US-Raffinerien sind auf Schweröl angewiesen
Venezuela bewegt die Märkte

Die Weltölmärkte und vor allem die US-Regierung haben den Verlauf des Referendums über Präsident Hugo Chávez in Venezuela genau verfolgt. Das lateinamerikanische Land ist weltweit der fünftgrößte Ölexporteur, entsprechend ist in der aktuell angespannten Versorgungslage seine Bedeutung für die Ölmärkte.

SÃO PAULO. Die Marktteilnehmer erinnern sich noch gut an den zweimonatigen Streik Ende 2002; damals kamen die Ölexporte des Landes zum Erliegen. Doch selbst ohne solche Horrorszenarien eilen die Ölpreise zurzeit von Rekord zu Rekord.

Getrieben werden die Preise durch eine ungebrochen hohe Nachfrage aus den USA und aus China ebenso wie durch den wachsenden Ölbedarf auf Grund der weltweiten Konjunkturerholung. Doch auf der Angebotsseite sind die Kapazitäten auf kurze Sicht nahezu erschöpft. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) fördert mit 30 Millionen Barrel (159 Liter) am Tag so viel wie seit 25 Jahren nicht mehr. Die Versorgungsängste werden durch mögliche Ausfälle des russischen Ölriesen Yukos oder durch Terroranschläge im Irak verstärkt.

Die Abstimmung in Venezuela hat vor diesem Hintergrund erheblich an Bedeutung – besonders für die USA – gewonnen. Das lässt sich nicht auf den ersten Blick erkennen: Denn aus Venezuela kommen nur rund 14 Prozent der gesamten US-Ölimporte. Der Karibikstaat liefert damit weniger Öl in die USA als etwa Mexiko, Kanada oder Saudi-Arabien. Nimmt man jedoch Ölderivate dazu, steht Venezuela für die USA als Lieferant auf Platz drei. Zusammen mit Mexiko liefert das südamerikanische Land 90 Prozent des gesamten Schweröls, das die USA zukaufen. Da die US-Raffinerien am Golf von Mexiko auf diese Ölsorte eingestellt sind, kann sie auch nicht ohne weiteres gegen leichtere Sorten ausgetauscht werden.

Doch Venezuelas Einfluss auf den US-Energiemarkt reicht noch weiter: Mit Citgo besitzt Venezuela eines der größten Tankstellennetze in Nordamerika. Ein Stopp der Benzinlieferungen würde die Autofahrer in den USA treffen. „US-Präsident George W. Bush weiß, dass er wenig Chancen hat, die Wahlen zu gewinnen, wenn der Ölpreis zwei Dollar die Gallone erreicht“, sagt der Lateinamerika-Experte Andres Oppenheimer vom „Miami Herald“. Schon häufiger hat Chávez gedroht, „nicht einen Tropfen Öl“ mehr in die USA zu liefern – worauf jedes Mal die Ölpreise anstiegen. „Hugo Chávez stellt eine größere Bedrohung für unsere Energieversorgung dar, als es Saddam Hussein je war“, fürchtet der Energieexperte Michael Economides, Professor an der Universität in Houston.

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