Vor EU-Gipfel
Anti-Euro-Wetten auf Rekordhoch

Seit der vergangenen Woche wird gegen die Gemeinschaftswährung gezockt wie nie. Es geht um die Folgen eines möglichen Ausstiegs Griechenlands. Vom bevorstehende EU-Sondergipfel erwarten die Anleger keine Lösungen.
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FrankfurtHoffnungen auf ein chinesisches Konjunkturprogramm und auf Wachstumsimpulse vom anstehenden EU-Gipfel haben den Euro am Dienstag gestützt. Die Gemeinschaftswährung hielt sich kurz nach einem positiven Handelsstart an den Börsen knapp unter ihrem Vortagesschluss von 1,2813 Dollar. Gleichzeitig wetten Investoren aber so stark wie nie darauf, dass ein Austritt Griechenlands aus der gemeinsamen Währungsunion zu viel wäre, um den Euro über seinem langfristigen Durchschnittskurs zu halten.

Hedgefonds und andere große Investoren hatten seit November ihre Wetten, die von einem Wertverlust der europäischen Gemeinschaftswährung profitieren würden, zurückgefahren. In der vergangenen Woche nun haben sie genau diese Wetten wieder aufgebaut, und zwar auf das höchste Niveau aller Zeiten. Das belegen Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Der Aufschlag für Optionen, die das Recht zum Verkauf des Euro einräumen, hat sich seit März mehr als verdoppelt.

Fast über die gesamten Finanz- und Politikturbulenzen in Europa hinweg hielt sich der Eurokurs über seinem langfristigen Schnitt seit der Einführung im Januar 1999. Investoren vertrauten auf die Fähigkeit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Währungsunion zusammen halten zu können. Während die Devisenstrategen aktuell keine große Änderung im Verhältnis Euro/Dollar erwarten, glaubt doch die Mehrheit der von Bloomberg News befragten Händler, dass selbst der Austritt eines schwachen Staates wie Griechenland das Risiko erhöhen würde, dass weitere Länder folgen, was den Eurokurs drücken würde.

Rege diskutiert wurde am Markt das Thema Eurobonds, welches der französische Präsident Francois Hollande neu angestoßen hat. Deutschland lehnt diese Anleihen bislang strikt ab. Investoren waren nun gespannt, ob sich auf dem für Mittwoch angesetzten informellen EU-Gipfel subtile Änderungen in dieser Position erkennen lassen werden. Die Analysten der Commerzbank gingen davon aus, dass letzten Endes wieder einmal die EZB als Zahlmeister gerufen wird. "Für die meisten Politiker ist die EZB nicht mehr als eine attraktive Geldquelle", schrieben sie in einem Kommentar. Die Zentralbank sei daher gefragt, ihre Unabhängigkeit zu beweisen. „Je deutlicher sie das macht, desto geringer wird der langfristige Schaden für den Euro."

„Die große Angst an den Finanzmärkten ist, dass, wenn ein Land aussteigt, dieses Land möglicherweise nicht das letzte bleibt”, sagte Alan Ruskin, Chef-Devisenstratege für die G10- Staaten bei der Deutsche Bank AG in New York, in einem Interview mit Bloomberg News. „Der Wegfall eines Landes, wie schwach es letztlich auch immer sein mag, wäre nicht der Weg zu einer stärkeren gemeinsamen Währung.”

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  • Ich schreibe es hier seit 2008, nun agumentiert auch die Deutsche Bank in diese Richtung: Wir brauchen nationale Parallelwährungen. Sie stellen im Kern keine Renationalisierung dar, sondern ein zusätzliches, national begrenztes Zahlungsmittel, dass es erlaubt, Lohn- und Produktionskosten in den Krisenländern zu senken und damit für neue Wirtschaftskräfte zu sorgen. Wir werden weder über Bildung noch über Subventionstöpfe einen selbsttragenden Aufschwung in Griechenland initiieren können. Stattdessen brachen wir eine Rückbesinnung auf freie Marktkräfte. Billiger Urlaub und billige Produktionsmöglichkeiten bedeuten Aufschwung. Griechenland braucht diese Chance. Und viele andere Südländer vermutlich ebenfalls. Glcihzeitig sollte die EZB weiterhin den Geldumlauf erhöhen. Ja, es wird dadurch Inflation geben. Doch anders als bisher sollte das Geld gleichmäßig nach Euro-Anteilen auf alle Euro-Staaten verteilt werden. Dies wird die Kritiker solcher Maßnahmen besänftigen, denn auch Deutschland bekäme seinen Teil, den es u.a. als Inflationsausgleich an die Bevölkerung weiterreichen könnte. Wir könnten Steuern senken, die Energiewende forcieren, Bildung angemessen alimentieren. Viele unserer heutigen Probleme sind Euro-gemacht.

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