Versorgungslage bleibt angespannt – Brentöl hält sich knapp unter 50 Dollar
Strategen erwarten langfristig erneut anziehende Rohölpreise

Steigende Lagerbestände in den USA und eine etwas günstigere Nachfrageschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) haben den Preisanstieg an den internationalen Rohölmärkten gedämpft. Das für Europa maßgebliche Brentöl fiel zur Wochenmitte erstmals seit rund sechs Wochen unter 50 Dollar je Barrel (159 Liter). Noch Anfang April war Brentöl mit knapp über 57 Dollar so teuer wie niemals zuvor. Gestern stabilisierte sich der Preis bei gut 49,30 Dollar.

HB DÜSSELDORF/LONDON. Die Chancen auf einen weiteren Preisrückgang werden in Fachkreisen aber eher als gering eingeschätzt. „Kurzfristig deutet die Stimmung nach unten“, sagt Sandra Ebner, Ölexpertin der Deka Bank. Mittel- bis langfristig rechnet sie indes wieder mit anziehenden Preisen. Im Jahresdurchschnitt prognostiziert sie einen Brentölpreis von 51 Dollar.

Auch Goldman Sachs sieht keinen nachhaltigen Preisrückgang: „Wir glauben, dass der Ölpreis über eine längere Zeit stark bleibt.“ Dabei könnten die hohen Notierungen langfristig sogar dazu führen, dass der Energieverbrauch spürbar gesenkt wird, so die Analysten. Dadurch wiederum könnten neue Reservekapazitäten entstehen. Und nur wenn dies eintrete, würden die Preise wieder sinken. Erst vor kurzem haben die Analysten der US-Investmentbank ihre Preisprognose für 2005 und 2006 auf 50 bzw. 55 Dollar je Barrel nach oben gesetzt. Die Prognose betrifft die Preise der US-Richtmarke WTI, die in der Regel etwas höher als Brentöl notiert.

Ingrid Sternby von Barclays Capital könnte sich – ebenfalls kurzfristig – einen weiteren Rückgang des Ölpreises unter dem Druck „signifikanter Liquidationen“ von Spekulanten vorstellen. Dies betreffe insbesondere die Benzinkontrakte.

Bis zum vierten Quartal 2005 dürften die „Fundamentals“, das grundlegende Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, aber wieder den Markt bestimmen. Der Ölpreis könnte dann auf einen neuen historischen Höchststand steigen. Einen vorübergehenden Preisrückschlag erklärt die Analystin vor allem damit, dass die auf steigende Preise setzenden „Long“-Positionen am New Yorker Terminmarkt Ende vergangener Woche mit über 88 000 Kontrakten einen neuen Höchststand erreicht haben.

Auch Deka-Expertin Ebner hat die Spekulation an den Ölmärkten im Blick. Nach ihrer Einschätzung werden die Energiemärkte in den kommenden Monaten anfällig für Schwankungen bleiben. Ausgelöst durch spekulative Engagements seien durchaus Preisausschläge von fünf bis zehn Dollar möglich. Zweifel hegt sie an den jüngsten Nachfrageschätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA). Die Pariser Agentur hat das Wachstum des Weltölbedarfs um 50 000 auf 1,77 Mill. Barrel am Tag gesenkt. „Die IEA versuchte in ihrem Monatsbericht wieder einmal die Märkte zu beschwichtigen, nachdem sie noch vor genau einem Monat sehr explizit auf die Risiken von Kapazitätsengpässen hingewiesen hatte“, so die Analystin. Damit „verliert sie nach und nach ihre Glaubwürdigkeit“, sagt Ebner.

Stephen Lewis von Monuments Securities zeigt sich von der kleinen Nachfragerevision der Internationalen Energieagentur für 2005 um gerade 50 000 Barrel am Tag alles andere als beeindruckt. „Rohöl wird weiterhin knapp bleiben“. Die angespannte Versorgungslage werde noch für geraume Zeit einen soliden Unterbau für die hohen Preise bilden. Simon Wardell von Global Insight Inc. in London schlägt in die gleiche Kerbe: „Der Preis ist jetzt deshalb nicht stärker gefallen, weil der Markt sich bereits auf die Nachfragesituation in der zweiten Jahreshälfte einstellt“.

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