US-Notenbank
Regeln für Rohstoff-Handel der Banken erarbeitet

Offenbar hat die US-Notenbank erste Vorschläge zur Beschneidung der Bankrechte im Handel mit Rohstoffen erarbeitet. Der Vorwurf an die Banken: Sie treiben die Preise in die Höhe und gefährden so das gesamte Finanzsystem.
  • 0

New York/ WashingtonDie US-Notenbank hat offenbar erste konkrete Vorschläge zur Beschneidung der Rechte von Banken im direkten Handel mit Rohstoffen erarbeitet. Die Federal Reserve wollte dazu noch am Dienstag Details zu geplanten Regeländerungen bekanntgeben und Politik sowie Unternehmen um Stellungnahmen bitten, wie mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Am Mittwoch findet dann im Bankenausschuss des Senats eine zweite Anhörung zu dem Thema statt. Kritiker werfen den Banken vor, mit ihren Geschäften die Preise in die Höhe zu treiben und das gesamte Finanzsystem zu gefährden. Zudem wird das Recht der Geldhäuser hinterfragt, Öltanker und Metalllager zu besitzen und zugleich mit Rohstoffen direkt zu handeln und nicht nur am Derivate-Markt.

Konkrete Pläne der Fed wurden zunächst nicht bekannt. Üblicherweise gibt es 60 bis 90 Tage Zeit, auf die Pläne der Notenbank für ein neues Regelwerk zu reagieren. Einige Großbanken haben sich in Erwartung strengerer Auflagen bereits von Teilen ihres Rohstoff-Geschäfts getrennt.

Bereits im Sommer hatte die Fed angekündigt, den direkten Rohstoff-Handel der Finanzinstitute stärker unter die Lupe zu nehmen - ins Visier gerieten dabei Wall-Street-Schwergewichte wie Goldman Sachs und JPMorgan Chase. Die Basis für deren Geschäft mit Rohstoffen hatte die Notenbank erst 2003 gelegt, als sie einigen Banken Engagements in diesem Sektor erlaubte. Bereits 1999 wurde Finanzinstituten die Möglichkeit eingeräumt, Metall-Lager und Ölpipelines zu besitzen.

Einige betroffene Banken haben ihre Aktivitäten in dem sogenannten Geschäft mit physischen Rohstoffen bereits in Erwartung einer strikteren Regulierung stark zurückgefahren oder abgestoßen: So hat Morgan Stanley sein Ölhandelsgeschäft an den russischen Staatskonzern Rosneft verkauft. Auch die Deutsche Bank steigt gerade aus dem Geschäft aus. Dieser Handelsbereich hat insgesamt an Attraktivität für die Banken verloren: Die Margen werden geringer, und der Handel bindet viel Kapital. Erst im Sommer hatte JPMorgan seine Sparte zum Verkauf gestellt. Im Streit über Manipulationen am Energiemarkt schloss die Großbank im Sommer zudem einen Vergleich mit den US-Behörden. Die Energieaufsicht FERC stellt gegen die Zahlung von 410 Millionen Dollar ihre Untersuchung ein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " US-Notenbank: Regeln für Rohstoff-Handel der Banken erarbeitet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%