Verteilung auf mehr Lieferquellen gefordert
Experten erwarten höhere Erdgaspreise

Für die nächsten sechs Monate rechnen Experten mit einer weiteren Verteuerung von Erdgas in Deutschland. Dies ist das Ergebnis des jüngsten Energiemarktbarometers des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

jsn/rp DÜSSELDORF. Das ZEW befragt halbjährlich mehr als 200 Experten, unter anderem aus Energieversorgungs- und -handelsunternehmen. Für Kohle und Strom werden bislang noch stabile Preisentwicklungen unterstellt, auf Sicht von fünf Jahren wird allerdings bei auch bei diesen Energieträgern mit einer weiteren Verteuerung gerechnet.

Laut ZEW gehen beim Erdgas 65 Prozent der Experten von steigen-den Preisen in den nächsten sechs Monaten aus, 33 Prozent erwarten stagnierende Preise, und lediglich zwei Prozent meinen, dass die Preise sinken werden. Grundlage für diese Einschätzungen bilden in erster Linie die Bindung des Erdgaspreises an die Ölnotierungen.

Auch der internationale Handel mit Pipeline-gebundenem Gas und zunehmend auch mit verflüssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) wird nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) überdurchschnittlich wachsen. Die Pariser Agentur ist die energiepolitische Koordinationszentrale der Industrieländer. Laut IEA verlieren nationale Quellen – in den USA, in Großbritannien, den Niederlanden oder in Deutschland – immer mehr an Bedeutung. Der globale Nachfragewettbewerb um Gasbezüge aus Russland, Norwegen, Iran, der kaspischen Region oder dem Nahen wie Mittleren Osten werde dagegen immer intensiver.

Der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt weist darauf hin, dass die weltweiten Vorräte des Energieträgers Erdgas langfristig im Verhältnis zum Rohöl relativ günstig abschneiden. Er unterstellt dabei allerdings weitere große Fortschritte in der Exploration und Produktion von Erdgas.

Als problematisch wertet Schmitt die starke Konzentration der Importländer, darunter Deutschland, auf politische labile Anbieter. Die Importeure müssten ihre Diversifikationsanstrengungen noch intensivieren. So könnte etwa die Abhängigkeit von russischen Einfuhren nur dann begrenzt werden, wenn neben wachsenden Bezügen aus Norwegen auch die Quellen in Nordafrika und insbesondere im Mittleren Osten angezapft werden könnten.

Zu den potenziellen Lieferanten zählt – ungeachtet der aktuellen politischen Probleme – auch Iran. Bezüge aus Iran sind wirtschaftlich möglich und wurden bereits in den 70er-Jahren intensiv diskutiert. Die Option von iranischen Gaslieferungen stoße aber auf größte Bedenken der US-Regierung und scheide angesichts von Strom-, Wasser- oder Chemie-Engagements in den USA für deutsche Unternehmen wie Eon, RWE oder BASF/Wintershall wohl aus, sagt Schmitt.

Auf der anderen Seite dürften die Unternehmen nicht nur die Lieferantenseite im Auge behalten, meint der Energieexperte. Wichtig sei nun, dass die deutschen Gasversorger Kooperationen mit international führenden Energieunternehmen wie Exxon Mobil, Shell, BP oder Total suchten. Die deutschen Akteure besäßen die so genannten Downstream-Wege, das heißt die Transportinfrastruktur und die Kundenkontakte. Die Energiemultis seien im Upstream-Geschäft (Exploration und Produktion) und beim Aufbau von LNG-Versorgungsketten führend. Mit ihrer Hilfe könnten etwa durch Gas von den Anrainern am Persischen Golf die deutschen Bezugsquellen diversifiziert werden.

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