Virtuelle Währung
Warum Bitcoins nichts für Verbrecher sind

Eine US-Studie legt nahe, dass Kriminelle gerne mit Bitcoins bezahlen. Ein wissenschaftlicher Beweis für die Gefährlichkeit der Online-Währung? Mitnichten. Denn für ihre Studie haben die Forscher einen Trick benutzt.
  • 0

FrankfurtManche Geschichten sind zu schön, um wahr zu sein. Etwa diese: „Bitcoin-Nutzer sind meistens Kriminelle“, schreibt die „Welt“ unter Berufung auf eine US-Studie. Und macht die virtuelle Währung nicht tatsächlich in erster Linie mit Skandalen von sich reden? In Tokio wurde am Wochenende der Betreiber der Bitcoin-Börse Mt. Gox verhaftet; in den USA wanderte Silk-Road-Gründer Ross Ulbricht lebenslang ins Gefängnis. Das heißt aber noch längst nicht, dass vor allem Ganoven mit Bitcoins bezahlen.
Genau das wollen zwei amerikanische Forscher herausgefunden haben. Aaron Yelowitz und Matthew Wilson von der Universität Kentucky widmen sich in den Applied Economics Letters der Charakteristik der Bitcoin-Nutzer. Über die ist wenig bekannt. Denn wenn jemand Bitcoins überweist, wird das zwar in einer großen Datenbank, der sogenannten Blockchain, dokumentiert. Allerdings nicht unter dem Klarnamen, sondern unter einer Bitcoin-Adresse. Wer sich dahinter verbirgt, ist nicht ersichtlich - auch nicht für die Forscher. Deshalb bedienen sie sich eines Tricks. Mit den „Google Trends“ werten die Ökonomen aus, welche Begriffe Internetnutzer bei Google suchen. Sie stellen fest: Wenn sich mehr Leute für Bitcoins interessieren, steigt auch das Interesse für den Suchbegriff „Silk Road“ - den illegalen Online-Schwarzmarkt von Ross Ulbricht. Mit statistischen Methoden zeigen die Forscher, dass es zwischen beiden Begriffen einen signifikanten Zusammenhang gibt. „Wir fanden klare Hinweise, dass Computer-Enthusiasten und Kriminelle für das Interesse an Bitcoins entscheidend sind“, schreiben die Forscher.

Doch ein Beweis, dass Bitcoins deshalb für kriminelle Zwecke benutzt werden, ist das natürlich nicht. Die Suchmaschine führt Nutzer nämlich bei der Suche auf eine bestimmte Fährte, indem sie Suchbegriffe automatisch vervollständigt. Google geht davon aus, dass man sich für ähnliche Schlagworte interessiert wie der Rest der Welt. Dadurch verselbstständigen sich Trends. Ganz davon abgesehen, dass Medien das Interesse an Bitcoins befeuerten, indem sie immer wieder über den Silk-Road-Skandal berichteten. Dass umso häufiger nach beiden Begriffen gesucht wird, ist deshalb kein Wunder.
Das Hauptproblem der Studie legen die Autoren jedoch schon im zweiten Absatz selbst offen. Weil jemand sich für etwas bei Google interessiert, heißt das nicht, dass er in der Offline-Welt auch danach handelt. In den amerikanischen Google-Charts stand zuletzt etwa „Kevin Bacon“ und „nackt“ hoch im Kurs - dass alle Google-Nutzer dem Hollywoodstar auch privat nachstellen würden, darf bezweifelt werden.

Tatsächlich eignen sich Bitcoins nur bedingt für illegale Machenschaften. Denn dem Nutzer wird ja eine Bitcoin-Adresse zugeordnet. Bitcoins sind also nicht anonym, wie Kritiker gerne anprangern. Sie sind pseudonym. Für einen kriminellen Bitcoin-Nutzer hat das unangenehme Konsequenzen: Spätestens wenn er die virtuelle Währung von seiner Bitcoin-Adresse in bares Geld tauschen will, lässt sich seine Spur verfolgen. Bei europäischen Bitcoin-Börsen gehen regelmäßig Anfragen der Staatsanwaltschaft ein - und mancher Gauner wundert sich, wenn daraufhin eines Morgens die Polizei bei ihm klingelt. Das zeigt: Es gibt also tatsächlich Kriminelle, die Bitcoins nutzen - dass sie die Mehrheit der Bitcoin-Nutzer stellen, bleibt aber zu beweisen.

Kommentare zu " Virtuelle Währung: Warum Bitcoins nichts für Verbrecher sind"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%