Von Gewinnern und Verlierern
Steigende Ölpreise wirken nicht nur negativ

doh DÜSSELDORF. In der Theorie: Ein dauerhafter Anstieg des Ölpreises um zehn US-Dollar je Barrel (159 Liter) führt dazu, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) innerhalb von drei Jahren um bis zu 0,5 Prozentpunkte sinkt. Das zeigen Modellrechnungen von Ökonomen.

In der Realität: Eines wird in solchen Rechnungen allerdings meistens vernachlässigt. Die so genannten Erdölstaaten geben die infolge der höheren Ölpreise erzielten Mehreinnahmen wieder für Importgüter aus – sie recyclen also quasi die Petrodollar.

Gegenläufige Effekte: Berücksichtigt man diesen Aspekt, sind die Wachstumsverluste in manchen Industrieländern geringer. Die deutsche Konjunktur etwa profitiert von dem Petrodollar-Recycling – sie wird daher weniger stark von dem hohen Ölpreis betroffen, als die Faustregel suggeriert. Deutschland hat von den Rückflüssen sogar mehr als andere ölimportierende Länder wie Japan. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums zum Zusammenhang zwischen Ölpreis und Exporten von 1980 bis 2003.

Die Gewinner: Die Exportwirtschaft in den Industrieländern profitiert von diesem Effekt – vor allem Investitionsgüterhersteller. Insgesamt erhöhen die Länder der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) laut Studie des Bundeswirtschaftsministeriums ihre Gütereinfuhr um sechs Prozent, wenn die Rohöleinnahmen in diesem Zeitablauf um zehn Prozent steigen. Deutschland sowie die USA und Japan profitieren von diesem Zusammenhang überdurchschnittlich: Die deutschen Exporte in die Opec-Länder steigen um 13 Prozent, wenn die Opec-Importe um zehn Prozent zunehmen. Die Vereinigten Staaten sowie Japan können mit einem Exportanstieg um elf Prozent rechnen.

Die Verlierer: Die wirtschaftliche Last, die in Form der hohen Ölpreise auf vielen Ländern liegt, gleichen die zurückfließenden Petrodollar aber nicht aus, warnt das Ministerium. Gesamtwirtschaftlich sei der Außenhandelseffekt zu klein, um das BIP relevant verbessern zu können – selbst unter Einbeziehung der Ölförderstaaten Russland und Norwegen. Dreimal wichtiger sei für die deutsche Wirtschaft, ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen – etwa dadurch, dass das heimische Preisniveau langsamer steige als in anderen Ländern.

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