Verknappung
Der Ölpreis nimmt wieder Kurs auf 80 Dollar

Der Ölbestand sinkt, der Preis steigt. Jetzt verteuerte sich die US-Richtsorte WTI auf knapp 80 Dollar. Ein unerwartet starker Rückgang der Lagerbestände lässt die Notierungen in die Höhe schnellen. Warum das Ölkartell Opec dennoch die Erwartungen der Märkte bremst.
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DÜSSELDORF. Ein starker Rückgang der amerikanischen Ölbestände hat den Rohölpreisen Auftrieb gegeben. Angesichts der niedrigen Bestände verteuerte sich die US-Richtsorte WTI wieder auf knapp 80 Dollar je Barrel (159 Liter). Das europäische Brentöl notiert am Spotmarkt bei rund 78,50 Dollar.

Der US-Branchenverband American Petroleum Institute (API) hatte am späten Dienstag einen unerwartet starken Rückgang der Rohöllagerbestände um 4,4 Mio. Barrel gemeldet. Der Interessenverband der Öl- und Gasindustrie begründete dies vor allem mit sturmbedingten Unterbrechungen der Förderung im Golf von Mexiko. Wegen des Hurrikans Ida musste dort vor gut einer Woche die Produktion zum Teil unterbrochen werden. Auch das US-Energieministerium (EIA) berichtete gestern von einem Bestandsrückgang.

Die Rohölpreise haben sich seit Jahresbeginn mit 80 Dollar nahezu verdoppelt. Ein Niveau, mit dem auch die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) nach eigenem Bekunden recht gut leben kann. Das Kartell ist "zufrieden" mit Ölpreisen in einer Bandbreite von 75 bis 78 Dollar je Barrel, sagte der amtierende Opec-Präsident Jose Maria Botelho de Vasconcelos. Er ist auch der angolanische Ölminister.

Gleichzeitig bremste Vasconcelos allerdings erste Spekulationen an den Märkten, dass die Opec auf ihrem Treffen am 22. Dezember in Luanda, Angola, ihre Förderung ausweiten könnte. Es gebe "ein gewisses Überangebot", sagte der Opec-Präsident. Auch der kuwaitische Ölminister, Scheich Ahmed al-Abdullah al-Sabah, signalisierte eine unveränderte Förderung. Das Ölkartell, das für gut 40 Prozent des Weltölangebots steht, hatte 2008 wegen des Preiseinbruches seine Förderung schrittweise um mehr als vier Mio. Barrel gekürzt.

Noch konkreter wurde Ali Rodriguez, der Ölminister Venezuelas. Die Opec werde ihre Produktion vermutlich im nächsten Jahr anheben, sagte Rodriguez. Das hänge von der weltweiten wirtschaftlichen Erholung ab. "Ich bin nicht sehr besorgt wegen der weiteren Entwicklung am Ölmarkt", sagte der Minister. Die Wirtschaft wachse wieder weltweit.

Auch die Schweizer Großbank UBS blickt auf die wachsende Nachfrage, vor allem in China. Die Experten haben daher ihre Ölpreisprognose für dieses Jahr von 59,10 Dollar je Barrel auf 62,30 Dollar angehoben. Für die beiden nächsten Jahre erwarten die Experten einen weiteren Anstieg auf 75 (zuvor 70) bzw. 80 (71) Dollar.

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