Versorgungsengpässe drohen
Die Welt braucht mehr Getreide

Die Preise für Agrarrohstoffe haben sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Die Folge sind Preissteigerungen bei Lebensmitteln - das alamiert die Politiker. Sie haben sich jüngst bei den WTO-Verhandlungen in Genf auch mit der Gefahr von dadurch ausgelösten sozialen Spannungen in den Schwellenländern beschäftigt.

FRANKFURT. Weltbank-Präsident Robert B. Zoellick sprach zuletzt von sieben verlorenen Jahren im Kampf gegen den Hunger in der Welt. Viele Bürger in den westlichen Ländern seien eher um das Auffüllen ihrer Tanks mit Bioenergie besorgt – gleichzeitig kämpften mehr Menschen darum, ihren Hunger zu stillen. „Das Ganze wird jeden Tag schwieriger“, sagt Zoellick. Der zwischen Nahrungsmittel-, Futtermittel- und Energiewirtschaft tobende Kampf um Agrarrohstoffe kommt in steigenden Preisen an den Rohstoffbörsen zum Ausdruck.

In einer Zeit, in der die globalen Getreidebestände auf das niedrigste Niveau seit rund 30 Jahren geschrumpft sind und die Produktion von Biotreibstoffen einen nicht unerheblichen Teil des Angebots von Zucker, Mais, Raps, Sojabohnen, Palmöl und Weizen absorbiert, werden die Versäumnisse der Vergangenheit durch Rekordpreise von agrarischen Rohstoffen offenkundig. Politiker sprechen bereits von einer drohenden Nahrungsmittelkrise, weil zahlreiche Agrarproduzentenländer ihre Exporte beschränkt oder eingestellt haben.

Am Beispiel Chinas lässt sich die kritische Situation am einfachsten beschreiben. Denn das bevölkerungsreichste Land der Welt sieht sich immer stärker mit Risiken bei der Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln konfrontiert. Das Land, das 20 Prozent der Weltbevölkerung stellt, jedoch nur sieben Prozent der Anbauflächen besitzt, ist bei zahlreichen Rohstoffen während der vergangenen Jahre vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur geworden.Das Land sollte daher nach Ansicht von Analysten mehr für die Versorgungssicherheit seiner Bürger tun.

„Kurzfristig ist das Getreideangebot gesichert, doch dürfte sich langfristig Druck entwickeln", sagt Li Guoxiang vom Rural Development Institute in Peking, einer Forschungseinrichtung der chinesischen Regierung. Peter Labhart, Leiter des Bereichs Alternative Investment Products bei der Schweizer Bank Clariden Leu, sieht das Wohlstandswachstum in China und anderen Ländern der Region als einen wichtigen Grund für den Boom der Rohstoffe.

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