Urban Mining
Bodenschätze hinterm Reihenhaus

Abraumhalden, Deponien und sogar Häuser enthalten Rohstoffe. Ein Schatz, der sich über Jahrzehnte angesammelt hat, aber noch nicht gehoben wurde. Sollten die Rohstoffpreise wieder steigen, könnte sich das rasch ändern.

DüsseldorfBergbau mitten in der Stadt – der Gedanke ist erschreckend. Tatsächlich aber sind die Grundlagen dafür schon vor Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten, gelegt worden. Abraumhalden, Deponien und selbst Gebäude enthalten Rohstoffe, die zurückgewonnen werden können. Dazu gehören vor allem Metalle wie Kupfer oder Aluminium, aber auch Spezialmetalle wie die Seltenen Erden, die unter anderem für Elektronikprodukte unabdingbar sind.

„Unsere Städte sind gigantische Rohstoffminen“, beschreibt der Verband der deutschen Metallhändler (VDM) das Potenzial, das sich in den Städten verbirgt. Der Weg dazu ist das Urban Mining, also die Betrachtung der Stadt als Rohstoffmine.

Laut VDM ist dies ein Konzept zur Erschließung städtischer Vorkommen und zur Förderung der darin verborgenen Rohstoffe. Das betrifft alte Gebäude ebenso wie Leitungen, Autos oder Deponien. Ob und wann das Konzept umgesetzt wird, ist zum einen eine Frage der Technologien, zum anderen der Kosten.

„Die Kosten sind heute noch zu hoch, um die Halden zu durchforsten“, räumt Thomas Reuther, Präsident des Vereins Deutscher Metallhändler (VDM) ein. Dennoch werden die Technologien weiter entwickelt. Der Start werde dann erfolgen, wenn Müll auch wirtschaftlich sinnvoll aufgearbeitet werden kann, ist Reuther sicher.

Neue Recyclingtechnologien für strategische Hightech-Metalle sowie weitere Ergebnisse aus 27 Forschungs- und Entwicklungsprojekten werden beispielsweise ab dem heutigen Dienstag im Rahmen des zweitägigen Forums für Nachhaltigkeit des Bildungsministeriums (BMBF) präsentiert.

Das „Recyclingpotenzial von Technologiemetallen und anderen kritischen Rohstoffen“ stellt zudem am 21. September das Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Berlin vor.

Insgesamt gibt es nach Angaben des Instituts in Deutschland 250 Halden, in denen metallische Rohstoffe lagern. Darin sind geschätzt insgesamt 3,4 Millionen Tonnen Buntmetalle enthalten, die mit den vorhandenen technischen Möglichkeiten potenziell gewonnen werden könnten.

Ein Beispiel dafür sind die Bergbauhalden im Erzgebirge, in denen noch Zinn zu finden ist. In anderen sächsischen Halden, etwa der Davidschachthalde in Freiberg, lagern noch Kupfer, Zinn, Blei und Indium. Letzteres wird unter anderem in Touchscreens verarbeitet.

„Auch Schrotte sind Rohstoffe“, unterstreicht Reuther, der auch Vorstandsmitglied der Trimet Aluminium SE in Essen ist. Diese würden beispielsweise bei Autos oder Dosen schon zu 95 Prozent recycelt. Bei Aluminium-Folien betrage die Quote aber lediglich 60 Prozent. Die Folien werden beispielsweise für Medizinverpackungen eingesetzt. „Da gibt es ein riesiges Potenzial, das noch gehoben werden kann“, sagt Reuther.

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Achterbahnfahrt der Rohstoffpreise

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