fällt ...

    Grüße

  • @Hardy-> Anmerkung
    Unkenntnis im Forum, und Zusammenhänge nicht klar.In Zukunft immer zuerst Bloomberg und die Dow Jones-Redaktion anklicken.
    Es geht um protektionistische Wechselkurse.Finanziell.Strukturell um den IWF.Langandauerndes Kopfschütteln macht definitiv krank...

    Frögliches Neues Jahr

    Ade

  • Der Euro ist immer noch überbewertet.
    Der realistische Wechselkurs des Euro liegt bestenfalls bei 1,20- zum US-Dollar.
    Es ist doch offensichtlich dass bei einem Jugendarbeitslosigkeit von über 40% in Spanien und Portugal, 28% in Italien und von Griechenland ganz zu schweigen der Euro weiter fallen muss damit diese Euroländer wieder wettbewerbsfähig werden.
    Ein starker Euro ist nur für Großkonzerne, vor allem deutsche, die ihr im Euroraum erzielten Gewinn ins Nichteuroausland investieren wollen, vom Vorteil.
    Diese Vorgehensweise kommt einer legalen Kapitalflucht gleich. Da wir es nicht verbieten können muss der Wert des Euro noch weiter fallen damit es mehr im Euroraum investiert wird.

  • Der Euro ist immer noch überbewertet.
    Der realistische Wechselkurs des Euro liegt bestenfalls bei 1,20- zum US-Dollar.
    Es ist doch offensichtlich dass bei einem Jugendarbeitslosigkeit von über 40% in Spanien und Portugal, 28% in Italien und von Griechenland ganz zu schweigen der Euro weiter fallen muss damit diese Euroländer wieder wettbewerbsfähig werden.
    Ein starker Euro ist nur für Großkonzerne, vor allem deutsche, die ihr im Euroraum erzielten Gewinn ins Nichteuroausland investieren wollen, vom Vorteil.
    Diese Vorgehensweise kommt einer legalen Kapitalflucht gleich. Da wir es nicht verbieten können muss der Wert des Euro noch weiter fallen damit es mehr im Euroraum investiert wird.

  • "Merkwürdig, dass niemand auf die Idee kommt (oder sie ausspricht), den Euro-Verfall mit der neuen Geldschwemme der EZB in Verbindung zu bringen."

    Pssssst.

    Nicht laut sagen. Am Ende müssten die EuroNeurotiker hier ja zugeben, daß die EZB as gemacht hat, was zu funktionieren scheint.

    Also, psssssssttttt ...

  • Ach, komm ....

    Die müssen doch auch von was Leben,oder? Und die Welt, sprich die Presse in ihrer aktuellen Verfasstheit, ist ja auch nichts, woran ältere Herren mit Herzschrittmachern teilnehmen sollten, oder?

    Wer heute nicht mindestens 3 mal am Tag verkündet, daß die Welt _morgen_ untergeht, verliert doch die Hälfte der Laufkundschaft.

    Die hat "morgen" vergessen, was "gestern" war und liest halt immer wieder gerne, daß die Welt "morgen" untergeht - und wenn's nicht der Mayakalender (ich nenne den mittlerweile den 2K Bug der Mayas) ist, dann sinds halt die bösen Finanzmärkte, die so scheu sind wie Rehe und überhaupt. Das geht immer.

    Ich muss sagen, ich nehme das schon lange nicht mehr ernst und höre mich statt dessen lieber durch zuerst das Programm des DLF, bevor ich mich dem täglichen Rinderwahnsinn aussetze. Natürlich nur, um die Wissenslücken der Journaille zu begutachten, die es sich in Berlin bei einem Latte Macciato gemütlich gemacht hat und nun die Welt mit ihren Laptops und Touchpads in Verzweiflung treiben mit ihrer Variante von World Of Warcraft.

    Könnten wir uns darauf einigen, daß die alle mal in Therapie gehen sollten???

  • Merkwürdig, dass niemand auf die Idee kommt (oder sie ausspricht), den Euro-Verfall mit der neuen Geldschwemme der EZB in Verbindung zu bringen.
    Nichts ist doch logischer, als dass die Investoren aus einer inflationierten Währung schnellstens aussteigen (warum sie das bislang bei Dollar und Pfund nicht getan haben, ist mir allerdings ein Rätsel).

  • Wie lange geht dieses ganze Elend noch. Hoffentlich krepelt das nicht noch Jahrelang so dahin. Ein Reset braucht das Land. Welcher da auch kommen wird.

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