Verschwörung oder Preiskampf? Kalter Krieg ums Öl

Der Ölpreis fällt und fällt – in wenigen Wochen um mehr als 20 Prozent. Steckt dahinter ein Komplott? Mancher vermutet geheime Absprachen zwischen Saudi-Arabien und den USA. Die Verlierer: Russland, Iran und Venezuela.
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Der Preis für Öl fällt - doch was steckt dahinter? Quelle: Getty Images

Der Preis für Öl fällt - doch was steckt dahinter?

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DüsseldorfDer Hinweis war dezent, doch die Botschaft hatte es in sich: Wir können gut mit einem niedrigeren Ölpreis leben, erklärten Vertreter des saudischen Ölministeriums gegenüber Investoren und Analysten. Selbst ein Ölpreis von 80 Dollar je Barrel sei für Saudi-Arabien erträglich. Obwohl die Gespräche am Wochenende hinter verschlossenen Türen stattfanden, blieb die Nachricht nicht lange geheim – und das war vermutlich genau so gedacht. Die Saudis wollen einen Preiskampf.

Dass eines der größten Förderländer niedrigere Preise akzeptieren und gleichzeitig die Produktion hochhalten will, sorgte für einen Schock am Ölmarkt; zumal sich Kuwait und Irak anschließend ähnlich äußerten. Die meisten Beobachter hatten erwartet, das Erdölkartell Opec würde seine Förderung drosseln, nachdem der Ölpreis in den vergangenen Wochen bereits deutlich gefallen war. Im Sommer kostete ein Barrel der Sorte Brent noch 115 Dollar – aktuell sind es 82 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit vier Jahren.

Warum lassen die Saudis den Ölpreis freiwillig abstürzen? Dem Monatsbericht der Opec zufolge hat Saudi-Arabien seine Förderung im September sogar erhöht. Das Königreich fördert täglich rund 9,6 Millionen Barrel und ist damit der zweitgrößte Ölförderer der Welt, gleich hinter Russland und noch knapp vor den USA.

Der Preisverfall trifft alle Staaten, die vom Ölexport abhängig sind, vor allem aber Russland. Öl und Gas sind die wichtigsten Exportgüter – und machen etwa die Hälfte der Einnahmen des russischen Staates aus. Nach Schätzungen der russischen Sberbank braucht das Land einen Ölpreis von 104 Dollar, um im kommenden Jahr einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Bliebe der Ölpreis so niedrig wie jetzt, müsste Russland seine Ausgaben massiv kürzen, was wiederum die Konjunktur abwürgen dürfte.

Die russische Zentralbank soll einen Notfallplan vorbereiten. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte eine Notenbankerin mit den Worten, die Währungshüter arbeiteten an einem „Stress-Szenario“. Es sehe Notmaßnahmen für den Fall vor, dass der Ölpreis auf 60 Dollar pro Fass falle.

Erinnerungen an die 1980er-Jahre werden wach, als der niedrige Ölpreis den Niedergang der Sowjetunion beschleunigte. In Russland hegt daher mancher einen Verdacht: Der ehemalige russische Finanzminister Alexei Kudrin erklärte im russischen Staatsfernsehen, es könne „eine Art Übereinkunft“ zwischen den USA und den Ölstaaten des Nahen Ostens geben, wonach man die Produktion hoch und den Preis niedrig halten wolle. Noch deutlicher wurde Michail Leontjew, Sprecher der staatlichen Ölgesellschaft Rosneft: „Die Preise sind manipuliert“, sagte er in einem Radio-Interview. „Saudi-Arabien bietet große Rabatte auf Öl. Das ist politische Manipulation.“

Saudi-Arabien zielt auf einen anderen Konkurrenten
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43 Kommentare zu "Verschwörung oder Preiskampf?: Kalter Krieg ums Öl"

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  • Dass Sie dies so sehen, ist Ihre persönliche Sache. Aber Sie sollten den Gedankengang aus dem Grund zulassen, weil Sie fest davon ausgehen können, dass die Informationen, die die Öffentlichkeit sehen, aus einer Quelle kommen. Diese Quelle hat kein Interesse daran, dass Ihre Schlüsse gegen sie verwandt wird.

    Verschwörungstheorie hin, Verschwörungstheorie her.

    Sachlich kämpfen hier die USA und Russland um den Weltherrschaftsanspruch, der aus US-Seite lediglich noch aus dem USD als Rohstoffwährung hergeleitet wird. Dies haben die USA erkannt und wollen diese Karte ausspielen. Gelingt ihr dies, haben sie einen gewaltigen Hebel gegen das Rohstoffland Russland. Gelingt das nicht, fehlt den USA das Geld ihren gewaltigen Millitärapparat zu finanzieren.

    Es geht um hopp oder top.

