US-Chefökonom warnt vor höherer Mehrwertsteuer
Goldman-Sachs: Dollar fällt bis Ende 2006 auf 1,30 zum Euro

Die US-Investmentbank Goldman-Sachs erwartet eine Stärkung des Euro im nächsten Jahr. US-Chefökonom Jan Hatzius sagte der WirtschaftsWoche: "Die Anpassung an den Devisenmärkten wird graduell verlaufen. Wir sehen auf Sicht von zwölf Monaten eine Abwertung des Dollar auf 1,30 zum Euro."

DÜSSELDORF. Grund für die Dollar-Schwäche seien die erwartete Abkühlung der US-Wirtschaft und das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA. Hatzius: "Langfristig ist ein derart hohes Defizit nicht tragbar. Doch solange das Ausland bereit ist, das Loch in der US-Leistungsbilanz durch hohe Kapitalzuflüsse zu finanzieren, ist keine Korrektur in Sicht." Die Zinserhöhungen der US-Notenbank zeigen nach Ansicht von Hatzius bereits erste Bremsspuren am Immobilienmarkt. Stagnierende oder gar sinkende Häuserpreise dürften die Konsumnachfrage in den USA bald dämpfen. Da die USA der Weltwirtschaft dann weniger Impulse geben wird, müssten die Regierungen in Europa die Binnennachfrage stärken.

Die neue Bundesregierung warnt der Goldman-Sachs-Ökonom daher vor einer Konsolidierung des Staatshaushalts über Steuererhöhungen. "Es gibt wohl derzeit keine andere Volkswirtschaft der Welt, wo der Kontrast zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmenssektors und der Entwicklung der privaten Haushalte so ausgeprägt ist wie in Deutschland. Die entscheidende Frage ist: Wie lange dauert es, bis sich die Verbesserungen im Unternehmenssektor in einer stärkeren Binnenwirtschaft niederschlagen? Ich würde der deutschen Finanzpolitik daher empfehlen, ihren Beitrag dazu zu leisten, dass die heimische Nachfrage mit der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen Schritt halten kann."

Hatzius empfiehlt der Bundesregierung zwar, den Arbeitsmarkt zu deregulieren. Gleichzeitig aber sollten Finanz- und Geldpolitik die Nachfrage stärken, um die mit den Reformen verbundenen sozialen Härten abzufedern. "Eine durchgreifende Deregulierung des deutschen Arbeitsmarktes ist notwendig, um vorhandene Beschäftigungspotenziale besser zu nutzen. Aber darüber sollte man die Nachfrageseite nicht vergessen. Der Strukturwandel lässt sich so sozial leichter abfedern. Außerdem erhöht es dessen gesellschaftliche Akzeptanz, wenn der Staat zugleich mit der Finanz- und Geldpolitik konjunkturpolitisch ein bisschen mehr aufs Gaspedal tritt." Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer sei deshalb falsch. Hatzius: "Die Regierung sollte noch einmal intensiv darüber nachdenken, ob die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Punkte konjunkturpolitisch wirklich ins Bild passt."

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