Unterbewerter Greenback
Der Dollar steht vor einem Comeback

Der neue Mut zum Risiko an den Kapitalmärkten zeigt sich auch am Devisenmarkt. Der US-Dollar, traditionell in Krisen als sicherer Hafen gesucht, gibt seit Monaten stetig nach. Die meisten Währungsexperten trauen der US-Währung mittelfristig aber einen starken Anstieg zu. Zahlreiche zentrale Faktoren sprechen für den Greenback.

FRANKFURT. Die Devisenexperten der großen Finanzhäuser setzen auf den Dollar. Von zwölf der wichtigsten Institute, die das Handelsblatt befragt hat, erwartet nur Morgan Stanley, dass der Euro in absehbarer Zeit noch einmal das bisherige Kurshoch von 1,60 Dollar erreicht. Mit HSBC und Unicredit sagen zwei weitere Banken eine maßvolle Abwertung des Dollars auf Kurse um 1,50 Dollar je Euro voraus. Das Feld derer, die eine Dollar-Aufwertung von annähernd zehn Prozent oder mehr erwarten, ist dagegen deutlich größer. In zwölf Monaten werde der Euro nur noch 1,15 Dollar kosten, erwartet etwa die Commerzbank. Die US-Wirtschaft werde als erste die Konjunkturwende schaffen, und die Argumente gegen den Dollar seien schlicht überbewertet worden, argumentiert die Bank und rechnet mit einer Korrektur. Die Deutsche Bank, Bank of America, und BNP Paribas setzen aus ähnlichen Gründen auf einen mittelfristig deutlich stärkeren Dollar.

Die Argumentation mit der Konjunkturwende ist allerdings zweischneidig. So argumentieren Unicredit und UBS, dass Fluchtgeld aus dem Dollar abfließen und diesen schwächen wird, sobald sich die Lage nachhaltig entspannt. Allein weil UBS-Währungsstratege Mansoor Mohi-Uddin damit rechnet, dass der gegenwärtige Konjunkturoptimismus bald neuer Skepsis Platz machen wird, rechnet er mit einer vorübergehenden Dollaraufwertung, bevor es im nächsten Jahr mit der US-Währung wieder abwärts geht.

Weitgehende Einigkeit herrscht unter den Analysten, dass der Dollar gemessen an seiner Kaufkraft derzeit unterbewertet ist. Das schafft eine Tendenz bei den Analysten, im Zweifel mittelfristig eher auf Aufwertung zu setzen. Die Prognose einer weiteren Abwertung braucht dagegen kräftige Argumente. So argumentieren die Analysten von Goldman Sachs zwar dezidiert, dass die Argumente für einen schwachen Dollar überwiegen. Mit 1,45 Dollar ist der mittelfristig prognostizierte Euro-Kurs allerdings kaum höher als der aktuelle. Auch Royal Bank of Scotland und Barclays Capital erwarten, dass sich die Dollar-Unterbewertung noch etwas verstärkt.

Morgan Stanley dagegen empfiehlt den Investoren, sich auf eine kräftige Dollar-Abwertung einzustellen. Zwar werde der Status der Weltreservewährung den Dollar vor einem Absturz bewahren, aber die hohe Schuldenaufnahme der US-Regierung in Verbindung mit der Unsicherheit über die weitere Politik der Fed treibe die Inflationsfurcht und belaste den Dollar.

Mit ihrer Meinung, dass die Schuldenaufnahme der US-Regierung den Dollar bald und nachhaltig unter Druck setzen wird, ist das Team von Morgan Stanley in einer Minderheitsposition. Paul Mackel von HSBC etwa weist darauf hin, dass die Problematik nicht auf die USA begrenzt sei. "Wenn die Inflation nach oben geht, dann wird sie überall nach oben gehen", sagt der Experte.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten: Welche Faktoren den Dollar-Kurs bestimmen:

Der Dollar als Leitwährung


US-Wirtschaft zieht Europa davon


US-Leistungsbilanz wird besser


Angst vor der großen Inflation


Fluchtgeld fließt ab


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