Verblasster Glanz
Silberpreis setzt seine Talfahrt fort

Auf die heiße Rally folgt die Korrektur: Seit dem Allzeithoch in der vergangenen Woche ist der Silberpreis um zwölf Prozent abgestürzt. Und Analysten halten das Edelmetall immer noch für viel zu teuer.
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FrankfurtNach dem Kurssturz zu Wochenbeginn ist der Silberpreis am Dienstag weiter abgerutscht. Am Nachmittag lag der Preis für die Feinunze bei rund 43,50 Dollar - ein Minus von erneut mehr als fünf Prozent gegenüber dem Vortag. Experten rechnen angesichts der zunehmenden Schwankungen mit einem noch stärkeren Rückschlag für Silber, das sich im laufenden Jahr in der Spitze um mehr als 60 Prozent verteuert hat. Luft aus der von Analysten ausgemachten Spekulationsblase ließ zuletzt die US-Warenterminbörse Comex - sie verteuerte den Handel mit Silber-Derivaten. Nun müssen für den Kauf eines einzigen Silber-Future, der für 5.000 Feinzunzen des Edelmetalls im Wert von etwa 220.000 Dollar steht, 12.000 Dollar als Sicherheitsleistung hinterlegt werden. Dies sind rund 50 Prozent mehr als noch vor Wochenfrist.

„Das hat die Anleger auf dem falschen Fuß erwischt“, sagt Analyst Daniel Briesemann von der Commerzbank. Als Reaktion auf die Margen-Anhebung war der Silber-Preis am Montag in der Spitze um elf Prozent eingebrochen. Dies war das größte Tagesminus seit den Turbulenzen rund um die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. In der Vorwoche war der Preis auf bis zu 49,51 Dollar gestiegen - den höchsten Stand seit 1980.

LBBW-Rohstoffexperte Thorsten Proettel hält Silber trotz des jüngsten Preisrutsches immer noch für überteuert. „Fundamental betrachtet müsste Silber rund zehn Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) billiger sein.“ Die Nachfrage aus der Solar- und der Unterhaltungselektronik-Industrie sowie nach Barren und Münzen nehme zwar zu, die Rally der vergangenen Monate sei aber eindeutig eine spekulative Überhitzung.

„Eigentlich sieht die Angebotsseite bei Silber gut aus“, sagt DZ-Bank-Analyst Gabor Vogel. Es werde derzeit mehr Edelmetall gefördert, als tatsächlich verbraucht werde. Dieser Überschuss werde allerdings von börsennotierten Edelmetall-Fonds (ETFs) abgegriffen, da für jeden verkauften Fonds-Anteil eine bestimmte Menge Silber aufgekauft und eingelagert werden muss. „So entsteht eine gefühlte Knappheit“, betont Vogel.

Die Bestände des weltgrößten Silber-ETF, dem iShares Silver Trust, eilten in den vergangenen Monaten von Rekord zu Rekord und liegen derzeit mit 354,1 Millionen Feinunzen nur knapp unter dem bisherigen Höchststand von 366,2 Millionen Feinunzen.

DZ-Bank-Experte Vogel sieht Silber bei einem Kurs von 35 bis 38 Dollar fair bewertet. „Dahin sollte sich der Preis in den nächsten sechs bis acht Wochen auch hinbewegen. Nach der jüngsten Rally ist eine gesunde Korrektur bitter nötig.“

Silber hat in den vergangenen Monaten einen beeindruckenden Höhenflug hingelegt: Nach dem rund 80-prozentigen Kursplus des Vorjahres kamen seit Anfang 2011 noch einmal rund 60 Prozent hinzu. Inflationsbereinigt ist das Edelmetall von seinem Rekordstand aus dem Jahr 1980 aber noch weit entfernt. Zu heutigen Preisen läge diese Marke bei etwa 130 bis 140 Dollar.

 

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Diese "Korrektur" wurde eindeutig durch drei Margin-Erhöhungen der Crimex innerhalb von nur 6 Handelstagen herbei manipuliert. An der fundamentalen Bewertung der/des Weltwirtschaft/Weltfinanzsystems hat sich nichts, aber auch überhaupt nichts zum besseren geändert. Die westlichen Industriestaaten sind bilanziell allesamt hoffnungslos überschuldet u. tragen ihren Bankrott von Tag zu Tag vor sich her. Wie weit müssen die großen Bullionbanken JPM u. HSBC heruntergekommen sein, damit die Börsenaufsicht den Silberpreis nach unten manipuliert? Für uns physischen Anleger heißt es nun nur noch abwarten bis morgen früh, wenn auch die Asiaten "korrigieren" um dann wieder einmal nach zukaufen ;-). Viel billiger kann man dieses Metall eh nicht mehr kriegen. Die Kommentare von diversen "Analysten" kann man sich schenken, die lagen in den vergangenen Jahren bis auf sehr wenige Ausnahmen voll daneben u. hätten eigentlich längst ihren Arbeitsplatz für fähigeres (nicht willfährigeres) Personal räumen müssen!

  • Silber korrigiert für ein paar Tage wie zu Beginn des Jahres auch. Völlig normal. Eine parabolische Kurve in den Himmel war nicht zu erwarten. Soetwas gibt es nur im Märchen vom Silberwald.

  • Ich weiß gar nicht, warum hierin ein Problem gesehen wird.

    Wartet doch ab, wohin Silber, als eventl. auch Gold noch fallen und kauft dann günstig ein.
    Ist doch allemal besser, als ständig bei "Höchstwerten" zu kaufen.

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