Verzagte Anleger
Rohstoffpreise ziehen kaum an

Rom und Athen haben neue Regierungen - doch die Hoffnung auf ein Ende der Euro-Krise stützt die Rohstoffpreise kaum. Nur Metall konnte etwas zulegen. Öl und Gold drehen im Verlauf wieder ins Minus.
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FrankfurtAuch nach dem Politikwechsel in Rom und Athen haben die Anleger an den Rohstoffmärkten am Montag nur verzagt auf eine nachhaltige Beilegung der Euro-Schuldenkrise gesetzt. „Es ist gut, dass Italien und Griechenland ein politisches Vakuum vermieden haben. Aber wir müssen abwarten, ob die Übergangsregierungen auch funktionieren“, sagte Katsunori Kitakura, leitender Finanzmarktexperte bei Chuo Mitsui Trust Bank. So zogen die Preise für Öl und Gold nur kurzfristig etwas deutlicher an. Lediglich Kupfer behauptete sich bis zum späten Vormittag deutlich im Plus.

In Athen hatte der frühere EZB-Vizepräsident Lukas Papademos in der vorigen Woche die Regierungsgeschäfte übernommen. In Rom regiert seit dem Wochenende nicht mehr Silvio Berlusconi, sondern der frühere EU-Kommissar Mario Monti muss nun die von seinem Vorgänger versprochenen Reformen durchsetzen. An den Rohstoffmärkten hatte dies zunächst den Risikoappetit der Anleger angeregt. So waren die Preise für Öl und Gold um je rund ein halbes Prozent gestiegen, die für die Industriemetalle um bis zu mehr als drei Prozent.

Im Verlauf setzte aber doch Ernüchterung ein: „Es wird sehr schwer für Mario Monti, die notwendigen Sparmaßnahmen durchzusetzen und wirtschaftliches Wachstum anzustoßen“, schrieben die Analysten von RBS. Grund seien die starken Differenzen zwischen den politischen Parteien, die die neue Regierung stützen. Nach einer kurzen Atempause sei mit einer schnellen Verschlechterung der Lage und einer Ansteckung zu rechnen. „Wir betrachten Frankreich, Österreich und Belgien als am stärksten gefährdet“, schrieben die Analysten. An den Rohstoffmärkten fürchten die Anleger, dass die Konjunktur und damit die Nachfrage nach Rohstoffen gebremst wird.

Am späten Vormittag notierte ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent mit 114,16 Dollar und US-Leichtöl der Sorte WTI mit 98,73 Dollar nahezu unverändert. Gold verbilligte sich um 0,4 Prozent auf 1780 Dollar je Feinunze. In Euro gerechnet stieg der Preis leicht um 0,2 Prozent auf 1297 Euro je Feinunze. Der Kupferpreis zog dagegen um zwei Prozent auf 7803 Dollar je Tonne an. Händler erklärten, die Anleger honorierten, dass die japanische Wirtschaft sich von der Rezession infolge der Erdbebenkatastrophe im März deutlich erholt hat. Zudem sei in China das Kreditvolumen gestiegen. „Das zeigt, dass die Regierung flexibel ist und die Geldpolitik etwas lockert“, erklärte Yang Jun, Analyst bei China Futures Co. Auch die Preise für Zink und Nickel notierten mehr als ein Prozent höher.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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