US-Defizit schwächt Dollar: Experten erwarten stärkeren Euro

US-Defizit schwächt Dollar
Experten erwarten stärkeren Euro

Der Euro auf dem Weg zum Rekordhoch: 2007 wird ein bereinigtes Bild der Kursentwicklung angenommen und somit Kursspitzen von bis zu 1,34 Dollar. Mit Spannung werden daher die heutige Sitzung der Europäischen Zentralbank und besonders das G7-Treffen am Freitag erwartet.

DÜSSELDORF. Kurz vor dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der sieben größten Industrieländer verharrt der Euro bei rund 1,30 Dollar. Experten hegen indes wenig Zweifel, dass er gegenüber dem Dollar wieder zulegen wird. Fraglich sei nur, was den Kursanstieg auslösen werde. Das G7-Treffen am Freitag könnte solch einen Auslöser bieten; eher noch als die heutige Sitzung der EZB, von der keine Zinsänderung erwartet wird.

Der Euro hatte sich bereits Mitte November auf den Weg nach oben gemacht. Nach einer regelrechten Rally war der Kurs bis auf rund 1,34 Dollar gestiegen. Doch seit Jahresbeginn pendelt er nun um 1,30 Dollar. Ausschläge in die eine oder andere Richtung werden in erster Linie von den Zinserwartungen der Marktteilnehmer und der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA ausgelöst. Die Zinsdifferenz zwischen Dollar-Raum und Euro-Zone hat bisher den Dollar gestützt.

„Die Charts spiegeln zurzeit ein falsches Bild wider“, warnt Thomas Stolper, Währungsexperte bei Goldman Sachs in London. „Wir befinden uns schon seit 2001 in einer strukturellen Aufwärtsbewegung“, sagt er. Diese sei aber im Jahr 2005 durch Kapitalrückflüsse in die USA auf Grund des „Homeland Investment Act“ unterbrochen worden. Im Ausland erzielte Unternehmensgewinne waren 2005 bei einer Rückführung in die USA nur mit 5,25 statt 35 Prozent versteuert worden. Dies hatte starke Kapitalrückflüsse ausgelöst, die den Dollar stärkten.

„Seit diese Kapitalflüsse aus dem Markt sind, sind wir wieder in der normalen Aufwärtsbewegung, die wir schon von 2001 bis 2004 gesehen haben“, sagt Stolper. Der Grund dafür liege in dem hohen US-Leistungsbilanzdefizit. Jeden Monat importieren die Amerikaner aus der Euro-Zone mehr als die Europäer an Investitionen in den USA tätigen. Es findet also eine Art Nettoverkauf von Dollar gegen Euro statt. Zusätzlich kauften Zentralbanken aus Asien und dem Nahen Osten Euro. „Dies reicht aus, um eine strukturelle Euro-Nachfrage zu rechtfertigen“, so Stolper.

Auch die DZ-Bank hat das US-Zwillingsdefizit im Blick. Zusammen mit einer näher rückenden US-Zinssenkung bei zeitgleicher Zinsanhebung durch die EZB spreche dies vor allem im Sommer für den Euro. „Ein Test des Allzeit-Hochs bei 1,3667 Dollar steht dann auf der Agenda“, glauben die Währungsexperten der Bank. Auf Sicht eines Jahres könne der Euro dann aber erneut auf 1,34 Dollar zurückfallen.

Das Leistungsbilanzdefizit hat den Kurs des Dollars schon früher belastet. Aktuell wird das Problem an den Märkten aber kaum diskutiert. Jens-Uwe Wächter, Volkswirt der Deka-Bank, erklärt dies mit den starken Kapitalzuflüssen in die USA. „Weil die Kapitalzuflüsse in Form von Wertpapierkäufen der Ausländer ausreichen, um das Leistungsbilanzdefizit abzudecken, wird dies an den Märkten zurzeit nicht als Problem gesehen“. Doch das kann sich auch wieder ändern. „Längerfristig ist das Leistungsbilanzdefizit sicher ein Faktor, der an den Märkten eher Dollar-negativ gespielt wird“, sagt er.

„Der Markt ist zurzeit nicht bereit, eine klare Position zu beziehen“, bezieht Michael Klawitter, Währungsstratege bei Dresdner Kleinwort, dagegen Position. Zur Stabilisierung des Kurses um 1,30 Dollar trügen auch die Zentralbanken bei; sie kauften Euro bei einem Niveau von 1,29 Dollar. Im übrigen warteten die Investoren ab, bis es zum Ausbruch aus der Kursrange komme. „Das entscheidend dann über den Trend der nächsten Monate“, glaubt Klawitter.

Anders als Klawitter und Stolper ist Wächter verhalten optimistisch für den Euro. Er rechnet für 2007 mit einer Seitwärtsbewegung. „Die konjunkturelle Schwäche in den USA dürfte weitgehend vorbei sein“, begründet er die Prognose, andererseits „wächst auch Euro-Land weiter sehr gut“. „Die guten Nachrichten sind in beiden Regionen voll eingepreist“, hält Stolper dagegen. Wegen des „reiferen Konjunkturzyklus“ liege das Risiko einer Abschwächung in den USA. In zwölf Monaten sieht Goldman Sachs den Euro bei 1,37 Dollar. Die Dresdner-Experten sind skeptisch für die US-Konjunktur. Ende März sehen sie den Euro bei 1,35 Dollar und Ende 2007 bei 1,46 Dollar.

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