  • Astreiner Beitrag.
    Die US-Ameriakner sind doch, wenn man internationale politische Geschehnisse richtig verfolgt und kritisch hinterfragt, der größte Schurkenstaat der Welt. Der Dollar muß weg. Nur weil man uns viele Wahrheiten nicht mitteilt muss alles andere nicht sofort eine Verschwörungstheorie sein.

  • @ volckerts:

    Das ist keineswegs einfach, Unterwanderung oder sonst von Ihnen Verbreitetes - das nennt man Politik.
    Herrjeh.

  • "Da ist eine Menge zu tun und die Gelegenheit günstig."

    Ja, wenn die Welt so einfach wäre...*g* Geheimilluminaten an den Schaltstellen zur Macht unterwandern alle Erdölförderer und Fracker um Saudi-Arabien in einen Handelskrieg mit Russland zu verwickeln *g*

    Wenn man so mächtig wäre, könnte man dann nicht einfach direkt den Nahen Osten unterwandern? Das wäre doch direkter und schneller zielführend, nicht? ;)

  • Zunächst treibt die Rezession weltweit den Ölpreis gen Süden.
    Dann hilft Fracking in Nordamerika, den Preis unten zu halten.
    Daneben brechen die alten Widersprüche in der OPEC erneut stärker auf, als bislang schon.
    Schließlich sollen globale Konflikte durch Hilfe per niederem Ölpreis entschieden werden, wie etwa Ukraine/Russland, Syrien/Kurdistan, das alte Ärgernis Venezuela natürlich und nicht zuletzt ein Neuarrangement im nahen und u.U. auch fernen Osten.
    Da ist eine Menge zu tun und die Gelegenheit günstig.

  • Nein, weder Verschwörung noch Preiskampf - schlicht und ergreifend Deflation in Reinkultur haben wir hier.
    Und nicht die russische sondern die amerikanische Wirtschaft wird gerade sukzessive erdrosselt: durch die Flucht in den USD (zu sehen u.a. am steigenden USDX), wie sie bei einem veritablen Deflationsschock erst einmal stattfindet.
    Das ist halt der Nachteil einer Weltreservewährung: bei Deflation killt die exorbitante Nachfrage danach die (Export-)Wirtschaft der Amis...

  • Haengt von der Lagerstaette ab, zwischen $60 -100 pro Barrel. Einigen kleineren Unternehmen wird die Puste ausgehen. Das Angebot wird fallen und die Preise werden sich stabilisieren. Das Oel in den Lagerstaetten der Saudis ist auch nicht unbegrenzt. Irgendwann wird sich das Angebot deswegen verknappen und die Preise wieder steigen und somit das Fracken wieder rentabel. Natuerlich ist kein Oelproduzent an langfristig niedrigen Preisen interessiert aber kruzfristig sind sie ein wirksames Mittel um der laestigen Konkurenz den Zufluss von Finanzmitteln abzugraben. In der Zwischenzeit wird es einige Sonderangenote bei Oel-Aktien geben, da heisst es dann zugreifen.
    Davon abgesehen glaube ich das die Saudis hier auch ihrem Erzfeind Iran eins auswischen wollen. Der Iran ist wesentlich mehr abhaengig von einem hohen Oelpreis als die Saudis, siehe Grafik.

  • Komisch, dass einige Leute sich für schlau halten, wenn sie hinter den Aussagen kluger Menschen zur Durchsetzung wirtschaftlicher und politischer Interessen "Verschwörungstheorien" vermuten. Natürlich stecken hinter dem fallenden Ölpreis wirtschaftliche und politische Interessen. Welche das sind, wird man sicherlich nicht im HB erfahren.
    Natürlich werden die Ausweitungen der Förderung in den USA für Öl exportierende Länder lästig sein. Dies sind aber auch erneuerbare Energien, Fahr- und Flugzeuge mit effizienten Antrieben und nicht zu vergessen: Omas Wollpullover ;-)

  • Na eben nicht.
    Ich versuche die ganze zeit schon deutlich zu machen, dass es solch einen Kipppunkt eben nicht gibt. Ein niedriger Ölpreis wird sicherlich der unkonventionellen Förderung zu schaffen machen, aber eben auch zu weiteren Innovationen führen. Das war beim Erdgas ja nicht anders. Da ist die "Blase" ja auch nciht "geplatzt". Wenn die Saudis 2 Jahre bei 75 Dollar durchhalten ist das doch schön für die Saudis. Aber eine Garantie, dass dadurch nicht mehr Gefrackt wird ist das nicht. Die Frage hierbei ist schlicht wie tief muss der Preis sinken, dass sich das unkonventiopnelle Öl nicht mehr lohnt. Und das zu beantworten kann man kaum. Zumal noch die Politik mitmischt., denn die USA werden Ihre Chance auf Unabhängigkeit auch politisch verteidigen.

  • Ausserdem ging es bis grade nicht um die Benzinpreise, aber netter Trollversuch. Beinahe hätten Sie mich gehabt.

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