Unter Druck
Nickel fällt auf tiefsten Stand seit Februar

Der Nickelpreis ist in London auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten gefallen. Seit seinem Rekordhoch Anfang Mai haben die Notierungen damit um fast 40 Prozent nachgegeben. Neue Bestandsdaten und Anzeichen für ein geringeres Nachfragewachstum halten den Preis unter Druck.

LONDON. Am Mittwoch kostete das Industriemetall an der Londoner Metallbörse (LME) weniger als 33 000 Dollar je Tonne. Seit seinem Rekordhoch bei 51 600 Dollar Anfang Mai haben die Notierungen damit um fast 40 Prozent nachgegeben.

„Die aktuelle Dynamik bei Nickel ist vergleichbar mit der Steilheit des Anstiegs, die das Metall zuvor erlebte“, kommentierte Eugen Weinberg den Preisabsturz. Nach Einschätzung des Rohstoffexperten der Commerzbank deuteten auch die Preise am Terminmarkt auf eine schwächere Entwicklung hin. „Die Steigung flacht sich am vorderen Ende zunehmend ab“, so Weinberg. Die nächsten charttechnischen Unterstützungsniveaus lägen nun im Bereich von 30 000 beziehungsweise 25 000 Dollar.

Der Preis des Metalls, das industriell vor allem bei der Stahlveredelung eingesetzt wird, geriet mit steigenden Lagerbeständen an der Londoner Rohstoffbörse und durch Anzeichen für ein geringeres Nachfragewachstum unter Druck. Anfang dieser Woche hatte die LME einen Anstieg der Nickelbestände um 72 auf 9 954 Tonnen mitgeteilt. Im Verlauf dieses Jahres ist das Volumen um 50 Prozent gestiegen. Belastet wurde das Industriemetall auch durch die jüngsten Andeutungen von Stahlkonzernen wie Thyssen-Krupp AG oder Outokumpu Oyj, sie könnten ihre Nickelkäufe einschränken, um Kosten zu sparen.

„Es handelt sich um einen gut versorgten Markt", beurteilt Rohstoffhändler Andrew Silver von Natixis Commodity Markets die Verfügbarkeit des Metalls. Natixis ist eines von elf Unternehmen, die in London den Handel mit dem Metall betreiben. Die Preise seien „immer noch sehr hoch“ und dürften weiter nachgeben, sagte Silver. „Nickel sieht insgesamt nicht gesund aus“, unterstreicht auch Gerard Burg, Rohstoffexperte der National Australia Bank gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Doch die Marke von 30 000 Dollar sollte halten“, erwartet er.

Analyst Tobias Merath von Credit Suisse Group in Zürich rechnet daher ebenfalls mit einem Rutsch der Nickelnotierungen noch bis auf 30 000 Dollar. Eine Analyse des Nickelpreises seit dem Jahr 1988 habe aber ergeben, dass nach einem Unterschreiten von Höchstmarken um 30 Prozent oder mehr gewöhnlich wieder Käufe einsetzten.

Auf das Jahr gesehen rechnen die Experten der Credit Suisse Group mit einem durchschnittlichen Nickelpreis von 39 167 Dollar. Es sei im vierten Quartal wieder mit einer steigenden Welt-Edelstahlproduktion zu rechnen, dies werde auch die Nachfrage für Nickel erneut anziehen lassen, heißt es in einer Studie der Schweizer.

Und auch im kommenden Jahr sei wieder mit einer stärkeren Nachfrage für das Metall aus der Batterie- und Flugzeugindustrie zu rechnen, die ebenfalls starke Nickelnachfrager sind.rp/Bloomberg

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