Virtuelle Währung „Ethereum“
Das sind die neuen Bitcoins

Der neue Star der Fintech-Szene, Vitalik Buterin, hat eine Alternative zu Bitcoins entwickelt, die über reine Zahlungen und Buchhaltungsvorgänge hinaus gehen. Auch Energieversorger wie RWE sind an der Technik interessiert.

New YorkIn Russland geboren, in Kanada aufgewachsen, offiziell wohnhaft im Schweizer Kanton Zug, zu Hause in der grenzenlosen digitalen Welt: Der 22-jährige Vitalik Buterin ist der neue Star der Fintech-Szene. Nach einem abgebrochenen Studium schrieb er zunächst über Blockchains, entwickelte 2013 ein eigenes Konzept und gründete 2014 Ethereum, eine Alternative zu Bitcoins, die besonders für den Einsatz von Smart Contract, also automatisierten Verträgen, geeignet ist. Heute sind „Ethers“ die wichtigste virtuelle Währung neben Bitcoins.

Die zu Grunde liegende Blockchain von Ethereum ist wegen ihrer flexiblen Einsatzmöglichkeiten für viele potenzielle Anwender eine interessante Alternative. Dieses Netzwerk hat inzwischen mehr Knoten als das hinter den Bitcoins. Die Beratungsfirma Deloitte hat mit Buterin eine Kooperation abgeschlossen und möchte Konzepte für die Finanzbranche anbieten.

Der Vorteil von Ethereum: Dort lassen sich sehr einfach, ohne eigene Programmier-Kenntnisse, sogenannte Smart Contracts einbauen. So können etwa Auktionen organisiert werden, bei denen Einzahlungen, Auszahlungen und Rückzahlungen automatisch ablaufen. Konzepte zum Crowdfunding, also zur Aufbringung von Finanzmitteln von einer großen Zahl von Geldgebern, sind so einstellbar, dass zugleich elektronische Stimmrechte für die Verwendung der Mittel geschaffen werden.

Ethereum stößt über die Finanzbranche hinaus auf Interesse, etwa bei Versorgern. „Blockchain heißt für uns Ethereum“, sagt Carsten Stöcker von RWE. Wenn die Versorger sogenannte Smart-Grids bauen, also intelligente Versorgungsnetze, brauchen sie begleitend dazu auch smarte Abrechnungssysteme. Das Beispiel zeigt: Die Blockchain-Revolution hat noch unabsehbar großes Potenzial.

Buterin, der Erfinder von Ethereum, hofft, dass er in ein bis zwei Jahren konkrete Projekte vorweisen kann. Er fällt mit seiner schlaksigen Gestalt, meist in ein weißes T-Shirt gekleidet, auf jeder Veranstaltung sofort auf. Er wirkt zunächst zurückhaltend, beinahe schüchtern, kann aber wie ein Wasserfall in schnellen, langen Sätzen reden, wenn man ihm eine Frage stellt.

Auf seiner Homepage gibt er eine Selbst-Charakterisierung und zugleich eine Kostprobe seiner gewundenen Gedankengänge: „Mein primäres akademisches Interesse liegt im Studium und der Erforschung der komplizierten Schnittstelle zwischen Informations-Theorie, Kryptographie, Soziologie, Epistemologie, Politik und Ökonomie, in deren Kern Mechanismen stecken wie Prognosemärkte, krypto-ökonomische Maschinen (für den Laien: Blockchains), Kautionen, Systeme zum Schutz von Verbrauchern und Reputation, Sicherheitssysteme mit mehrfachen persönlichen Schlüsseln und Skalierbarkeits-Spiele.“

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