Volksrepublik plant weltweit Übernahmen
China verstärkt Jagd nach Rohstoffen

Der Kampf um die knappen Rohstoffressourcen wird härter, weil die bisher dominierenden westlichen Industriestaaten einen energie- und expansionshungrigen Konkurrenten bekommen haben: China. Die Volksrepublik greift die alten Platzhirsche im Kampf um die dauerhafte Rohstoffversorgung mittlerweile direkt an.

FRANKFURT/M. Die chinesische Ölfirma CNOOC, mehrheitlich in Staatsbesitz, will den kalifornischen Ölkonzern Unocal für 18,5 Mrd. Dollar übernehmen. Fachleute erwarten, dass China eine weltweite Einkaufstour unternimmt, um sich den strategisch wichtigen Zugriff auf die Basismaterialien zu sichern. Die anderen Industriestaaten werden nicht tatenlos zusehen. Für die Anleger heißt dies, dass Rohstoffwerte von den anhaltenden Übernahmespekulationen profitieren.

Durch das zwangsläufige Interesse der Chinesen werde „die Rohstoff-Landkarte völlig neu verteilt", sagt Norbert Faller, Fondsmanager von Union-Investment in Frankfurt. Dem Beispiel Unocal dürften weitere Übernahmeaktivitäten chinesischer Unternehmen im Rohstoffbereich folgen, sagt Stephanie Wu, Fondsmanagerin des Invesco Asian Equity Core Fund.

Eine globale Ausrichtung Pekings im Rohstoffbereich sei nicht zuletzt wegen der im Reich der Mitte nur begrenzt verfügbaren Energiereserven sinnvoll, sagt Graham Birch von Merrill Lynch Investment Managers in London. China ist mit seiner exorbitant wachsenden Wirtschaft längst vom Rohstofflieferanten zum Rohstoffimporteur geworden. Wie prekär die Lage ist, zeigt die Tatsache, dass im Ostchinesischen Meer zuletzt ein heftiger Streit zwischen Peking und Tokio um dortige Erdgasvorkommen entbrannt ist.

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Die starke Annäherung Pekings an die energiereichen arabischen Länder sowie an den Ölproduzenten Venezuela sehen Analysten als klares Indiz für den immer stärker in Richtung Versorgungssicherheit gehenden rohstoffpolitischen Kurs Pekings. Chinas Ölgesellschaft CNPC betreibt in Venezuela bereits die beiden großen Ölfelder Intercampo Norte und Carcoles. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat Peking weiteren Zugang zu den Energiereserven seines Landes angeboten.

Chinas Wirtschaft hat sich inzwischen auf allen fünf Kontinenten größere Claims sowohl im Energiesektor als auch im Bergbau abgesteckt – in der Regel durch den Abschluss von Kooperationsabkommen mit einheimischen Rohstoffgesellschaften. Offiziellen Angaben aus Peking zufolge hat das Land bis heute rund 170 Mill. Dollar allein in die Kupfer- und Kohleminen des afrikanischen Landes Sambia investiert.

Auf ihrer globalen Einkaufstour mussten die Chinesen allerdings die Erfahrung machen, dass Übernahmen von Rohstoffgesellschaften in den westlichen Industrieländern gar nicht so gern gesehen sind. Grund: Im Westen besteht die Angst, Chinas Rohstoffhunger könne die bisherigen großen Abnehmerländer in der industriellen Welt ins Abseits drängen. So wie sich Unocal mit Händen und Füßen gegen die Übernahme durch CNOOC wehrt, so blockte Kanadas Minengesellschaft Noranda im vergangenen Jahr eine Übernahmeattacke der staatlichen China Minmetals Corporation ab. Da überrascht es schon, wenn Kanadas Handelsminister Jim Peterson in diesen Tagen erklärt, man begrüße chinesische Investitionen sowohl im Energiebereich als auch im Bergbau.

Für die Unternehmen der internationalen Rohstoffbranche stelle allein der aus der Größe der chinesischen Volkswirtschaft abzuleitende Bedarf an Basismaterialien eine gigantische Herausforderung dar, sagt Merrill-Experte Birch. An den Aktienbörsen könne man darauf setzen, dass China in nächster Zeit zur Sicherung der eigenen Rohstoffversorgung internationale Energie- und Bergbauunternehmen aufkaufen werde. „Wenn die im Hinblick auf solche Übernahmen bestehenden politischen Bedenken schwinden, wird China künftig eine führende Rolle im globalen M&A-Geschäft (Fusionen und Übernahmen) einnehmen“, prophezeit Birch.

David Hurd von der Deutschen Bank weist schließlich darauf hin, dass die Regierung in Peking den eigenen Unternehmen wie CNOOC Kapital in Fülle leihen könne, das für die Übernahme von Ölgesellschaften benötigt werde. Schließlich sitzt China auf einem hohen Berg an Währungsreserven.

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