Vertrauensverlust
Anleger lassen den Dollar fallen

Der Greenback schwächelt - und wie. Die internationale Leitwährung steht derzeit massiv unter Druck. Im Vergleich zum Euro fällt der Kurs zusehends, Investoren reduzieren die Dollar-Anteile in ihren Devisenbeständen. Hintergrund sind Befürchtungen, dass die US-Notenbank bewusst auf Inflation setzt.

noh/Bloomberg FRANKFURT. Zunehmendes Misstrauen internationaler Investoren und Zentralbanken gegenüber dem Dollar hat den Euro am Morgen auf den höchsten Stand seit der Lehman-Pleite im September 2008 getrieben. Mit einem Höchstkurs von 1,4905 Dollar je Euro näherte er sich immer mehr der Marke von 1,50 Dollar. Auch Gold, beliebt als Fluchtwährung bei Anlegern, die hohe Inflation oder eine Abwertung der Leitwährung befürchten, stieg im frühen Handel auf ein weiteres Allzeithoch von 1 070,40 Dollar je Feinunze. Inflationsgeschützte US-Anleihen erleben derzeit ebenfalls eine starke Nachfrage.

Viele Anleger befürchten, Regierung und Notenbank in den USA könnten angesichts des riesigen Haushaltsdefizits und der schwachen Konjunktur der Versuchung erliegen, die Inflationsrate stärker ansteigen zu lassen und die Währung zu schwächen.

Die Deutsche Bank erwartet, dass die Euro-Stärke sich fortsetzt und die Einheitswährung bis zum Jahresende die Marke von 1,55 Dollar nehmen wird. Die Analysten des deutschen Marktführers sehen die Umschichtung von Devisenreserven als wichtigsten Treiber dieser Entwicklung. Die Erwartung, dass die Geldpolitik in den USA länger locker bleiben werde als in Europa, sowie die Größe des US-Haushaltsdefizits würden dafür sorgen, dass die Dollarschwäche auch im Jahr 2010 weitergehen werde. Im Fiskaljahr bis Ende September überstiegen die Ausgaben die Einnahmen um 1,4 Billionen Dollar. Seinen bisherigen Höchststand hatte der Euro im Jahr 2008 bei 1,60 Dollar je Euro erreicht.

Zentralbanken in aller Welt reduzieren den Dollar-Anteil ihrer Devisenbestände. Bisher werden diese zu rund zwei Dritteln in Dollar gehalten. Im zweiten Quartal steckten sie 63 Prozent des neu angesammelten Kapitals in Euro und Yen, wie aktuelle Zahlen von Barclays Capital zeigen. Einige große Zentralbanken, insbesondere China, die keine Angaben über die Zusammensetzung ihrer Reserven machen, sind in diesen Zahlen allerdings nicht enthalten. Die Entwicklung dürfte für den Druck auf die US-Währung wesentlich mit verantwortlich sein. "Bisher haben die Zentralbanken nur über Diversifizierung geredet, jetzt machen sie Ernst", sagt Steven Englander, der leitende Devisenstratege von Barclays für die USA.

Von April bis Juni, den Zeitraum, für den die neuesten Zahlen vorliegen, haben die Notenbanken der Welt ihre Devisenbestände um insgesamt umgerechnet 413 Mrd. Dollar auf 7,3 Billionen Dollar (5 Billionen Euro) erhöht. Die Reserven verzeichneten damit den stärksten Anstieg seit mindestens 2003.

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