US-Raffinerien sind in großer Sorge
Krise in Venezuela lässt Ölpreis weiter steigen

Die zugespitzte politische Lage im Förderland Venezuela und die bevorstehende Produktionsdrosselung des Ölkartells Opec haben die Ölpreise am Freitag auf ein Ein-Jahres-Hoch getrieben. In den USA trafen die Raffinerien bereits Vorbereitungen auf Lieferunterbrechungen aus Venezuela, obwohl das Land versicherte, dass es dazu nicht kommen wird. Die Regierung in Washington äußerte sich „extrem besorgt“ über die kräftig anziehenden Benzinpreise.

som/Bloomberg LONDON. Der Preis für ein Barrel Brent- Nordseeöl stieg auf rund 34,50 Dollar. In New York kletterte der Ölpreis erstmals seit März vergangenen Jahres über 37 Dollar. Grund sind Befürchtungen, dass die Unruhen in Venezuela die Öllieferungen in die USA vor der Hauptreisezeit im Sommer unterbrechen werden. Am Donnerstag war der Uno-Botschafter Venezuelas, Milos Alcalay, überraschend zurückgetreten. Er hatte Präsident Hugo Chavez vorgeworfen, die Menschenrechte nicht zu verteidigen und die demokratischen Prinzipien nicht zu unterstützen.

„Die Benzinversorgung in den USA sieht gefährlich niedrig aus“, sagte Rob Laughlin, Associate Director bei der Londoner Futures- Börse GNI. „Wenn die Lieferungen aus Venezuela unterbrochen werden sollten, besteht die Gefahr, dass die US-Raffinerien der Nachfrage in diesem Sommer nicht nachkommen können.“

Seit Jahresbeginn hat sich Öl um zehn Prozent verteuert, angetrieben von der Meldung, dass die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) die Förderung ab April um eine Million Barrel pro Tag drosseln will. Damit will das Ölkartell einem möglichen Preisrutsch im zweiten Quartal zuvorkommen, wenn die Nachfrage gewöhnlich sinkt. „Wenn sich die Opec an die Drosselung hält, obwohl das Angebot sowieso knapp ist, dürfte der Preis richtig nach oben gehen“, sagte Laughlin. „Der Markt ist wirklich nervös und viel braucht es nicht, um den Preis nach oben zu treiben.“

Chavez hatte gedroht, seine Regierung werde alle Öllieferungen in die USA stoppen, sollten diese eine Blockade Venezuelas oder eine Invasion versuchen. Im Dezember 2002 und Januar 2003 hatten Streikende, die eine Absetzung von Chavez forderten, die Ölindustrie Venezuelas zum Erliegen gebracht. US-Importeure waren dadurch gezwungen, sich nach Alternativen umzusehen.

„Die Raffinerien sind besorgt, dass wieder die Probleme des vergangenen Jahres auf sie zukommen", sagte Dave Thomas von Commerzbank Securities, „die Lieferungen aus Venezuela in die USA waren unterbrochen, und wenn das dieses Jahr wieder passiert, werden Höchstpreise für Rohöl und Benzin angesichts der niedrigen Lagerbestände unvermeidlich sein.“

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