US-Geldpolitik
In Ben we trust

US-Notenbankchef Ben Bernanke kennt im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise keine Tabus mehr. Den Märkten verschlägt es den Atem – denn die Risiken dieser Strategie sind enorm.

FRANKFURT. Die US-Notenbank hat wieder einmal gezeigt, wer die Märkte bewegt. Die große Frage lautet nun: Was ist der Preis für die massive Krisenbekämpfung? Welche Risiken und Nebenwirkungen birgt das Anwerfen der Notenpresse? Das erste Opfer war der Dollar. Dessen Kurs sank an einem Tag so stark sank wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Devisenanalysten erwarten mehrheitlich, dass die Ankündigung der Federal Reserve, in großem Umfang Staatsanleihen und andere Wertpapiere zu kaufen, den Dollar nachhaltig drücken wird. Die Analysten von Goldman Sachs, die ohnehin einen sinkenden Dollar-Kurs erwartet hatten, erhöhten umgehend ihr Kursziel für den Euro auf 1,40 Dollar. Auch die Experten der Citigroup rechnen mit fortgesetzten Kursverlusten des Dollars.

Allein seit der Ankündigung der Fed am Mittwochabend stieg der Euro binnen 24 Stunden um fast sechs Cent auf knapp unter 1,37 Dollar. In den letzten zwei Wochen legte der Euro damit über zehn Cent zu.

Die Dollar-Abschwächung erstreckt sich auf fast alle wichtigen Währungen. Der handelsgewichtete Dollar-Kurs, in den verschiedene Währungen im Verhältnis zu ihrer Handelsverflechtung zu den USA eingehen, fiel um knapp drei Prozent. Das ist laut Nachrichtenagentur Bloomberg der schärfste Rückgang innerhalb eines Tages seit 1971.

Der Dollar hatte seine lange Schwächephase vor knapp einem Jahr unterbrochen, weil die Finanzmarktturbulenzen dazu geführt hatten, dass amerikanische Anleger sich aus vermeintlich riskanten ausländischen Engagements zurückzogen und ausländische Investoren in die als besonders sicher und liquide geltenden US-Staatsanleihen flüchteten. Dass der Dollar nun wieder einen so starken Schwächeanfall hat, liegt nach Analystenansicht an der extremen Ausweitung der Zinsdifferenz zwischen den USA und anderen Ländern an nur einem Tag. Während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um fast ein halbes Prozent nachgab, war es bei deutschen Papieren gleicher Laufzeit weniger als ein fünftel Prozent, bei den meisten anderen Ländern noch weniger. Dadurch wurde die Geldanlage am amerikanischen Kapitalmarkt im Vergleich zu anderen Ländern deutlich unattraktiver, was die Dollar-Nachfrage drückt und die US-Währung schwächt.

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